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Anti-Musikfilm über Ja, Panik

Regisseur Georg Tiller hat sich den Titel von Ja, Paniks viertem Studioalbum und dem darauf befindlichen Titeltrack "DMD KIU LIDT" geschnappt und einen gleichnamigen Film mit dokumentarischem Charakter über die österreichische Indie-Band gemacht. Letzte Woche hatte sein Anti-Musikfilm "DMD KIU LIDT" auf der Berlinale seine Uraufführung, im März ist der Streifen auch in Wien zu sehen.

 

"DMD KIU LIDT" ist ein Anti-Musikfilm, in dem Regisseur Georg Tiller die in Berlin lebende österreichische Indie-Pop/Rock-Band Ja, Panik und ihr soziales Umfeld begleitet und ihre Interaktion mit befreundeten Musiker_innen zeigt. Vielmehr als ein gewöhnlicher Musikfilm ist "DMD KIU LIDT" eine Chronik über eine Gruppe, die sich in den Bedingungen des Musikmachens auf einen Zustand der durch die Nachwehen einer permanenten Krise des Kapitalismus dominierten Trauer zentriert.

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"Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit"

Die aus Österreich stammende Band Ja, Panik lebt und arbeitet seit Jahren in der Wahlheimat Berlin. Doch im Film "DMD KIU LIDT" geht es nicht um die Musik und das Musikerleben per se - man sieht die Musiker abseits jeglicher Klischees, die man von einer Rock-Band erwarten könnte. Keine Musik, keine Eskapaden, meist nur Ruhe und gediegene Melancholie. Der Sommerwind trägt die jungen Männer durch die deutsche Hauptstadt und nie ist man sicher, wohin der Tag die Gruppe führen wird und was ihr Ziel ist.

Georg Tillers Werk verweigert sich jeglichen Konventionen eines traditionellen Musikfilms, was zu der einzigartigen Atmosphäre des Films beiträgt. Der Regisseur selbst nennt "DMD KU LIDT" einen Anti-Musikfilm. Nie sieht man die Gruppe live spielen. Die Musiker hängen vor dem Auftritt in einer verrauchten Bar ab, packen ihre Instrumente nach einer Probe zusammen, trinken gemächlich Kaffee oder rauchen eine Zigarette, während sich das Schilfgras irgendwo neben verlassenen Bahngleisen in einer leichten Brise wiegt. Die beirrend friedlichen Bilder lassen den Gedanken freien Lauf, ihr ruhiger Fluss endet irgendwann unter Bäumen im Grunewald, am Grab von Nico. Erst da erklingt mit "DMD KIU LIDT" das einzige Lied des Films.

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Vergeblichkeit, Traurigkeit, das Unwohlsein im Kapitalismus – so viel Weltschmerz sieht man Georg Tillers in lyrischem Schwarz-Weiß gedrehten, aus wenigen langen Einstellungen bestehenden Film über die Band nicht gleich an. Doch in manch einer Einstellung oder einem Gespräch kommt die Essenz des Werkes zur Geltung, etwa wenn Ex-Lassie Singer Christiane Rösinger am Steuer eines Autos im Gespräch mit Andreas Spechtl von Ja, Panik "ein großes Vergeblichkeitspotential" in Liedern über das Unterwegssein, das Reisen und Wandern sieht.

 

DMD KIU LIDT

A Film by Georg Tiller.

55 min, Österreich / Deutschland 2014.

Starring Ja, Panik, Christiane Rösinger, Hans Unstern, Chris Imler, Maurice Summen.

 

TIPP: Screening im Rahmen der Poolinale 2014 - Music Film Festival Vienna: 25. - 30. März 2014

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