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Kommando Elefant im Interview

Kommando Elefant sind dem poolbar-Festival wohlbekannt, ihre mehrmaligen Auftritte in guter Erinnerung. Nachdem letzten Herbst mit "Das große Elefanten-Lesebuch" ihr literarisches Debüt erschienen ist, darf man vom Jahr 2014 wieder musikalisches Schaffen erwarten - ein neues Album ist für den Sommer geplant. Im folgenden Interview erfahrt ihr mehr darüber!


Die Indie-/Elektro-Pop-Band Kommando Elefant wurde 2007 von Alf Peherstorfer und Bernhard "Luis" Pasching gegründet. Nach drei Studioalben und unzähligen Live-Konzerten im In- und Ausland zählt die Band mittlerweile zu einem der bekanntesten Aushängeschilder der österreichischen Musikszene. Aber Kommando Elefant haben auch eine literarische Seite: 2013 veröffentlichten sie "Das große Elfanten-Lesebuch".

 

Das Tiroler Entertainment-Online-Magazin Louder.AT traf vor kurzem Luis von Kommando Elefant zum Interview, in vollständiger Länge ist es HIER zu lesen.

 

Louder.at: Hi Luis! Beginnen wir gleich mal mit einer eher ungewöhnlichen Frage: Wie würdest du eure Musik einem Außerirdischen erklären, der zwar unsere Sprache spricht, aber keine Ahnung von Musikgenren hat?
Luis: Ich würd sagen, es ist Musik mit Herz – also man spürt glaub ich bei jeder Zeile, dass da Gefühle, Emotionen, Gedanken dahinterstehen, weil die Texte sehr viel vermitteln, ausdrücken und rüberbringen. Falls der Außerirdische ein bisschen Musik kennt, dann würd ich sagen es ist Indiepop mit deutschen Texten.
Uns ist es wichtig, dass wir beim Deutsch bleiben, weil wir dann für ein bestimmtes Wort zehn verschiedene Synonyme im Kopf haben und nicht so wie im Englischen, wo wir froh sind, dass wir einen geraden Satz herausbringen. 

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Louder.at: Für Sommer 2014 habt ihr die Veröffentlichung eures vierten Studioalbums geplant. Was darf man sich davon erwarten?
Luis: Es ist wieder eine gewisse Weiterentwicklung – schon beim zweiten Album waren Songs wie "Wir sprengen Krokodile" dabei, die schon ein bisschen was Elektronisches hatten und beim dritten ging’s noch mehr in die elektronische Richtung. Jetzt beim vierten Album ist dieses Element der Elektronik noch viel stärker ausgeprägt. Es wird glaub ich um einiges tanzbarer, als es das dritte beispielsweise war.

Louder.at: Ihr veröffentlicht ja über euer eigenes Label. Welche Vorteile hat das für euch?
Luis: Naja wir haben alles unter Kontrolle, es bleibt alles in unserer Hand. Der größte Vorteil ist, dass wir alles selber entscheiden können, alle Budgets entscheiden können, wohin fließt das Geld, wen möchten wir als Partner haben, der uns bei der Promotion hilft. Es gibt dann auch kein Label, das uns auf die Finger klopft und sagt "Ok Leute, ihr müsst das und das spielen" oder "Ihr müsst in einer Zeitung eine Anzeige bringen" – was wir aber vielleicht gar nicht wollen.

Louder.at: Aber gibt’s auch Nachteile, die daraus entstehen?
Luis: Ja, der Nachteil ist halt, dass ganz viel Arbeit dann doch wieder an uns Künstlern hängen bleibt. Es ist halt ganz bequem, wenn man die Arbeit an Dritte abgeben kann und sagt "Die CD ist fertig, hier hast du sie und jetzt mach damit was du willst." De facto sind aber die Vorteile doch größer.

Louder.at: Also war für euch von Anfang an klar, dass im eigenen Label released wird?
Luis: Ja doch, also wenn jetzt Rick Rubin oder David Geffen angeklopft hätte und uns eine Million Dollar gegeben hätte, dann hätten wir uns das vielleicht noch überlegt, aber so war das schon klar (lacht).
Das ganze Label ist halt einfach eine große Familie, ein großer Freundeskreis – nicht nur die Labelbosse sondern auch die anderen Bands, die beim Label sind und alle die sonst irgendwie Mitwirken. Wir gehen gemeinsam fort, wir verbringen sehr viel Zeit miteinander – es ist wirklich eine Community und eine Familie für uns. Da gab‘s eigentlich keine Diskussion, dass wir da wo anders hingehen wollen.

Louder.at: Wie laufen generell die Arbeiten am Album bei euch ab? Gibt‘s da Rollenverteilungen oder arbeiten alle gemeinsam an allem?
Luis: Ja, es ist so, dass der Leadsänger Alfred eigentlich fast alles selber macht. Also er schreibt die Texte, er schreibt die Songs, wir kriegen die dann im Proberaum zu hören und lassen da unsere Inputs einfließen. Im Prinzip macht aber der Alf das meiste, der entscheidet auch, welche Songs würdig sind, um auf das Album zu kommen – er hat einen unglaublichen Output an Songs. Er schreibt für jedes Album glaub ich 45 Songs, wo man sich dann halt die besten 13 herauspickt. Insofern ist er der Kopf und der Chef, der sagt, wo es lang geht.

Louder.at: Wenn so viele Songs da sind, was passiert mit den anderen? Geraten die dann in Vergessenheit?
Luis: Nein, die werden verkauft an z.B. Christl Stürmer – also für die ist das dann noch gut genug.

Louder.at: Hört ihr euch auch manchmal eure eigenen Songs an und denkt "Verdammt, wir sind eigentlich schon wirklich gut?"
Luis: Ja, manchmal schon. Es gibt da Tage –  z.B. wenn ich mit dem Nachtbus heim fahr und Musik hör – wo ich keinen einzigen Song durchhören kann, wo ich immer nur weiter und weiter schalte, weil mich irgendwie nichts anspricht und nichts meiner momentanen Emotion entspricht. Und da ist es mir dann schon ein paar Mal passiert, dass ich auf den eigenen Songs hängen geblieben bin, weil man da auch einfach hinter den Vorhang schauen kann, man weiß genau, warum es diesen Song gibt, an wen man gedacht hat, als man den Song geschrieben hat, in wen man grade verliebt war usw. Da gibt‘s natürlich sehr viele Bilder, die dann im Kopf entstehen – also ja, passiert immer wieder, dass ich mir denk "Ja, genau das is es!".

Louder.at: Gerade seid ihr erst von einer Tour durch Deutschland zurückgekommen. Wie waren die Reaktionen der Menge in Deutschland? Gibt’s da große Unterschiede zu Österreich?
Luis: Ich glaube die Unterschiede gibt’s da insofern, dass wir in Deutschland noch nicht so bekannt sind. In Österreich haben wir den Vorteil, dass die Leute einfach wissen, was sie erwartet, wenn sie auf ein Kommando Elefant-Konzert gehen. In Deutschland ist das wieder ein bisserl anders. Da sind wir recht unbekannt – noch – und es passiert ganz viel durch Mundpropaganda. Die Leute kennen nur die drei Songs, die es auf Youtube zu hören gibt und da findet man halt alle Reaktionen, so wie es am Anfang in Österreich auch war -  von völlig exstatisch bis hin zu völlig verstört, also es ist alles dabei. Ich glaub es sind auch unsere Shows recht kurzweilig, es gibt nicht eine Linie, die von Song eins bis zur Zugabe durchpreischt. Es gibt ruhige Songs, es gibt Balladen, es gibt elektronische Songs, es gibt Songs, die man mit sehr viel Augenzwinkern sehen muss und wo man vielleicht ein bisschen mehr zwischen den Zeilen lesen muss. So vielfältig wie die Songs sind, sind auch die Reaktionen des Publikums.
In Deutschland ist das Ganze halt viel ehrlicher, weil wenn du z.B. in Wien spielst, sind zwei Drittel des Publikums Leute, die du mit Namen kennst, und die klopfen dir natürlich viel eher auf die Schulter, als irgendwelche Piefke, die dich vielleicht gar nicht kennen.
Das Spannende in Deutschland ist halt auch, dass die Clubszene viel größer ist und dass du auch an völlig absurde Orte gerätst. Es gibt nicht so diesen Clubstandard wie in Österreich und wahrscheinlich auch wo anders, sondern du spielst an einem Tag in einem Wohnzimmer mit keiner Anlage und am nächsten Tag spielst auf einer super Festivalbühne, wo alles da ist, was du dir wünscht. Am dritten Tag dann auf einem Land Rover Treffen, also es ist wirklich alles dabei und du musst auch fähig sein, da sehr flexibel zu sein.

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Louder.at: Dann kommen wir zum Buch, das ihr letztes Jahr veröffentlicht habt. Wie ist es dazu gekommen? Immerhin ist das ja nichts Alltägliches für eine Band.
Luis: Die Idee des Buches gab‘s eigentlich schon sehr lange. Ich hab eigentlich immer schon geschrieben, z.B. hab ich auf der Homepage einen Blog gehabt und alle möglichen Alltags- und Tourerlebnisse, oder Beobachtungen, die so passiert sind usw. niedergeschrieben.
Als wir dann auf der FM4 Soundpark Tour waren, wurden wir gebeten, dass wir das ganze literarisch festhalten, was da alles so passiert und ganz ehrlich: Wie geil ist es, ein Buch zu schreiben?!
Wir haben das Glück gehabt, dass wir zwei Mädels vom Wiener Verlag Milena kennengelernt haben, die darauf eingestiegen sind. Wir haben einen feuchtfröhlichen Abend mit ihnen gehabt und haben sie unter den Tisch gesoffen und dann haben die nicht mehr ausgekonnt. (lacht) Auch im nüchternen Zustand waren sie noch Sturm und Drang, dieses Buch herauszubringen. Also ja, die Idee gab‘s schon lange und wir sind sehr froh, dass es jetzt wirklich Realität geworden ist.

Louder.at: Du selbst bezeichnest es ja als "Panoptikum des Wahnsinns". Kannst du uns ein bisschen was darüber erzählen?
Louis: Das Buch ist halt sehr vielfältig. Es ist nicht wie ein Roman, es ist keine durchgängige Geschichte, darum sag ich auch "Panoptikum des Wahnsinns" dazu. Es gibt absurde Kurzgeschichten, es gibt reale Kurzgeschichten, ganz viele Träume – ich träum ziemlich wild und schreib das dann auch nieder – es sind die Liedtexte drinnen, es gibt ein paar Fotos, ich hab Rock’n'Roll Kochrezepte verfasst – also es ist sehr abwechslungsreich.
Ich glaub nicht, dass man es schafft, es von A bis Z durchzulesen, dafür ist es ein bisschen zu crazy. Aber ich würd dieses Buch kaufen (lacht). Ich würde mich freuen, wenn es mehr solche Bücher geben würde. Es ist halt einfach Kloliteratur und eher in kleinen Happen zu genießen. Wir hoffen einfach, dass es ein kleines Lächeln auf das Antlitz der Leser zaubert.

Louder.at: Und war das was Einmaliges für euch oder gibt‘s da schon den Hintergedanken, das zu wiederholen?
Luis: Jaja sicher. Es gibt ganz ganz viele Geschichten, Träume und Erlebnisse, die noch nicht in dem Buch sind und schaun wir mal, wie der Verlag reagiert, aber wir hätten sehr wohl Interesse daran, so wie der Brockhaus ganze Reihen rauszubringen, sodass wir am Ende eine ganz Schrankwand mit unseren Büchern tapezieren können.(lacht)

Louder.at: Haha, ja das kann ich mir gut vorstellen. So, wir bedanken uns, dass du dir Zeit für uns genommen hast – die letzten Worte gehören noch dir!
Luis: Ich freu mich aufs neue Album, ich bin gespannt auf die Reaktionen – das alte Album is ja doch schon zwei Jahre her – und bin einfach gespannt und aufgeregt, was die Zukunft bringt! Ja, und auch von mir Danke!

 

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