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Kettcar's Marcus Wiebusch solo

Vor drei Jahren standen Kettcar das letzte Mal auf der großen Bühne im Alten Hallenbad, seither hat sich einiges getan: 2012 erschien das vierte Album der Hamburger Formation "Zwischen den Runden", gefolgt von einer ausgiebigen Tour, und 2013 hat Frontmann Marcus Wiebusch sein Soloalbum "Konfetti" aufgenommen, das vor kurzem veröffentlicht wurde.

Ein Review von Robert Ziffer-Teschenbruck, nachzulesen auf enemy.at.

 

Am 18. April 2014 erschien endlich das lang ersehnte Marcus Wiebusch-Soloalbum "Konfetti". Doch wieso Marcus Wiebusch solo? Keine Sorge, Kettcar gibt es noch! Doch Marcus Wiebusch hatte Bock auf was Neues und als musikalisches Mastermind kann man auch mal schnell allein ein Album auf den Markt werfen.

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Nachdem Marcus Wiebusch mit seiner EP "Hinfort Feindliche Macht" den Fans einen kleinen, teilweise düsteren Vorgeschmack auf "Konfetti" bot, war zumindest klar, wo Marcus Wiebusch hier ansetzen wird. Dass er mit "Konfetti" kein 20 Jahre-Jubiläums-Reissue von "Hippiekacke", Marcus Wiebuschs Solotape aus dem Jahre 1994, herausbringen wird, konnte man auch erahnen. Als Uralt-Wiebusch-Fan breitet sich definitiv ein gewisses Gefühl von "schade eigentlich" aus, aber deshalb soll man nicht gleich voreingenommen an das Werk herantreten.

Zu sagen, Marcus Wiebusch hätte jemals einen schlechten Release herausgebracht, würde sogar ein_e Agnostiker_in als Blasphemie bezeichnen. Dennoch ist "Konfetti" vor allem anfangs ein sehr gewöhnungsbedürftiges Werk.

 

Mit den Liedern "Off", "Nur einmal Rächen", "Was wir tun werden", "Wir waren eine Gang" und "Springen" macht Marcus Wiebusch eigentlich klassisch dort weiter, wo er gerade mit Kettcar steht: Das Klavier spielt immer mehr eine wichtige Rolle und die verzerrte Gitarre wurde in den Keller gesperrt. Was bleibt, sind schöne Melodien, die mit den zum Nachdenken anregenden, phänomenal guten Texten dann doch einen gewissen Ohrwurmcharakter erzeugen. Der nach Drumcomputer klingende Sound bei "Das Böse besiegen (Der Exorzismus des David R.)" und "Der Fernsehturm liebt den Mond" vergibt den zwei Nummern auf jeden Fall einen gewissen Low-Budget Pop Faktor.

Etwas düster wird es bei den Nummern "Jede Zeit hat ihre Pest", "Haters Gonna Hate" und "Schwarzes Konfetti", wobei letzteres eine düstere Ballade ist. Die anderen zwei Lieder sind tanzbare, für Marcus Wiebusch sehr untypische Nummern. Experimentierungsfreudig mit Synthesizer und eingängigen Drumbeats bewegt sich Marcus Wiebusch mit ihnen definitiv aus der Komfortzone des klassischen Kettcar-Fans und weiß selbst, dass er dafür Rüge bekommen könnte. Es könnte ihm aber auch nicht egaler sein, nicht ohne Grund heißt einer dieser Tracks "Haters Gonna Hate".

Speziell erwähnen sollte man die Nummer, die Ansage, die Hau-Drauf Ballade oder kräftige Moralpredigt "Der Tag wird kommen". Dieses Lied ist ein Appell gegen Homophobie, gegen all jene, die anhand von sexueller Gesinnung urteilen! Abgesehen vom ausgereiften Text zeugt das Lied auch durch seine Gänsehaut-erregende Musik von Einzigartigkeit. Kudos.

Fazit

"Konfetti" ist definitiv etwas Neues und spiegelt Marcus Wiebusch poppige, balladenreiche als auch düstere Seite wieder. Was selbst Fans von Kettcar etwas zu poppig beziehungsweise schräg werden könnte, könnte jedoch ein neues Publikum auf den Singer-Songwriter werfen. Und wenn man einmal im Bann von Marcus Wiebusch ist, sieht man auch über den ein oder anderen musikalischen Wechsel, oder nennen wir es, gesunde Veränderung, hinweg. Denn egal ob …But Alive, Rantanplan, Kettcar oder Marcus Wiebusch solo – Marcus Wiebusch ist und bleibt Deutschlands Poet der Neuzeit in Sachen Musik mit Sinn und Würze.

 

Marcus Wiebusch - "Konfetti"
Grand Hotel Van Cleef (Indigo)
VÖ: 18.04.2014

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