Poolbar Blog

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The Dandy Warhols versprühten einen Abend lang das Gefühl von „Bohemianism“

Link zum Veranstaltungseintrag, Fotogalerie

Vagabunden, Wanderlustige und Abenteurer, mit Hang zu Literatur und Liebe zur Musik, sprich „Bohemians“, fanden sich vergangenen Mittwochabend in der Poolbar ein. Sie alle teilten dieselben Erwartungen an diesen Abend, nämlich die „Dandy Warhols“, das 4-köpfige Musikprojekt, ursprünglich aus Portland (OR) stammend, bei ihrer einzigen Österreich-Show live zu erleben und den psychedelischen Glamrock, von dem alle reden, wenn man die Band im Internet googelt, „live“ zu spüren. Zugegeben: mir war, wie vermutlich den meisten anderen Gästen, die Band vor allem wegen ihres Hits „Bohemian Like You“ bekannt. Spätestens während des Konzerts wurde mir aber klar, dass die Truppe rund um Courtney Taylor-Taylor am Gesang/Gitarre, Peter Loew an der Gitarre, Zia McCabe am Keyboard/Synthies und Brent DeBoer am Schlagzeug einige andere Ohrwürmer zu bieten hat, die längst in Vergessenheit geraten waren, kann die Truppe doch bereits auf 20 Jahre Bandgeschichte und 10 Alben zurückblicken.

Doch alles der Reihe nach: Fans und Musikliebhaber wie ich betreten die Halle erneut nach einer kurzen Trink- und eventuellen Rauchpause, nachdem der britische Support „Dark Horses“ das Publikum auf das bevorstehende Konzert entsprechend eingestimmt hatte. Pünktlich um 21:45 betreten die „Dandys“ die Bühne, begrüßen die Gäste kurz und höflich und lassen bereits mit ihrem Intro „Mohammed“ auf das schließen, was die kommenden gut 100 Minuten zu bieten haben werden: psychedelisch klingenden, von Synthie-Klängen und Gitarrenexperimenten umrankten Rock’n Roll, der mich ab und an in einen verwegenen Roadmovie der 70er Jahre hineinversetzt, dessen Soundtrack ähnlich klingen könnte. Die Gefühle, die Taylor-Taylor bereits anfangs über das Alleinsein und Freundschaften im Allgemeinen hervorbringt, ziehen sich lyrisch beim zweiten und bereits bekannteren Song „We Used To Be Friends“ weiter durch. Jener Song arbeitet genau mit den Elementen, die die Dandy Warhols für mich vor einigen Jahren zugänglich gemacht hatten: eingängige Melodien, ein knackiger Chorus, der zum Mitsingen anregt, gepaart mit erdigen Rocktönen. Doch die Truppe legt beim Live-Auftritt natürlich einiges drauf: Peter Loew lässt es sich nicht nehmen, einige musikalische Experimente an der Gitarre vorzunehmen, um ihr äußerst interessante Klänge hervorzulocken, die – gepaart mit den Synthie-Ergüssen von Zia – einigen der Songs ein längeres Outro verleihen und es somit fast den Anschein macht, als würde die Band live „jammen“ und sich den Klängen bewusst spontan hingeben. Allerdings lässt mich der Gedanke nicht los, dass jeder ihrer Live-Auftritte dieser Tage ähnlich klingen mag, was somit aber einzig und allein auf ein perfektes musikalisches Zusammenspiel der Bandmitglieder schließt. Somit wage ich zu behaupten - ohne das neue Live-Album “Thirteen Tales From Urban Bohemia Live at the Wonder” selbst gehört zu haben – der Auftritt von letztem Mittwoch in der Poolbar könnte ähnlich geklungen haben wie auf Platte. Nichtsdestotrotz regten die Songs, vor allem besagte Outros, das Publikum dermaßen zum Tanz an, dass sich der eine oder andere sicherlich sogar in eine Art „Extase“ wiegen konnte, untermalt von mal rotem, mal blauem, mal grünem Bühnenlicht. Irgendwie erinnerte mich das Ganze manchmal auch an wilde Tanzszenen am Strand vom indischen Goa. Das zusätzliche Blitzlichtgewitter, das bald jeden Song an diesem Abend begleitete, hätte hier eigentlich gar nicht mehr sein müssen – es erschwerte mehr die Sicht auf die Band, die die oben beschriebene „Bohemian“-Kultur auch selbst zu leben scheint, zumindest was ihre Outifts betrifft. Taylor-Taylor machte sich mehrfach an seinen zwei Mikros zu schaffen, um manchen Songs eine Art „verzerrte“ Stimme beizusteuern, wie z.B. bei ruhigeren Stücken, wie „I Love You“, bei dem Zia auch zusätzlich Melodica-Klänge beisteuerte. Oder bei meinem persönlichen Lieblingsstück, dem sehr tanzbaren „Horse Pills“, verlieh diese Art des Gesangs und Stimmeinsatzes von Taylor-Taylor den nötigen und bereits erwähnten „Rock’n Roll“.

Alles in allem baute sich die Show der „Dandys“ wie erwartet auf, fand ihren Höhepunkt mit Hymnen wie „Bohemian Like You“ oder anderen durchaus partywürdigen und bekannten Songs wie „Get Off“ in der Mitte des Konzerts und schloss mit ähnlichen Melodien wie anfangs ab, um dem Ganzen mit einem experimentellen Outro - dem Mix von „Pete International Airport“ und „Boys Better“ - einen würdigen, aber zu erwartenden Ausgang zu verleihen (vor allem wahrscheinlich für jene Besucher, die sich bereits dem neuen Live-Album zuvor angenommen hatten). Taylor-Taylor würdigte Feldkirch abschließend als „very beautiful city“ und gab sogar einige seiner Deutsch-Künste zum Besten. Dies verlieh dem Auftritt abschließend doch noch eine persönliche Note. Insgesamt präsentierten sich die Dandy Warhols als sympathische, selbstbewusste und dennoch wortkarge Gruppe dem Publikum, die auf alle Fälle des Live-Musizierens würdig ist, ihre Freude zum musikalischen Experimentieren dennoch einstudiert wirkt. Die Songs, von denen definitiv ein paar mir längst vergessene Ohrwürmer dabei waren, wirkten mit der Zeit alle ein wenig ähnlich, und dennoch war es für Fans von bodenständigem Gitarrenrock, Kopfschwingen und Fußstampfen auf jeden Fall ein äußerst würdiger Abend - „Bohemian“ eben.

 

 

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