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Poolbar auf der Wiese – Tag 2: Fulminanter Abschluss

Fotogalerie Matthias Rhomberg

Bob Robinson Music, Vertigo, Gin Ga, Bonaparte und die Shout Out Louds ließen das Open Air am 2. Tag perfekt ausklingen

Trotz heißer Temperaturen fanden sich bereits in den frühen Nachmittagsstunden deutlich mehr Besucher als am Vortag auf dem Konzertgelände ein. Ab 16:15 lockte nämlich ein wiederum abwechslungsreiches Freiluft-Musikprogramm.

Auch wenn „Vertigo“, der zweite Liveact dieses Festivaltages, als Sieger des diesjährigen Talentewettbewerbs hervorgegangen waren: die Jungs, von denen zwei ehemalige Mitglieder der Band „Skeet“ sind, die 2012 ebenfalls einen Talentesieg verzeichnen konnte, wirken absolut nicht wie Frischlinge auf dem Musikmarkt. Ihre Show war rockig, schmissig und von verschiedenen Stileinflüssen geprägt.

„Gin Ga“, eine 5-köpfige Alternativekapelle mit Mitgliedern aus Wien und Manchester, zeigten sich dem Publikum im weiteren Verlauf als Indie- und Popact, mit Folk- und New-Wave-Einflüssen. Mir wiederum bekannt als FM4-Soundparkband, starteten sie gleich anfangs mit einer Singleauskoppelung, die auf besagtem Radiosender derzeit heavy rotation erlebt und so lud „AA“ sogleich zum Tanz. Später lockte „Remember Whatever“ weitere Besucher, die bis jetzt noch die schattenspendenden Bäume aufgesucht hatten, vor die Bühne. Nach ungefähr 45 Minuten arbeiteten Gin Ga mit „Final Call“ wortwörtlich in Richtung Konzertende zu, ließen aber noch ein frei interpretiertes und gut gemachtes Cover vom Gassenhauer „No Limit“ von 2 Unlimited da, der wahrscheinlich auf fast jeder 90er-Compliation zu finden ist. Als Konzertabschluss richteten sie noch das eingängige „Dancer“ als buchstäbliche Tanzaufforderung an das Publikum, untermalt von verzerrten Synthie-Sounds und treffenden Percussions.

Danach stieg die Spannung, die ersten Aufbauarbeiten für die Bühnenshow von „Bonaparte“ gingen vonstatten. Ich hatte bereits hohe Erwartungen an diesen Auftritt, hatte ich die Berliner Truppe rund um den Schweizer Frontmann Tobias Jundt bereits schon einmal vor einigen Jahren live erleben dürfen und war damals absolut begeistert. Das Bühnenbild dieses Abends funktionierte mit drei großen verschiebbaren Spiegeln, die von den drei Tänzern gleich beim ersten Gassenhauer „Anti Anti“ zur Seite bewegt wurden, um die Sicht auf die drei Trash Punker der Band freizugeben. Gleich beim nächsten Stück „Me So Selfie“ wurde auch denjenigen des Publikums, die Bonaparte vorher noch nie live erlebt hatten, klar, dass die drei Bewegungskünstler nicht nur als schmückendes Beiwerk der Band fungieren, sondern als wahrer Performanceact für sich selbst stehen: die Darbietungen unterstrichen jeweils die Inhalte der Texte, seien sie kritischer oder einfach nur beschreibender Natur. Mit unterschiedlichen, auch meist provokanten, Verkleidungen beeindruckten der Mann und die beiden Frauen – wohlgemerkt allesamt meist auf High Heels unterwegs - mit einer abgefahrenen Show, die die wilden Hymnen von Bonaparte somit nicht nur zu einem akustischen, sondern auch zu einem optischen Erlebnis machen. Spätestens bei „Quarantine“ waren die Fans völlig aus dem Häuschen und vor allem in den ersten Reihen spielten sich wilde Tanzszenen ab. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Sänger Tobias forderte mehrfach lautstark Publikumsbeteiligung ein und wurde nicht enttäuscht – unter johlenden Zurufen ließ Bonaparte keinen Platz für Pausen und die Truppe lieferte definitiv das energiegeladenste Set der ganzen zwei Open Air-Tage ab. Der Schweizer war während eines Teil der Shows nicht mehr auf der Bühne zu halten, suchte die Nähe der Fans und entschloss sich spontan auch für einen „Spaziergang“ durch die wildgewordene Menge. Und wen Tobias in der Menge währenddessen beim Fotografieren erwischte, dem entzog er kurzerhand das Smartphone und nahm es mit auf die Bühne. Ein witziger Gag, der wahrscheinlich kurzzeitig für Herzattacken bei diesem einen Fan sorgte, aber glücklicherweise auch kein Smartphone zu Schaden kam. Tobias erwies sich auch an diesem Abend als linguales Multitalent - in Deutsch, Französisch und Englisch gab er die Bonaparte-Texte zum Besten. Bei „Into The Wild“ schlossen sich die Spiegel wieder, aber zum Glück nicht für lange – ganze 4 Zugaben konnten die Fans von der gesamten Truppe einfordern und wurden abschließend mit dem wilden Höhepunkt der Tanzperformance und einer kalten Sektdusche belohnt. Einfach wieder nur Wahnsinn, dieser Auftritt.

Nach diesem fulminanten Auftritt brauchte ich erst mal eine Pause und es fiel mir schwer, mich eine gute halbe Stunde später sogleich auf den Auftritt der schwedischen Indie-Rocker „Shout Out Louds“ einlassen zu können – wird hier doch eine ganz andere musikalische Sprache gesprochen. Aber als bereits die ersten bekannten Töne von „Fall Hard“ angespielt wurden, war auch ich wieder bereit für schöne Klänge, die die angebrochene Nacht mit viel Herzschmerz und Melancholie füllten. Die fünf Bandmitglieder rund um Adam Olenius sind ja bereits alte Hasen, was Auftritte in Vorarlberg und vor allem in der Poolbar betrifft. Dennoch war dieser Auftritt sicherlich auch eine Premiere für sie, galt es doch in dieser schönen Bergkulisse ein Freiluftkonzert geben zu können. Mit Blitzlicht, Nebel und einer grün-blauen Lichtshow fühlte man sich als Gast fast in ferne Galaxien versetzt. Meine weiteren musikalischen Highlights dieses Auftritts waren „The Comeback“ und natürlich der ewige Gassenhauer, der sich bereits seit 2003 konstant in meinen Playlists hält und den Shout Out Louds an diesem Abend als letzter Teil ihrer Zugabe diente – „Please Please“.

Insgesamt kann ich auf zwei Tage bestes Open Air Feeling zurückblicken, das mir mit schönstem Wetter, gemütlicher Stimmung und genialen Musikacts lange in Erinnerung bleiben wird.

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