Poolbar Blog

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poolbarT: Schüchterne Gitarrengöttin

Review von Lukas Ortner

 

Fotos von Matthias Rhomberg: Gallery Anna Calvi

In England als Heldin gefeiert, in unseren Kreisen als Geheimtipp auf dem Vormarsch: Die britische Popsängerin Anna Calvi gab sich gestern die Ehre, als Appetizer fungierte MoreEats.

 

Kleines Großes Kino

Einen Künstler wie Moritz Schädler zu beschreiben ist nicht immer ganz einfach: Lernte ich ihn vor mehreren Jahren mit seinem damaligen Projekt The Dead Leaves kennen, sah (und sieht) man diesen Ausnahmemusiker seither in verschiedensten Konstellationen. Den gestrigen Abend eröffnete er mit seinem Pop-Projekt MoreEats. Eine hallende Cleangitarre, monotoner Gesang, Up-Beat-Dynamik. Was soll man dazu noch sagen? Ein bisschen Adam Green, vielleicht Beck, ein bisschen 50er-Charme, und verdammt viel guter Humor. Für den regelmäßigen Poolbar-Gänger ist MoreEats kein Neuland, und immer wieder eine Erfrischung. Guter erster Gang – Merci!

 

Operngesang  und Rockgitarre

Nach dem traditionellen Wohnzimmer-Check in der Umbaupause fand man sich im nun gut gefüllten Pool wieder. Vertraute Gesichter hier und da, einige Altersklassen abgedeckt, wartete man gebannt. Licht aus und los: Die zierliche Britin Anna Calvi betrat die Bühne, gefolgt von Ihrer 3 köpfigen Band, und nahm die Besucher_innen mit auf eine Reise. Auf ihre Reise. Eine Reise durch extravaganten Brit-Poprock, getragen auf dem teilweise opernhaften, teilweise tiefen Gesang (Hierzu ein kurzes name dropping zum Vergleich: Zola Jesus, London Grammar, und etwas PJ Harvey oder Patti Smith). Gleich zu Beginn gab es ihre Hits Eliza und Jezebel, perfekt dargeboten, und dem Publikum gefiels.

Calvi, ihres Zeichens studierte Musikerin, wird oft als eine der größten Gitarristinnen der Gegenwart gehandelt - und das vollkommen zu Recht. Gibt sie sich nach außen hin eher schüchtern und zurückhaltend, dreht sie gitarrentechnisch voll auf. Ihre Telecaster wird gestreichelt in Suzanne And I, und wurde gestern geshreddet im Gitarrensolo vor dem kurzen Anspielen des Songs Strange Weather, einer Kollaboration zwischen Calvi und niemand Geringerem als Talking Heads Frontmann David Byrne. Denn auch einige Größen der Popkultur halten quasi ihre schützende Hand über die 34-jährige Engländerin. Ihre Karriere startete mit Supportacts für zBsp Nick Cave & The Bad Seeds oder die Arctic Monkeys, daraus resultierend verschaffte ihr der Leadgitarrist der Britpop-Größen The Coral ihren ersten Plattenvertrag und Musikinnovator Brian Eno hält Einiges von ihr.


Verzichtete Calvi auf ihrer ersten Platte (Anna Calvi) noch auf Bassparts, und sah dies als Herausforderung beim Gitarrenspiel, wechselte doch Neuzugang Glenn Callaghan für ein paar Songs des neuen Albums  One Breath zum E-Bass und Harmonium-Spielerin Mally Harpaz zeitgleich zu Synthesizer und Keyboard. Anna Calvi harmonierte mit ihrer Truppe, genoss es sichtlich. Ihre Bewegungen waren so perfekt koordiniert, dass das Konzert beinahe mit einem Schauspiel verschmolz, in der Hauptrolle die Britin. Der gestrige Abend endete nach einer soliden Show und ließ den Pool beeindruckt zurück. Und doch, leider, war für mich persönlich wenig Abwechslung, die erste Euphorie verflog einfach zu schnell, hatte ich doch das Gefühl, dass viele Songs die ähnliche Klangfarbe hatten. Allerdings war ich, wie es den Anschein hatte, mit dieser Meinung alleine, gab es doch einiges an Applaus und positiver Resonanz des Publikums.

 

Fazit: Eine super Kombination mit Supportact und Headliner, ein schönes, erstaunliches Konzert und definitiv Tipp, der nicht mehr lange geheim bleibt. Jedem ans Herz zu legen. Merci!

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