Poolbar Blog

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Energiegeladene Shows von „Raketkanon“ und „The Subways“

Wahre Performancekünstler des Rock trafen sich vergangenen Mittwoch in der Poolbar.

Ehrlich gesagt: Im Vorfeld waren mir „Raketkanon“ – knapp, praktisch und ohne Vokale einfach RKTKN – aus Belgien musikalisch etwas suspekt vorgekommen. Ich war deshalb mehr als nur neugierig und sehr gespannt auf diesen Opener. Dennoch belehrte mich die 4-köpfige Combo ganze 40 Minuten lang eines Besseren: so einen intensiven, exzentrischen und hingebungsvollen Auftritt habe ich seit langem nicht mehr erlebt. Nicht nur Sänger Pieter-Paul war mit vollem Engagement – körperlich perfekt abgestimmt auf jeden noch so winzigen Klang – voll bei der Show, auch dem Rest der Truppe mit Schlagzeug, Gitarre und Synthies war die Leidenschaft am Livespiel richtig anzusehen. Grob gesagt unterstrichen Fuzzgitarrenklänge, Doom und Posthardcore die bühnengewaltige Präsenz der vier Spielwütigen. Mit viel Liebe füreinander und für das Publikum, von denen leider einige noch nicht ganz so bereit für den Noise-/Mathrock der Jungs zu sein schienen, suchte Pieter-Paul dennoch immer wieder die Nähe der Zuhörerschaft, um mit Sprüngen von der Bühne in die Halle seiner Hingabe zur gespielten Musik tänzerisch Ausdruck zu verleihen. Stimmverzerrt gab er alles, was das Mikrofon verarbeiten konnte. Und unter denjenigen, die den Auftritt von Raketkanon bereits sehnsüchtig herbeierwartet hatten, fanden sich nach dieser Show definitiv auch Neulinge, die die Belgier nun ebenfalls ins Herz geschlossen haben und sich das selbstbetitelte Debut-Album „RKTKN#1“ sowie andere Outputs und Auftritte der Band zu Gemüte führen werden. Ich zähle mich ebenfalls dazu.

 

Nach diesem Performanceerlebnis wusste ich bereits von vier vergangenen Live-Shows von „The Subways“, die ich miterleben durfte, dass das Publikum, inklusive mir, weiterhin nicht enttäuscht werden würde. Ich hatte mit meinen Lobhuldigungen auf die drei Engländer aus der Grafschaft Hertfordshire bei meinen Freundinnen und Freunden im Vorfeld nicht gespart und wusste, dass Billy am Gesang/Gitarre, Charlotte am Bass und Billy’s Bruder Josh an den Drums wieder alles geben würden, um einen gelungenen Rockabend zu vervollständigen. Nachdem Billy den Außenbereich der Poolbar vor dem Auftritt akustisch und gesanglich noch ein wenig beschallt hatte, wurden die Fans in der Halle danach mit „Oh Yeah“ als energiegeladenes Intro begrüßt und Billy holte sich bereits während dieser ersten Nummer begeistert High-Fives in der ersten Reihe ab. In feinem Engländer-Deutsch, das er brockenweise von Charlotte gelernt hat, deren Mutter lange Zeit für eine deutsche Bank tätig war, wurde die Poolbar begrüßt und es folgte eine „Subways“-Show mit einer bunt gemischten Auswahl an Songs der letzten drei Alben, inklusive zwei neuen Nummern: „My Heart Is Pumping To A Brand New Beat“ und „Taking All The Blame“ wurden ebenso mit Freude und Leidenschaft zur Musik performt wie die Gassenhauer „We Don’t Need Money To Have A Good Time“ (das übrigens von Billy und Charlotte auch teilweise auf Deutsch interpretiert wurde) oder „Shake! Shake!“, das die Gäste ebenfalls zum Tanz anregte. Gar nicht mehr zu halten waren die Fans bei „Rock and Roll Queen“, welches live nichts an seinem Glanz verloren hat, auch wenn es vielleicht bereits einmal zu oft in so mancher Indie-Disco angespielt wurde. Natürlich fehlte auch „Mary“ nicht, eine Hommage an Billy’s Mutter, oder das wiederum sehr tanzbare „All Or Nothing“. Mit „Somewhere“ wurde ein selten live gespielter Song performt, und Billy vermerkte dabei wehmütig, dass es bereits 10 lange Jahre sind, die die Band miteinander verbinden. Dieser Song sollte auch den Abschluss des ersten Sets bilden, und anstatt die Bühne artig zu verlassen und durch lautes „Zugabe“-Klatschen die Musiker wieder on stage zu bitten, hatte Billy nur folgendes zu sagen: „Encore-clapping is bullshit. We just stay on stage and keep on playing for you guys. You’ve been magnificent this evening. We love you, thank you!” – Und dann mein Lieblingsklassiker, an diesem Abend als Dank an die Fans gerichtet – “With You”: „My best days are with you, they are so easy …“ – emotional gesungen, gefühlvoll und anfangs ohne große Drums und Tamtam gespielt, um dann kraftvoll zu enden und somit die erste von vier Zugaben zu beschließen. Publikumsbeteiligung war an diesem Abend sowieso groß geschrieben – bei der zweiten Zugabe forderte Billy die Menge auf, sich hinzusetzen um dann lautstark mitten im Song aufzuspringen – mit vollem Erfolg. Die vorletzte Zugabe wurde von Schreichören, die sich auf der linken bzw. rechten Hallen-Seite ein wahres „Battle“, geführt von Dirigent Billy, lieferten, angeführt. Nach dem letzten Encore verließ das Trio die Bühne und ich wusste, das mit dem darauffolgenden Outro „Raindrops Keep Fallin‘ On My Head“ die Show leider vorbei war, obwohl sich die erste Reihe noch tapfer hielt und versuchte, mit Rufen und Pfiffen die drei erneut hervorzulocken – leider ohne Erfolg.

Fazit: ein rockiger, stimmungs- und musikalisch kraftvoller Abend mit einem Opener, an dessen Fersen ich mich ab sofort sehr gerne hefte und ein bekannter und dennoch stets starker Hauptact, an dessen Live-Shows ich mich nicht satt sehen kann.

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