Poolbar Blog

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poolbarT: Slàinte Mhath!

Review von Lukas Ortner

 

 

Irokesenschnitt und Lederstiefel gaben sich gestern die Klinke in die Hand, die Zapfhähne wurden überbeansprucht und das Leben ordentlich gefeiert. The Real McKenzies brachten den geeigneten Soundtrack, als Aufwärmung fungierte die Ländle-Punkformation From Scratch.

 

 

Bring back the (good) 90ies!

Nach dem traditionellen Poolbar-Check (schaut noch gleich aus wie letztes Mal) gings pünktlich zum Supportact in die noch spärlich besuchte Halle. Die Band From Scratch konnte sich in ihrer noch relativ kurzen Laufbahn schon auf verschiedene Bühnen unter Beweis stellen, waren sie auch beim letztjährigen poolbar Festival vertreten. Damals wie gestern gabs soliden 90er-California-Surf-Punkrock (Tony Sly wurde mit einem Cover geehrt), eine energiegeladene Bühnenshow und perfekt harmonierender Gesang, der auch das eine oder andere Mal in Sing-a-longs gipfelte. Gab es anfangs noch etwas Hemmungen seitens des Publikums, wurde doch Respekt gezollt und es gefiel. Schön. Weiter so. 

 

 

Schottenpunk und Pogotanz

Den Tank aufüllen, kurz abkühlen, den Anfang beinahe verpassen. Langsam zeichnet sich bei meinen poolbar-Besuchen ein Muster ab. Aber weiter im Text: Überpünktlich betrat die 6-köpfige Truppe The Real McKenzies rund um Sänger und Mastermind Paul McKenzie die Bühne und legten von Anfang an gehörig los. Ihr wilder Mix aus schottischem Folklore und Punkrock hallte von den Wänden wieder, der Dudelsack (leider etwas leise abgemischt) wurde malträtiert, die Lyrics in einer „Eat this!“-Attitüde in die Köpfe der Besucherschar gebrannt, für die es zumindest in den vorderen Reihen kein Halten mehr gab. Es wurde getanzt, getrunken, Pogo war das Thema. Dass aufgrund dieser Kombination der Boden in kürzester Zeit sehr, sehr rutschig wurde, hielt die wahren Fans nicht davon ab, sich weiter der Musik hinzugeben. Aber, und das ist das Schöne dabei, wenn jemand hinfällt, helfen gleich drei weitere Tanzpartner wieder auf die Beine.

Kurzes Exzerpt: Nationalstolz ist mir persönlich zuwider. Vermutlich auch, weil dieser in unseren Gefilden oft abschweift. Er hat meiner Meinung nach nichts in der Musik verloren, „I am from Austria“ werde ich nie mitsingen, und auch „Born In The USA“ kommt nicht in meiner Playlist vor (obwohl Springsteen sonst hald schon der Boss ist). Das gestrige Bild war von Anfang an klar, und wem Bands wie The Real McKenzies, The Dropkick Murphys, Flogging Molly oder auch The Pogues etwas sagen, weiß, dass im irischen/schottischen Folkpunkrock verdammt viel Wert auf die Herkunft gelegt wird (und vielleicht nicht nur dort – ich erinnere an Mogwai). Dass The Real McKenzies stolz auf ihre Wurzeln und Schottland sind, ist also keine Frage. Auf der einen Seite spiegelte sich das gestern in dem Bühnenoutfit wieder – durch die Bank trugen die Musiker Kilts und sogenannte Sporrans (Felltaschen). Auf der anderen Seite behandelt auch Sänger Paul dieses Thema in seinen Lyrics, in seiner Attitüde, in seinen Ansagen („Queen Elizabeth, get the fuck outta here!“). Und doch, mit dem Wissen, dass dieser Nationalstolz eigentlich nichts Schlimmes an sich hat, genoss ich diesen Teil des gestrigen Abends mit Vorsicht. 

Doch auch der Alkohol wurde gewürdigt. Der erstaunlich fitte Paul McKenzie (55 Jahre alt!) verschenkte Bier ins Publikum, eine Liebeserklärung an (wie sollte es anders sein) Whiskey fand auch noch Platz im Set. Alles in allem eine Show, die man gesehen haben muss. Aus persönlicher Sicht kann ich hier leider nicht all zu objektiv schreiben, bin ich insgeheim doch ein Fan dieses Musikgenres, von welchem man sich nicht zu viel Abwechslung erwarten kann. Überraschung: 2 alte, schottische Folksongs schafften es noch ins Zugabenrepertoire – als absolutes Highlight sang McKenzie den letzten Song gänzlich ohne Instrumente – a cappella.


Fazit: Ein energiegeladener Abend als Zelebration des Lebens. Oder so. Beim nächsten Mal auf keinen Fall verpassen!

  

Weiter geht’s heute Abend mit Wallis Bird, morgen Abend mit WhoMadeWho, am Sonntag läutet John Megill mit seinem Jazzfrühstück das Ende der zweitletzten Festivalwoche ein.

2 Kommentare
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Poetry_slam_foto
Gemeint war eher allgemein der allgegenwärtige, übertriebene Patriotismus in Amerika. Da geb ich dir natürlich vollkommen recht, das war zu kurz gedacht.
lukort, 17.08. 12:50 h
Userimagesmall
Gute Review, als Springsteen-Fan kann ich eines allerdings nicht so stehen lassen: "I Am From Austria" und "Born in the USA" zusammen in den Nationalstolz-Topf zu werfen ist etwas zu kurz gedacht. Ersteres geht natürlich in die eine Richtung, letzteres übt allerdings vor allem Kritik am Vietnam-Krieg und der damaligen Regierung. Das "Born in the USA" ist daher eher ironisch zu deuten. Nicht umsonst gilt der Song als "Most Anti-Patriotic Song ever to be loved by America".
mojo, 12.08. 14:51 h