Poolbar Blog

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poolbarT: Farewell!

Review von Lukas Ortner

 

Es wird kälter, früher dunkel und der Geruch nach Herbst liegt in der Luft. Die Blätter an den Bäumen verlieren an Farbe und das allseits bekannte Herbsttief ist schon auf dem Weg. Als ob dies nicht Strapaze genug ist, verabschiedet sich nun auch das poolbar Festival in die (nichtsdestotrotz verdiente) Winterpause. Sieben Wochen voller Musik, Kunst, Happenings und guter Laune liegen hinter uns – das Ende wurde gestern mit einem Knall gefeiert: The Intersphere aus Deutschland verabschiedeten sich mit einer Ladung ProgPopRock, verdammt viel Energie gabs zu Anfang von den Ländle-„Altherren“ The Omission.

  

Oh Captain! My Captain!

Abschied ist nie einfach. Auch wenn der Blick schon auf nächstem Sommer und dem 22. poolbar Festival liegt, hat ein letzter Abend nach dieser langen Zeit immer etwas Melancholisches. Nostalgisches. Der gestrige Abend startete mit einem gemütlichen Drink auf der Terrasse, begleitet vom Finale der Ottakringer Open Stage im brutkasten, spärlich besucht, jedoch nicht minder unterhaltsam. Bekannte Gesichter gaben sich zum letzten Mal in diesem Jahr die Ehre, hier und da wurden Anekdoten von vergangenen Konzerten zum Besten gegeben. Der gelegentliche Stress, etwaige Unannehmlichkeiten – an einem Abend wie dem gestrigen vollkommen unwichtig.

  

Easy Days und Energie

Pünktlich nach Zeitplan gings ab in den Pool, den gestrigen Austragungsort und Räumlichkeit für ein energiegeladenes „Tschau!“. Habe ich mich dieses Jahr im Vergleich zu den Vorjahren aus der poolbar und der Rolle des Review-Schreiberlings etwas zurückgezogen, war der gestrige Supportact ein definitives Highlight für mich: Die fünf Musiker von The Omission aus Bregenz beschallten die zu Anfangs noch niedrige Zuschauerschar. Von Anfang an war das Thema klar: Sänger Sugo schrie sich in die Köpfe jeder/s Einzelnen, harte Gitarrenriffs gaben sich mit harmonischen Melodien ein Wettrennen, ohne der Dynamik des Gesamten etwas abzuverlangen. Chorgesänge hier und da, perfekt eingesetzt. Teilweise Gesangsunterstützung gabs von Gilli, seines Zeichens Gitarrist bei der Hardcore-Formation El Camino Car Crash, die letztes Jahr auch schon zu Gast beim poolbar Festival waren. Die „Altherren“, die seit 1998 zusammen musizieren und dabei gehörig auf sich aufmerksam machen, legen mit jeder Show ein gehöriges Maß an Professionalität an den Tag, was auch gestern zu einem großen Besucherandrang führte.

Schätze ich die Musiker von The Omission nicht nur auf persönlicher Ebene, ist ihr Old-School-Postcore-Sound einfach nur vom Feinsten. Gesellschaftskritik, Gefühl und verdammt viel Energie. Es war, wie so oft, ein Fest. Vielen Dank.

 

Nach diesem grandiosen Supportact war der nostalgische Part des poolbar-Farewells komplett. Man traf (sehr) alte Bekannte, verquatschte sich auf der Terrasse und schwelgte in alten Zeiten, den Anfängen und zusammen Erlebtes. Das Wohnzimmer wurde noch mit einer letzten Runde gewürdigt, der Pool füllte sich langsam aber sicher und die Besucherschar erwartete sehnlichst den Hauptact und somit die letzte Live-Band des 21. poolbar Festivals.

  

Sphärenrock und Effektgewitter

Mit der kleinen, aber schon beinahe traditionellen Verspätung befand ich mich am Ende des zweiten Songs im nun gut gefüllten Pool und verschaffte mir von Höhe des Mischpults einen Überblick über das, was sich auf der Bühne abspielte. Mir bis dato nicht wirklich ein Begriff, war ich gespannt was The Intersphere aus Mannheim in petto hatten. Ein obligatorisches Reinhören vor dem Konzert verhieß eine gute Ladung ProgAlternativeRock, war ich dann doch gespannter, als zu anfangs erwartet. Was sicher auch an dem Sammelsurium an Pedalboards und verschiedensten Gitarren (nach meiner Zählung zehn Stück) lag. Musikgenres werden hier über den Haufen geworfen, dass ein Weghören beinahe unmöglich ist. Songs, die von der einen Minute auf die andere von den alten Linkin Park zu den neuen Biffy Clyro sprangen, von dem einen oder anderen Besucher kamen Namen wie Muse oder Fall Out Boy. Eines steht auf jeden Fall fest: The Intersphere schaffen trotz etwaiger Unsicherheit, welchen Musikstil man jetzt dann doch spielen soll, einen kompakten Sound zu entwickeln, dem nichts an Huddelei oder Übertreibung anhaftet. Verzerrte Gesangsparts gingen beinahe nahtlos in dreistimmigen Gesang über, den Schlagzeuger hielt es zeitweise nicht mehr im Sitzen, schlug er im Stehen mit enormer Energie in sein Kit.

Die Band (oder viel mehr der Name) rund um Sänger Christoph Hessler sprang mir das erste Mal vom Cover der Musikzeitschrift Slam ins Auge, wobei ich hier sagen muss, dass mir der Zusatz „Dedicated Followers of Fashion“ das nähere Begutachten nicht schmackhaft machte. 2006 gegründet, gehen mittlerweile 4 Releases auf ihre Kappe. Die 8 Jahre Bandgeschichte spiegelten sich auch in der gestrigen Liveshow wieder – was man den 4 Jungs von The Intersphere lassen muss, ist definitiv ihre Bühnenpräsenz, die nach der energiegeladenen Show von The Omission perfekt in das Konzept des Abends passte.

Und trotzdem, meiner Meinung nach, war es auf die Dauer dann doch zu viel. Ich bin überhaupt kein Verfechter von Musikgenres, im Gegenteil, finde ich doch die Grauzonen und das Vermixte viel ansprechender, als Musik, die sich an Spielregeln hält. Was mir bei The Intersphere mit der Zeit nicht mehr zusagte, war nicht unbedingt die Abwechslung (denn die war ohne Zweifel vorhanden), sondern viel mehr das .. Dreckige, die Zerre, der Nicht-Pop. Hier muss ich anführen, dass ich vielleicht etwas verwöhnt bin, was dieses Thema angeht.
Kurz vor Ende des durchaus überzeugenden Sets des Mannheimer Hauptacts öffnete man die Türen des Pools auch für Diejenigen, die in den vorhergehenden Stunden den Klängen des Wohnzimmer-DJs kostenlos frönten. Was unausweichlich zu einem vollgefüllten Pool und erhöhter Temperatur führte. Sehr schön sowas.

  

Unterm Strich: The Omission präsentierten wie immer ein wunderbares Konzert und machen definitiv Lust auf mehr. The Intersphere sind zwar nicht mein Metier, verabschiedeten die poolbar aber gebührend mit einer soliden Show – Ehre, wem Ehre gebührt.

  

Ein gelungener Abend als Abschied, der Blick Richtung Zukunft und auf das nächste poolbar Festival gerichtet. Schön wars. Danke! Thank you! Merci!

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