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„Herausforderung ist das halbe Leben“

 

The Gap–Lisa SchneiderNada Surf haben Anfang März mit „You Know Who You Are“ ihr achtes Album veröffentlicht. Die Haare sind grauer, die Gitarre spielt sich aber noch genauso gut wie früher. Eine Band, die ihren Sound gefunden hat. Anlässlich ihres Wien-Konzerts haben wir Matthew Caws zum Interview gebeten.

„Always Love“ von Nada Surf ist immer noch eine Hymne – auch, wenn die Silberhochzeit bald ins Haus steht; unglaubliche 20 Jahre sind seit der Veröffentlichung ihres Debüts „High/Low“ mittlerweile vergangen. Mit ihrem aktuellen, achten Album „You Know Who You Are“ spannen sie soundmäßig einen Bogen über die gesamte Bandkarriere.

Mit The Gap sprach Matthew Caws, der Frontmann der Band, kurz vor deren Auftritt im Wiener Wuk über Selbstfindung, das neue Album und über Musik, die man sich am besten beim Staubsaugen und Blumengießen anhört.

 

 

Ihr tourt mittlerweile schon seit einigen Wochen durch Europa – und um die Frage einmal anders zu stellen: Was war das Schlimmste, was bisher passiert ist?

Die Antwort ist für die Fans zwar toll, für das Interview aber total langweilig: Es ist wirklich alles wunderbar gelaufen. Ich habe heute beim Soundcheck einen kleinen Stromschlag abgekommen, aber das war schon wirklich das Schlimmste.

Bei Nada Surf habe ich immer ein bisschen das Gefühl, dass sich euer Studio-Sound und der auf der Bühne sehr unterscheiden. Was sagst du dazu?

Es ist sicher so, dass wir live stärker auftreten, wenn man so will. Lauter. Ich würde aber nicht sagen, dass ich wollen würde, dass die Alben ebenso klingen. Ich glaube, man kennt das: Beim Ausgehen hört man gern andere Musik, als man sie vielleicht zuhause, in Ruhe hört. Die Alben sind sehr behaglich, sehr poppig, ich glaube, auch meistens einfach angenehm zu hören. Auf der Bühne holen wir dann doch noch einmal so richtig raus, was wir unter Rock ’n’ Roll verstehen. Aber wie gesagt: Ich finde eigentlich, dass es ein schönes Kompliment an eine Band wäre, zu sagen: „Hey, deine Musik höre ich gerne, wenn ich Staub sauge.“

Du wärst nicht beleidigt, wenn dir jemand sagt, er hört Nada Surf am liebsten, während er die Blumen gießt?

Absolut nicht. In Ruhe ein Album bzw. die Musik genießen – das ist eigentlich das Schönste.

Denkst du, nach all den Jahren der Studio- und Bühnenerfahrung, dass es überhaupt eine solche Unterteilung gibt – in Studio- und in Livebands?

Im Idealfall ist das ja eine symbiotische Angelegenheit. Die Studioaufnahmen sind die profunde Grundlage fürs Live-Set, natürlich, man kann ja nie einfach nur alles improvisieren. Umgekehrt weiß man, wenn man im Studio steht – nach ein bisschen Erfahrung –, was live funktionieren kann und was nicht. Es ist also ein Austausch, ein Wechselspiel. Wobei ich schon glaube, ohne jetzt dezidiert auf die Schnelle Namen nennen zu können, dass es Bands gibt, die im Studio besser funktionieren als live. Ich hoffe, dass ist bei uns nicht der Fall (lacht).

Ihr habt gerade euer neues Album „You Know Who You Are“ veröffentlicht. Was sind die größten Unterschiede zu den vorigen Releases?

Ich glaube, das Album ist sehr straight geworden. Vor allem ist es – und das ist eigentlich unabsichtlich so passiert – doch ein Album, das einen Bogen spannt. Wir hatten 17 Songs, von denen wir schlussendlich die zehn ausgewählt haben, die aufs Album gekommen sind. Beim Aufnehmen der 17 Songs haben wir uns eigentlich nicht wirklich Gedanken gemacht, wohin der Sound jetzt genau gehen soll – wir haben es einfach passieren lassen. Als wir dann aber ausgesucht haben, welche einzelnen Tracks wirklich auf die LP kommen sollen, haben wir gemerkt, dass wir interessanterweise – vom Sound her – unsere gesamte Karriere mit diesen neuen Stücken abgedeckt haben. Teils klingt das Album wie unser Anfang als Band, dann wieder wie die mittleren Sachen, dann wieder wie die allerneuesten. Das Album ist schon ein bisschen eine Gesamtschau der Karriere geworden – und das freut uns im Endeffekt natürlich sehr.

Hättest du dir eigentlich gedacht, wenn du jetzt auf eine 20-jährige Karriere zurückblickst, dass ihr so lange gemeinsam spielen werdet?

Das hätte ich so direkt nicht gedacht, nein. Es war natürlich schon ein großer Traum.

Du wolltest also immer Rockstar sein?

Ich hatte lange keinen fixen Traum davon, was ich mit meinem Leben machen will. Dass ich unbedingt Musik machen muss, hat sich bei mir ergeben, als ich 16 war. Und auch da war es weniger das Rockstar-Leben an sich, das ich cool gefunden habe. Die Bands, die ich damals mochte, waren eigentlich auch noch ziemlich klein, weshalb mich diese Star-Attitüde ebenso wenig interessiert hat. 

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