Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


Rein in die Musikwirtschaft

Der Zertifikats-Lehrgang Musikwirtschaft an der FH Kufstein Tirol wurde ins Leben gerufen, um die Professionalisierung in der Musikwirtschaft zu unterstützen und zu ermöglichen. Nico Frick schloss den Lehrgang im Februar 2017 als Stipendiat des poolbar-Festivals (Feldkirch & Wien) erfolgreich ab. Im Folgenden schildert er im Gespräch mit Verena Teissl, Festivalexpertin und Professorin für Kulturmanagement, seinen Werdegang, seine musikwirtschaftlichen Visionen und seine Erfahrung als Teilnehmer des Lehrgangs.

 

http://poolbar.at/system/asset/filename/26333/Nico_Frick_Stipendium.jpg 
poolbar-Festival Stipendiat, Nico Frick.

 

Nico, was sind deine beruflichen Erfahrungen in der Musikwirtschaft?
Und hast du eine Vision für deine berufliche Laufbahn und für die Musikwirtschaft?

Danke für die Einladung! Bei mir hat das klassisch mit Veranstaltungen in der Schule und ehrenamtlicher Arbeit im ansässigen Jugendclub angefangen. Da war ich immer mit Herzblut dabei und bei den Partys war mir vor allem der musikalische Aspekt wichtig. Dann habe ich nach meinem Abitur und während meiner Ausbildung angefangen selber Veranstaltungskonzepte im Nischenbereich zu entwickeln – „learning by doing“, also. Gestartet habe ich mit Heat&Defeat im Bodenseeraum, gelegentlichen Ausflügen in die Wiener Auslage und dem Café Leopold. Der Fokus lag dort auf Live-Konzerten (Indie, HipHop) und beim Clubbing auf alternativem House/Disco. Mit dem Umzug nach Wien und einem kleinen Abstecher nach Berlin konnte ich mich zusammen mit Freunden immer mehr in Sachen Veranstaltungsformate diversifizieren. Derzeit liegt der Fokus auf Manifest (House/Disco) und Fruits (Beatmaking/HipHop). Über diese DIY-Formate bin ich dann mit Herwig Bauer (CEO poolbar-Festival) in Kontakt gekommen, der mir einen Posten im Marketing angeboten hat, der sich dann im Social Media Bereich spezialisierte. Diese Zeit war für mich sehr aufschlussreich, da ich dort sehr viel gelernt habe.

Ja, ich denke, dass man doch immer – ob privat oder beruflich – eine Vision haben sollte. Mir ist jetzt nach dem Kurs vor allem klar geworden, dass es eine unglaublich vitale und motivierte Branche ist. Außerdem gefällt mir der Aspekt, nicht ein klassisches Produkt, sondern Erlebnisse zu verkaufen. Ich bin deshalb umso mehr überzeugt, nachdem ich das mehrere Jahre nebenbei gemacht habe, jetzt endgültig voll Fuß zu fassen. De facto: Einen Job in der Musikbranche zu ergattern!

Wie schätzt du den Grad der Professionalisierung der österreichischen Musikwirtschaft ein, besonders in Bezug auf Festivals?

Man merkt auf jeden Fall, dass durch den Einzug von neuen Playern am Markt vor allem im Live-Bereich der Bedarf nach professionellen Leuten gestiegen ist. Ein Resultat ist die Entstehung mehrerer neuer Festivalformate durch die Arcadia Live oder aber auch die Konzertformate der Barracuda Group „Indiekiste“, „Beat the Fish“ usw. Man merkt einfach, dass es nicht mehr reicht einfach ein Festival zu veranstalten, sondern dass die Zielgruppen, die sich im Geschmack und Alter immer mehr vermischen , nicht mehr so ganz einfach abgeholt werden können. Kleinere Agenturen beziehungsweise Festivals, die sich gern im Nischen-und Tastemakerbereich sehen, werden zukünftig immer besser funktionieren. Auf Seiten der Agenturen sehe ich da Ink Music von Hannes Tschürtz und Spoon von Reini Seyfriedsberger weit vorne, auf Festivalseite Formate wie das poolbar-Festival, Beat the Fish, Seewiesenfest, Acoustic Lakeside , Out of the Woods, HipHopOpen ...

Wofür stehen für dich Musik-Festivals?
Welche Rolle nehmen sie in der Musikwirtschaft ein?

Eine gute Zeit haben und das in einem angenehmen musikalischen sowie visuellen Ambiente. Viele Menschen nehmen dafür Urlaub und Geld in die Hand um Abstand zum Alltag zu bekommen. Und klar, ich würde jetzt mal behaupten, dass es Menschen gibt, die weniger auf Konzerte gehen, sondern gezielt auf Festivals fahren. Für die Musikwirtschaft sind Festivals die Formate, über die sie auch ihre Einzelshows vermarkten. Wer kennt das nicht: Du stolperst über eine Stage und entdeckst eine Band, die du danach heiß und innig liebst. Festivals sind gewissermaßen für Bands und Agenturen wichtig. Das Tagesgeschäft sind die Tourneen; der Sommer ist ja bekanntlich begrenzt ☺.

Wie schätzt du den Trend für Festivals in Österreich (oder im deutschsprachigen Raum) ein?

Der Trend ist ungebrochen... Hierzulande, denke ich, ist das Angebot ausgereizt, da viele Genres abgedeckt werden. Mir persönlich fehlen, da ich auch eine Affinität zu elektronischer Musik habe, noch weitere interessante Angebote im alternativen elektronischen Bereich zum Beispiel Techno/House/Disco. Als Beispiele dienen mir das Dimensions, Dekmantel oder das Into The Valley Festival, die einen großen Qualitätsanspruch haben und europaweit hohes Ansehen genießen. Ich kann mir vorstellen, dass man sowas auch in Deutschland oder Österreich machen könnte, wenn der Wille da wäre. Geografisch gesehen sind wir in Mitteleuropa im Vorteil und an schönen Venues mangelt es sicher nicht.

Das poolbar-Festival arbeitet sehr innovativ durch Rahmenprogramme und Kooperationen. Sollten solche Festivalformen neben kommerziellen Veranstaltungen vermehrt propagiert werden?

Ja, das wäre doch schön. Klar verfolgt auch das poolbar-Festival ein Profitziel, aber dennoch wird das Rahmenprogramm dort als primärer USP gesehen und auch dementsprechend gestaltet. Die Einbindung von lokalen Musikern und DJs ist auch wichtig, da es ein Vorarlberger Festival ist das auch für diesen Zweck Kulturförderungen erhält. Somit gibt man auch etwas an die sehr vitale, lokale Szene zurück.

Du hast als Stipendiat des poolbar-Festivals in Feldkirch am Lehrgang Musikwirtschaft der Business School der FH Kufstein Tirol teilgenommen. Wie hast du den Lehrgang erlebt, was fandest du gut?

Ich fand den Lehrgang sehr schön, vor allem, dass man die Standorte und die Dozenten schön durchmischt. Die Themenblöcke sind sehr breit und interessant gehalten. Ich habe Dinge erfahren, die ich davor noch nie gehört habe, vor allem, da ich eher aus dem Live-Promoter-Bereich kam. Ich hatte keine Ahnung wie Verlage oder Labels arbeiten. Insofern hat der Know-how-Transfer für mich sehr gut funktioniert und ich bekam Gesichter vor die Nase gesetzt. Sonst kennt man ja nur die E-Mail-Adresse der betroffenen Leute, aber es ist halt nun mal ein f2f-Business, das von der persönlichen Komponente lebt.

Ja, mir hat es dahingehend etwas gebracht, dass ich mir in Teilbereichen neues Know-how angeeignet habe, von dem ich vorher nie etwas gehört habe. Rechtliche Geschichten werden meist stark vernachlässigt, was aber total gut abgedeckt wurde. Der wichtigste Punkt war aber vor allem der Motivationsschub – man hat einfach direkt das Gefühl „Ich gehöre in diese Branche rein!“

 

Rein in die Branche mit dem Zertifikats-Lehrgang Musikwirtschaft

Auf Initiative von Hannes Tschürtz, Ink Music (Wien), und in Kooperation mit Peter Tschmuck, Musikwirtschaftsforscher am Institut für Kulturmanagement und Gender Studies (Wien), wurde 2015 der Zertifikats-Lehrgang Musikwirtschaft an der FH Kufstein Tirol ins Leben gerufen. Verena Teissl, Festivalexpertin und Professorin für Kulturmanagement an der FH Kufstein Tirol, fungiert als wissenschaftliche Leiterin.

Intention und Zielrichtung des Lehrgangs sind die Unterstützung und Ermöglichung von Professionalisierung in der Musikwirtschaft. Steigende Erfolge von KünstlerInnen, Wachstumspotenziale der Branche und rascher Wandel im Zuge der Digitalisierung machen dies nötig. Das Konzept des Lehrgangs ist Know-how von renommierten ExpertInnen, die erfolgreich in der Praxis tätig sind, direkt an die TeilnehmerInnen weiter zu geben. Der Lehrgang richtet sich an alle, die in der Musikwirtschaft tätig sind oder sein möchten.

Im Wintersemester 2017 findet der Lehrgang zum dritten Mal statt. 38 AbsolventInnen gibt es bislang. Viele von ihnen konnten in der Musikwirtschaft Fuß fassen beziehungsweise bestehende Berufsverhältnisse und Vorhaben auf Basis der Weiterbildung verbessern und weitertreiben.

 

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren