Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


poolbar-Festival #16 – Eine erfreuliche Bilanz

„Das poolbar-Festival ist stolz auf sein Publikum“, sagen Heike Kaufmann und  Herwig Bauer, GeschäftsführerInnen des poolbar Festivals. Stolz auf über 20.000 BesucherInnen.

Spaziert man heute am Alten Hallenbad vorbei, ist vom poolbar-Festival kaum mehr etwas zu sehen – so flott ging der Abbau von temporärer Architektur, Gastronomieequipment und Bühnentechnik vonstatten. Es tut jedes Jahr ein wenig weh, diese Metamorphose von lebendigem Festival zu leerem Gebäude mitanzusehen, heuer vielleicht sogar noch ein wenig mehr, denn 2009 war – trotz Wirtschaftskrise – sehr erfolgreich: über 20.000 BesucherInnen, viele ausverkaufte Veranstaltungen, unzählige anregende, spannende Momente und harmonisches Teamwork hinter den Kulissen.

Künstlerischer Erfolg
Das poolbar-Festival 2009 war in erster Linie ein künstlerischer Erfolg: Neben Stars standen bislang unentdeckte Perlen auf den Bühnen und stießen auf ebenso viel Interesse wie die berühmten KollegInnen.
Zwei clevere Kunstprojekte infiltrierten mit Systemkritik die Altstadt Feldkirchs. Der poolTanz, die neue Tanzworkshopreihe, war gut besucht und der Brutkasten, die „materialisierte Nische“, entwickelte sich zum unaufdringlichen Forum für Experimente in kleinem Rahmen.
Die auffallend schöne Basis bildete die klare, ästhetische Raumgestaltung von Linus Stolz, dem Sieger des poolbar Architektur Wettbewerbs – sicherlich ein guter Grund für wiederholte Besuche des poolbar-Festivals.

Bis auf den letzten Platz: Ausverkauft!
Dass der letztjährige Besucherrekord von ca. 20.000 locker getoppt werden würde, war bereits nach der intensivsten Woche der poolbar-Geschichte (14. bis 19. Juli) absehbar: Mit den Dropkick Murphys, Calexico und Morcheeba war in nur fünf Tagen die Halle drei Mal mit jeweils 1.000 BesucherInnen ausverkauft.


Besonders erfreulich war, dass nicht nur internationale Superstars und Millionenseller im Mittelpunkt standen, sondern dass z.B. auch fünf von sechs Programmkinovorstellungen und auch der Poetry Slam ausverkauft waren.
Wenn auch im Bereich des Sponsorings geringfügig kleinere Brötchen gebacken werden mussten, war generell von der vielzitierten Krise nichts zu spüren.

Land Of The Free: poolbar auf den Punkt gebracht
Das schönste Kompliment an das poolbar-Festival machte Joey Burns von Calexico auf der Bühne vor 1.000 begeisterten BesucherInnen: „When we come to poolbar, we get reenergized with positive ions.“ Das bringt den Grundtenor – speziell jenen dieses Jahres – gut auf den Punkt: Wer zum poolbar-Festival kommt, betritt eine Parallelwelt, in der viele Dinge einen Tick menschlicher, liebevoller, friedlicher sind. Es ist für Gäste und Künstler spürbar, dass das 70-köpfige poolbar-Team mit Begeisterung bei der Sache ist.


Das Team war eine großteils harmonische Mischung aus poolbar-Veteranen, poolbar-Heimkehrern und Neulingen. Und „Land of the Free“, das Motto von 2009, ist zwar eine augenzwinkernd überspitzte Darstellung einer Sehnsucht nach Unabhängigkeit von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwängen, aber der Kern der Botschaft trifft voll ins Schwarze: Beim poolbar-Festival werden schräge Vögel gern gesehen, werden Konventionen über Bord geworfen, wird Kultur in all ihren Facetten genüsslich gelebt – und gleichzeitig wird kritisiert und hinterfragt.

Das poolbar-Publikum: an- und aufgeregt
Die Resonanz des Publikums lässt sich z.B. hier nachvollziehen: Enthemmte Euphorie bei vielen Konzerten, aber auch nachdenkliche Gesichter nach Kinobesuchen und hitzige Diskussionen beim Kunst-Gespräch in Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz. Das poolbar-Festival schürte Emotionen, regte an und auf.


Ein heißes Gesprächsthema war zunächst die poolbar-Grafik des Wohnzimmer-Büros mit Malereien des Native American Teddy Draper Jr. – seine idealisierenden Darstellungen von landschaftlicher Idylle polarisierten und warfen viele Fragen auf. Ein Mal mehr waren poolbar-Plakate mehr als nur Werbung. Auch in den „Navajo Times“ wurde groß darüber berichtet (der Artikel findet sich auf der Homepage des Wohnzimmers, und zwar hier).

Herausragende Momente des Festivals
Einer der Höhepunkte war mit Bestimmtheit die poolbar Architektur: Dass eine Lichtinstallation die Stimmung im Pool in der erlebten Form anheizen kann, war selbst für den Designer und die Lichttechniker überraschend.


Der Abend mit Focus on Fashion, der Modeschau samt spektakulärer und aufwändiger Fotografieausstellung sowie der Tanzaufführung des „Netzwerk Tanz“ auf der poolbar-Terrasse zählte ebenfalls zu den Highlights – auf vier verschiedenen Bühnen wurde kontrastreiches Programm unterschiedlichster Genres geboten, und alleine dass fast 50 beteiligte KünstlerInnen an einem Strang ziehen, war beeindruckend.


Dass Keziah Jones, Trail of Dead, das Markovic Orkestar, Calexico, Morcheeba oder auch die Mediengruppe Telekommander das Publikum begeistern würden, war zu erwarten. Für angenehm positive Überraschungen sorgten dagegen die Acts, die zuvor noch als eine Art „Geheimtipp“ galten:


Bereits am ersten Tag brachten Frittenbude den Pool zum kochen – sie klingen so, wie Deichkind vermutlich immer klingen wollten.


Das nächste Highlight waren wohl Portugal.The Man. Zwingend tanzbarer US-Indierock mit deutlicher Anlehnung an die schwere Rockmusik der frühen 70er.

Die musikalische Entdeckung schlechthin aber waren This Will Destroy You (ebenfalls aus den Vereinigten Staaten) mit ihrem explosivem Postrock, der Spannungsbögen bis ins Extrem ausreizte.


Auch die Jazzfrühstücke – allesamt ausgezeichnet besucht – sorgten immer wieder für ein angeheiztes Gefühlsleben, weil sich die Aufgekratztheit vom Vortag und die entspannte Atmosphäre und Gelassenheit eines idyllischen Morgens im Park zu immer besonderen Erlebnissen fügten.


Am letzten Tag, dem Sonntag, 16.8., wurde mit dem poolbar-Film, einer Dokumentation über fast 7 Wochen Festival, ein emotionaler Schlussstrich gezogen – der Tanzmarathon forderte vom Publikum nochmals alles, und das abschließende interne Mitarbeiterfest stellte klar, dass der poolbar-Sommer viele neue Freund- und Liebschaften geschaffen hatte.

Ausblick auf 2010
Das poolbar-Festival ist bestrebt, sich qualitativ weiter zu entwickeln. Daran wird Jahr für Jahr gearbeitet und gefeilt, auch die zahlreichen Wettbewerbe in den Bereichen Kunst, Mode und Architektur werden für den Fortschritt in Sachen Qualität, Innovation und Kreativität genutzt.


Auch die in Kooperation mit Rebekka Rom heuer gestartete und gut besuchte Tanzworkshopreihe „poolTanz“ wird voraussichtlich fortgesetzt.


Es hat sich 2009 bewährt, im donnerstäglichen Vorprogramm zu Konzerten Außergewöhnliches aus Sparten abseits der Musik zu zeigen, z.B. Kurzfilme oder eine Kunstperformance. So konnten für experimentelle Inhalte teilweise neue Publikumsgruppen interessiert werden. Auch die verstärkte Berücksichtigung von Lesungen im Programm wurde vom Publikum gut aufgenommen. Diese Erfahrungen werden in die Programmplanung 2010 sicherlich mit einfließen.


Daneben der wichtigste Plan für 2010: Das Alte Hallenbad muss dringend mit einer Kühlanlage ausgestattet werden. Es ist untragbar, im Sommer eine Veranstaltung für 1.000 Personen in einer nicht kühlbaren Halle auszutragen. Hier ist die Stadt Feldkirch als Eigentümerin des Gebäudes dringend gefordert.
 

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren