Poolbar Blog

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Poetry Slam: Literatur zum Anfassen

Bühne und Mikro frei! Der Pool war gestern bis zum Rand mit guter Laune und begeistertem Publikum gefüllt, als elf Kandidaten zum diesjährigen poolbar Poetry Slam antraten. Mit viel Herz und Hirn bestritten sie den Dichterwettstreit – auch Literatursportveranstaltung genannt – und brachten mit ihren selbstgebastelten Texten so manchen Besucher an den Rand eines Zwerchfellkollaps.

Moderator und Slammaster Markus Köhle führte zusammen mit der charmanten Mieze Medusa durch das abwechslungsreiche Programm. Da war von südamerikanischen Glücksgefühlen, bissigen Möchtegernhengsten, tickenden Uhren, abermannschen Open-Source-Bäckereien, Nietzsches Brotkrumen-Line und alles durchdringenden WLAN-Liebesbriefen die Rede. Bei einigen Zuhörern flossen die Tränen der Freude schon in der ersten Hälfte der Vorrunde. Weiter auf und ab ging es mit tiefen Beziehungen zu Haustieren, fleischgewordener Fitness-Hydraulik mit dem Wortschatz eines Zweijährigen, einem selbsternannten und größenwahnsinnigen Messias, dem von einem Wackelpudding vereitelten Selbstmordversuch eines Kaktus und einem langhaarigen Kandidaten, der – wäre er ein Mädchen – seine Haare sofort abschneiden würde.

Zitat Stefan Abermann: „Ich wollte den schönsten Text der Welt schreiben. Ein Buchstabengeflecht zum Tätowieren. Einen Text für Impotente, damit sie ihn mit ihrer Partnerin Nacht für Nacht lesen können. Man kann ja auch ohne Penetration glücklich werden. […] Es ist der Text der Träume, der noch nicht geschrieben ist. [...] Die Brandung spielt Text, und wir warten auf mehr.

Das Publikum entschied durch Applaus, welche vier Kandidaten am Ende im Finale stehen sollten. Der Koschuh, einfach nur Alex, Stefan Abermann und Alex Gendlin gaben somit noch einmal ihre ausgefeilten und teils sehr sarkastischen Texte zum Besten.

 

Schlussendlich konnte sich Alex (ja, einfach nur Alex) mit seinem Text zum perfekten Besserwisser- und Antikind durchsetzen. Das dreieinhalbjährige Schulkind, das Spinat liebt, seinem Vater am Abend aus dem Lexikon vorliest und bei Tests mehr Punkte als möglich erreicht, da es als Bonus noch einen Kommentar zur Weltwirtschaftskrise abgibt.

Auf die Übergabe der Preise folgte die Zugabe des Gewinners. Alex bewies mit einer hochkarätigen Parodie auf das Neue Testament noch einmal, dass er zu Recht als Sieger dieses Abends von der Bühne ging. Schallendes Gelächter und tobender Applaus bildeten den krönenden Abschluss des diesjährigen poolbar Poetry Slams.

 

Stefan Meier // dasDenkfabrik.at

  

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