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Hirnwichsen mit Kreisky









Leidenschaftliche Hasstiraden auf Handyfotografierer, Lobgesang auf Gutmenschen und eine Geschichte vom Land der viereckigen Eier: keine Fragen an Kreisky.

Kritisch, scharf und kantig sind Eigenschaften, die in jedem Fall auf Kreisky zutreffen, dass es mitunter aber auch anders sein kann, hat ein Treffen mit FM5 am Freuqency bewiesen. Denn obwohl die Ernsthaftigkeit nie ganz verschwunden war, bewiesen Franz, Martin und Klaus Humor und ließen sich auf ein etwas unkonventionelles Interview ein: spontane Assoziationen, philosophisches Treiben, ein ausführlicher Wordrap.

FM5: Festival

Martin: Eigentlich nicht mein Ding.

Open Stage, Samstag, 23 Uhr

Franz: Da spielen wir. Gott sei Dank haben wir hier einen Auftrag, damit wir eine Berechtigung haben hier zu sein, weil freiwillig würde man ja nicht auf ein Festival  gehen, weil es eine sehr anstrengende Geschichte ist, vom ganzen Umfeld her. Aber wir freuen uns eigentlich schon sehr aufs Konzert.

Dixi Klos

Klaus: Müssen wir nicht benutzen.
Franz: (lacht) Es gibt ja anscheinend einen Festivalbrauch der Dixi-Shaking heißt, ich weiß nicht, ob man es hier schon erlebt hat. Da werden Leute, die am Klo sind, mit dem gesamten Ding umgeworfen, das heißt, sie vermengen sich mit den Ausscheidungen. Das ist auch ein Brauch wo ich sag: Muss ich nicht dabei sein.

Stage Diver

Martin: Die gibt's sicher nicht bei uns. Und inzwischen kann das durch bauliche Vorrichtungen sehr schmerzhaft sein, wenn man nicht genug Schwung mit nimmt. Das war wohl eher ein Ding der 90er, obwohl ich gehört hab, dass Grace Jones bei ihrem gestrigen Auftritt crowd-gesurft ist.

Handy-Fotografierer

Klaus: Pain in the ass.
Martin: Du kannst dich vor der Realität nicht verschließen. Die sind da, die gibt's.
Klaus
: Ich würde mal sagen, auf einem Festival ist's noch eher egal, aber ich war unlängst bei einem Konzert unter festem Dach im Gasometer, da waren soviel Handys, dass ich am liebsten einige von den Dingern  genommen und zertreten hätte weil nur mehr ein Handy Wald war. Du musst an den ganzen Idioten vorbei schauen, die den ganzen Müll aufzeichnen den sie sich nie wieder anschauen werden, in ihrem ganzen scheiß Leben. Also irgendwie sinnlos.

Gutmenschen

Franz: Sind wir. Es ist sehr begrüßenswert, wenn Leute gut sind, und sich als solche verstehen und sich nicht in einem Zynismus davor verschließen.
Martin: Aber das ändert natürlich nix daran, dass die Menschen schlecht sind, oder? (lacht) Das macht unsere Zivilisation aus, dass wir sind wie wir sind. Jeder schaut, dass er bekommt, was er kriegen kann.
Franz: Das mit dem italienischen Lotto hat mich ja lang mehr aufgeregt als irgendeine andere Meldung. Da hat es Vorschläge gegeben, dass man den Höchstgewinn begrenzen sollte, oder vielleicht 100 Mio. abschöpft für Erdbebenopfer. Denn die Menschen können mit so obszön hohen Beträgen ja sowieso nicht umgehen. Natürlich waren die Leute aber dagegen, weil dieses millionstel Fuzerl Hoffnung, dass sie selbst dieses Geld bekommen, ihnen wichtiger ist, als dass es sinnvoll eingesetzt wird. Fürchterlich, da bin ich lieber Gutmensch.

Sonntagszeitungsstehler

Franz: Sonntagszeitungssterben?

Sonntagszeitungsstehler

Klaus: Sonntagszeitungssterben wäre sehr begrüßenswert, also machen wir lieber kurz Sonntagszeitungssterben und Gratiszeitungssterben. Das sind natürlich die Verhetzungsmedien Nummer eins. In Wien sitzen in der Früh 60.0000 Menschen in der U-Bahn und lesen das, und kommen als verängstigte Menschen in der Arbeit an. Das sickert und braucht nur Zeit und irgendwann...
Franz: Es liest einfach jeder diese scheiß U-Bahnzeitung, die ihre Schlagzeilen mit einer Natascha Kampusch Verhetzung macht - wie weit kommt es denn noch?
Martin: Das ist jetzt aber nicht direkt eine Antwort auf die Frage gewesen. Sonntagszeitungsstehler.
Klaus: Es ist zwar kein geltendes Recht, aber wenn ich es stehle um ein Feuer damit zu machen um einen Ofen anzuheizen, dann hab ich Gutes getan. Wenn ich's lies, dann...
Franz: Die Zeitungsmacher wissen ja eh, dass nur ganz wenige zahlen, das ist kalkuliert, und dass es somit geltendes Recht ist, ist auch klar.

Deutsche Presse

Franz: Es gibt einige Zeitungen die besser sind, als bei uns, unter anderem die FAZ, die uns ganz hervorragend rezensiert hat, somit die beste Zeitung der Welt ist.

Amadeus neu

Franz: Großes Problem: Publikumsvoting. Wenn man einen sinnvollen Anerkennungspreis machen will, ist das eine gute Sache, aber in der Literatur  wäre doch auch noch nie jemand auf die Idee gekommen, den Nobelpreis via internet Voting zu entscheiden. Das sagt nichts über die Qualität aus, sondern nur ob man seine Freunde oder Umfeld genug genervt hat, dass sie wöchentlich im Internet klicken, oder sogar gefakte Emailadressen erstellen. Das wertet so einen Preis ab. Aber man muss auch sagen, dass schon mal interessantere Leute nominiert sind, als in der Vergangenheit. Amadeus alt war einfach ein Industrie-Preis, das ist zwar relativ unnötig, aber klar.
Klaus: Amadeus zwei ist ein Publikumspreis und wir hoffen auf Amadeus drei einen Fachjurypreis. Eine sinnvolle Anerkennung, die motiviert.

Sinnvoll

Franz: Sinnvoll ist besser als sinnlos.

Unnützes Wissen

Franz: Gibt es unendlich viel.
Klaus: Hilft bei Quiz-Brettspielen zum Sieg, was genau so unnütz ist.
Franz: Ein sehr guter Spruch vom Lichtenberg sagt, dass es wunderbar ist von der Natur, dass sie im Fell die Löcher genau dort gemacht hat, wo eine Katze die Augen hat.

Katzenhaie legen viereckige Eier

Martin: Die beste Ducks-Geschichte überhaupt: im Land der viereckigen Eier.
In den nebelverhangenen Anden, in einer Kultur, die ziemlich viereckig angelegt ist, was vielleicht eine leichte Parodie auf die Architektenschaft ist. Viereckige Spiegeleier. Und wer macht die viereckigen Eier? Viereckige Hühner. Aber die werden zuerst als viereckige Felsen interpretiert. Die Ducks kommen in die Bredouille, weil die Neffen runde Kaugummiblasen machen, was natürlich ein Sakrileg ist. Sie werden zum Tode verurteilt und sie schaffen es die viereckigen Hühner unter ihrem Gewand zu verstecken und die können natürlich die würfelförmigen Kaugummiblasen machen.
Klaus: Weil es für die Industrie so praktisch ist, weil man sie besser stapeln kann, will Donald dann auch einen Gockel und eine Henne mitnehmen. Zum Schluss kommen sie aber drauf, dass sie zwei Gockel erwischt haben. Was dazu führt, dass Dagobert Donald mit einer Rute über einen Hügel im Sonnenuntergang jagt.
Franz: Ihr seht also, was ihr an unnötigem Wissen habt, können wir noch ziemlich toppen.

Dankeschön

Klaus: Wir sagen danke für dieses sehr unterhaltsame Interview.
Franz: Ich glaub man kann's kürzen.
Klaus: Nein!

Interview von Caroline Kaltenreiner. Zuerst erschienen auf www.fm5.at.

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