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EoC: Immer da wo du bist bin ich nie

Aus dem Alles schöpfen
Von: Rainer Krispel

Vier Jahre nach "Mittelpunkt der Welt" legen Element Of Crime mit "Immer da wo du bist bin ich nie" ein neues Album vor – elf Stücke wunderschöner, seelenvoller Rockmusik.

Ein Gespräch mit Seven Regener und Richard Pappik, seit 1986 Schlagzeuger der von Regener im Jahr zuvor gegründeten Band Element Of Crime, ist ein Vergnügen. Umso mehr, als deren neues Album "Immer da wo du bist bin ich nie" viel Freude macht. Auch wenn der 2005 erschienene Vorgänger "Mittelpunkt der Welt" der Band ihre erste goldene Schallplatte beschert hat, so scheint diese Musik nichts von ihrer Eigenheit und Faszination, nicht von ihrer Schönheit verloren zu haben. Im Gegenteil, hier klingt und swingt künstlerische Souveränität, die nichts mit Routine und alles mit Inspiration zu tun hat. Sven Regener, Sänger, Gitarrist, Trompeter und Texter von Element Of Crime: "Es kam die Anfrage rein, ob wir für Leander Haußmanns Film "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe‹ ein paar Songs schreiben könnten. Das war Anfang 2008. Auf diese Weise waren wir schon in diesem Songschreibe - Modus drin – das ist nämlich nicht so einfach."



Der Modus als Texter

Der aus Bremen stammende Regener, der als Schriftsteller ("Herr Lehmann") einiges an Reputation und Erfolg genießt, legt nach: "Die Band hat ja sowieso immer musikalische Ideen, aber man muss ja auch textlich vorgehen können, muss in diesen Modus als Texter reinkommen. Und wenn man das für so einen Film macht, dann braucht man in dem Moment nicht aus dem Nichts oder aus dem Alles zu schöpfen. Also sind wir gleich drangeblieben. Im Mai 2008 haben wir dann die ersten zwei neuen Stücke aufgenommen." Pappik: "Die Musik ist immer zuerst da, wir stellen uns unsere neuesten musikalischen Ideen gegenseitig vor, spielen die eine Zeit lang, knödeln – könnte das was sein? Er muss sich davon dann inspirieren lassen." Und inspiriert hat sie ihn, die Musik, die das Quartett – neben Pappik und Regener noch Gitarrist Jakob Friderichs und Bassist David Young – gemeinsam entwickelt hat.

So stecken in Songs wie "Kaffee und Karin", "Euro und Markstück" oder "Der weiße Hai" dermaßen viele tolle Zeilen, dass man sich das komplette Textheft am liebsten an die Wand tapezieren lassen möchte.

Wird bei Element Of Crime in der Rezeption gern rumgedruckst – von wegen Chanson und Melancholie –, ist das, wie die Band selbst sagt, eigentlich Rockmusik. Gescheite, reflektierte, gewachsene, erwachsene. "In Deutschland ist der Nagel schwer nach Hause zu hämmern, dass Rockmusik eben mehr ist als Schweinerock. Ich hab keine Lust, uns da wegdrängen zu lassen, in so ein Chanson - Ghetto." Pappik: "Nur ein Beispiel: Der King des Rock ’n’ Roll hat "Love Me Tender" gesungen." Mit dem Opener "Kopf aus dem Fenster" huldigen Element Of Crime einem weiteren Giganten: Bo Diddley. Das ist so sexy, dass einen die Lebenslust förmlich anhüpft, was sich mit seinem wachen Blick für all die Schräglagen des Lebens und der Liebe über das ganze Album sagen lässt. Regener: "Wenn wir vier uns treffen würden, um gemeinsam eine Tankstelle zu machen, gäb es Probleme. Aber in der Musik funktioniert das."

Text von Rainer Krispel erschienen auf www.tba-online.cc.

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