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Dredg im Interview

Es ist kalt draußen, ungutes Wetter und Teezeit statt kaltem Bier angesagt. Sind aber Dredg im Lande, zählt das alles nichts. Im Interview standen sie FM5 Rede und Antwort, ehe ein bombastisches Konzert die restlichen Blätter von den Bäumen fegte.

 

FM5: Ihr seid seit zwei Tagen in Österreich, hattet Konzerte in Graz und in Salzburg – wie waren diese?

GAVIN: Yeah, sie waren gut, ein bisschen lockerer, aber gute Shows. Wie waren noch nie in Graz, darum war's lässig. Salzburg kannten wir noch vom letzten Mal - das war 2002.

Ihr seit auf Tour mit eurem neuen Album „The Pariah, The Parrot, The Delusion“, welches stark von Salman Rushdies Essay* geprägt wurde. Ich habe dieses Essay auch gelesen und finde es interessant und vor allem wichtig. Könnt ihr euch an den Tag erinnern, als ihr die Entscheidung getroffen habt das Musikmachen zu forcieren.


GAVIN: Ja, ich meine, ich fing an Gitarre zu spielen als ich in der sechsten Klasse war – das war auch die Zeit als ich mich anfing für das Ganze zu interessieren. Ich hab dann auch bis hin zur Highschool eine Menge geübt, mit einer eignen Band hat das Ganze dann aber erst in den späten Neunzigern angefangen schätze ich.

DINO: Ich begann Klavier zu spielen als ich noch ziemlich jung war. Als Kind machte ich sozusagen immer in gewisser Weise Musik, auch weil meine Mutter ständig etwas gespielt hatte – schon als ich noch ein Baby war.

Aha, du hast also mit Klavier begonnen?


DINO: Ja, als ich fünf oder so war. Ich spielte dann zehn Jahre Klavier ehe ich zum Schlagzeug wechselte. Ich habe aber nie realisiert, dass es das ist was ich jetzt mache, weil ich es einfach schon die ganze Zeit über irgendwie gemacht habe.

Am 1. Oktober gab es eine Veranstaltung in NY Housing Works wo ihr gemeinsam mit Salman Rushdie für einen guten Zweck (HIV - Prävention) einen Abend veranstaltet hattet. Würdet ihr dieses Erlebnis als eines eurer bisherigen (musikalischen) Karrierehighlights ansehen? 


GAVIN: Definitiv. Es war anders und der Abend verlief sehr gut. Es war mehr eine ruhigere Show, ohne Drums, nur mit Keyboards, Gitarre und dem Roland-Synthie. Dino spielte Klavier. Es war ja in einem Buchladen, von daher wollten wir es ein bisschen mehr bookstore´esk gestalten.

Inwiefern hat der Labelsplit vom Major Interscope zum Indie Ohlone Recordings die Arbeiten am neuen Album beeinflusst? Hat es euch aus dem Konzept geworfen, war das der Grund für die vielen Vertröstungen bezüglich des Veröffentlichungstermins auf der Homepage? Hattet ihr danach mehr Freiheiten um eure Ideen und alle kreativen Ergüsse ausleben zu können?


DINO: Es war definitiv ein Teil der Verzögerung. Es hat so lange gedauert ein Album zu machen weil wir ewig lange herum gefeilscht haben. Es war ein langer Prozess bis wir endgültig raus waren. Diese anze Zeit wo die Entscheidungen getroffen wurden kann man getrost als Verzug bezeichnen. Es waren Monate, weißt du! Wir haben in dieser Zeit ein paar neue Songs geschrieben, herum probiert und ständig ist uns etwas ein-bzw. aufgefallen. Es war einfach nur ein ausgedehnteres Beenden  eines Verhältnisses, ein riesen Prozess und wir haben uns definitiv ein Jahr damit herumgeschlagen bevor wir uns ans Album machten. Und ja, jeder wird dir sagen, dass es großartig ist seit wir wieder mehr wir selbst sind als Band. Wir haben das Album einfach nur für uns gemacht, ohne Stress und Druck. Ich meine, es war nicht so, dass wir jemals diesen Druck verspürt hätten, aber es fühlt sich jetzt deutlich besser an.

Habt ihr das Album in eurem eigenen Studio aufgenommen?

GAVIN: Nein, das war nicht unseres. Wir haben keines, nur einen Proberaum. Es gibt einige in der Bay Area. Wir haben in einem Studio nördlich von San Francisco aufgenommen und auch in Zwei in der Stadt. Einige Nummern auch in Barefoot –Studio in L.A.

Ich frage das, weil man bei eurer Doku über die Entstehung der Platte, The Leaflets, dieses wunderbare Studio sehen kann, mit seinen vielen Instrumenten und der lustigen Radtour hin zum Studio.


GAVIN: (lacht) Oh ja, das war ein wunderbarer Ort. Dieses Studio gibt es leider nicht mehr. Wir waren eine der letzten Bands, die dort aufgenommen haben. Von dem her ein weiterer spezieller Grund. Und, naja, sehr schade auf jeden Fall.

Ihr habt einmal gesagt, Dredg stehe für "Entdeckung der Welt", für Veränderung, denn nur wenn man eine Reise tut, sich auf teilweise unerforschtes Gebiet begibt, lernt man auch Sachen mit anderen Augen zu sehen. Ihr habt wieder den Produzenten gewechselt. Hatte ihr das Gefühl, dass Terry Date bei eurer neuen Platte nicht das gewünschte Endprodukt erzielen hätte können?

GAVIN: Wir brauchten einen Toningeneur und eine Produzenten nachdem es ein wenig anders klingen sollte. Weißt du, jede Platte hat Platz für die jeweiligen Personen. Matt Radosevich, mit dem wir am neuen Album gearbeitet haben, ist viel musischer als viele der Leute mit denen wir schon gearbeitet hatten. Er brachte auch ein neues Element in den Mix mit ein. Jede neue Erfahrung ist sehr verschieden.

"Ireland"  handelt von der Thematik, dass man sich nicht vom Fleck bewegt, immer in seiner gewöhnlichen Umgebung wohnt und die gewisse Sicherheit dem Abenteuer und dem Blick fürs Neue, für neue Mentalitäten, neue Kulturen und Charaktere vorzieht. Ihr habt dieses Problem aufgrund der ausgiebigen Touren ja nicht. Wollte einer von euch aber schon einmal aus San Francisco wegziehen, bzw. hat einer von euch einmal wo anders gelebt – z.B. in Europa?

GAVIN: Ja, ich glaube als Band können wir uns glücklich schätzen dieses Privileg viel herumzureisen zu haben. Von dem her ist es sonst eher unbrauchbar, also die großen Entfernungen und so. Es muss nicht eine gewaltiger Umzug oder ein riesiger Urlaub passieren damit man um eine Erfahrung reicher ist. Ich meine, immerhin haben wir in unserem Land eine Menge verschiedener Ideale. Geografische Unterschiede oder so etwas, das sind schon Sachen, die mich in meinem Leben inspirieren können.

DINO: Wir reisen so viel, das es einfach schön ist wenn…hmmm…weißt du, einige haben auch Familie, und du bist immer weit weg, eigentlich die meiste Zeit. Daher ist es schön zu Hause zu sein, seinen Ort der Bequemlichkeit zu haben.

GAVIN: Aber ihr hier in Europa, ihr seid die Glücklichen. Ihr habt so viele verschieden Länder innerhalb kürzester Distanzen. Wir haben nur Mexico und naja, Kanada.

Wir haben über Plätze gesprochen. Gibt es diesen einen Platz der viel für euch bedeutet, der immer mit einem bestimmten Song oder einer bestimmten Musik assoziiert wird – weil dort vielleicht einmal etwas spezielle passiert ist?


GAVIN: Hmm, ich glaube Deutschland. Einfach weil es eines der ersten Länder außerhalb der USA war, wo unsere Musik angenommen wurde. Wir haben viele Leute über die Jahre dort getroffen und mittlerweile Freunde. Es gibt dort einige Plätze.

DINO: Oh, ich erinnere mich da an den Moment, als wir "Information" aufgenommen haben. Dieser Song ist ein bisschen inspiriert von den Deutschen Festivals wo wir spielten. Das Gefühl im Freien zu spielen, die vielen Leute, das alles hat mich ein wenig inspiriert beim Drummen.

Gibt es da etwas, das sich in euer Leben geschlichen hat, ihr es aber mittlerweile gerne loswerden würdet. Eine Angewohnheit, eine Sucht oder Ähnliches?


DINO. (lacht). Irgendetwas schleicht sich immer irgendwie ein.

GAVIN: Ich glaube wir sind ziemlich gut unterwegs mittlerweile. Wir sind ziemlich ruhig, mehr als jemals zuvor schätze ich.

DINO: Ja, aber erst seit sechs Wochen. (alle lachen)
Wir waren fast ein Jahr auf Tour, darunter zwei Mal jeweils ein Monat in Europa und zwei US-Touren mit jeweils sieben Wochen. Wir waren seit langer Zeit nicht so auf Tour und waren daher zeitweise ein wenig verrückt. Aber jetzt haben wir uns wieder beruhigt, wir werden älter.
Naja, wir hatten schon eine Menge Spaß als wir öfter betrunken waren, als wir hart feierten. Es ist lustiger, es kostet aber auch mehr Substanz.
Wenn die Shows anfangen darunter zu leiden weil du zu heftig abfeierst, dann hast du schnell einmal ein Schuldgefühl, einfach Scheiße.

GAVIN: Es ist ein böser Kreislauf in dem man da gefangen ist.

Aber sicherlich gibt es doch die Tage, die eher normal verlaufen, und dann eben die eher exzessiven. Es kommt ja auch immer an in welcher Stadt man sich befindet, oder?


GAVIN: Speziell wenn man jede Nacht an einem anderen Ort ist, immer Leute an einen herantreten und dich auf einen Drink einladen wollen. Du bist z.B. in Wien und würdest dich wie ein Idiot fühlen wenn du das nicht machst, denn immerhin sind wir alle gemeinsam hier und es ist vielleicht das letzte Mal, das ich sowas machen kann. Darum will ich es natürlich genießen. Das ist hart, aber ich werde mich nicht in den Bus setzten und ein Buch lesen wenn ich schon mal da bin. Verstehst du?

Ein Beispiel: Ein Freund bittet dich um einen Rat bezüglich neuer Musik. Welches Album würdest du ihm empfehlen (abgesehen von eurem)?


GAVIN: Naja, die neue Elbow Platte ist ein recht gutes Album.

DINO: Um ehrlich zu sein, da gbit's grad nicht viel, das irgendwie ein Feuer in mir entfacht. Möglicherweise liegt das aber an mir, an meiner Erwartung, an meinem Leben oder an sonst etwas. Ich weiß es nicht, aber ich hab einfach gerade nichts, das sich so anfühlt, als ob ich es unbedingt hören müsste.

GAVIN: Ich höre gerade viel langsame, ruhige Musik. Üblicherweise morgens, speziell auf Tour.

Ich frage das, weil es diese neunzehnjährige Künstlerin namens Soap and Skin gibt, aus Österreich. Habt ihr jemals von ihr gehört?


GAVIN: Nein. Wie war der Name nochmal, Soap and Skin?

Ja. Sie spielt Piano und mixt es mit Sounds aus ihrem Notebook.

DINO: Singt sie englisch?

Ja. Ich habe die CD für euch.

GAVIN: & DINO: Danke, großartig Mann.

Wovon handelte euer letzter Traum?

DINO: Wow, er war verdammt verrückt. Ich musste eine Ex-Freundin vor irgendwelchen Typen beschützen, die sie erschießen wollten. Auf einem Hügel, in der Nacht. Naja, es ergibt nichts einen Sinn wenn man aufwacht, aber während des Traums ist alles total klar. Es ist schon verrückt, wenn man alles weiß was passiert ist.
Yeah, ich glaube es war auch wegen diesem verdammt verrückten, gruseligen Film namens Paranormal Activity den wir uns kurz vorm schlafen reingezogen haben. Weißt du, ein weiterer Grund für diesen kaputten Traum.

GAVIN: Ich erinnere mich, dass, wenn ich Träume beschreiben muss, es meist fürchterlich klingt. Aber, naja, ich weiß nicht, ich bin von Polizisten weggelaufen und da war dieses verrückte Drogen-Ding. Weißt du, es war einer dieser Träume als wie wenn du einen Film guckst und da ist diese neue Droge die dich verwandelt, die Sachen um dich herum, die Wahrnehmung - in verschiedenste Dinge……naja, ich rannte also von der Polizei weg, verwandelt mich in Wasser……ich hab keine Ahnung, aber während des Traums war es großartig, jetzt klingt es langweilig.
Träume zu beschreiben ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Im selben Traum wurde ich dann von einem Mädchen angepöbelt, ich folgte ihr daraufhin zu ihr nach Hause, campierte vor ihrem Haus und wartet bis sie wieder hinauskam – um mir mein Handy und meine Brieftasche wieder zu geben. (alle lachen)
Yeah, ziemlich langweilig.

Ihr habt das Album Chi Cheng, dem Bassisten der Deftones gewidmet. Hat sein Unfall und der daraus resultierende Zustand die Sicht auf früher scheinbar normal Dinge geändert?

GAVIN: Ich meine, solche Sachen sind nie vorherzusehen. Schockierend. Ich weiß nicht, ich meine, man denkt dann natürlich über diese Person nach, und versuchst alles was im zugestoßen ist so gut wie möglich im Geiste zu verarbeiten. Es ist traurig, und überhaupt. Es ist ein Schock, wie ein plötzlicher Tod oder ein tödlicher Unfall, erwürgend.

Schreibt jemand von euch in Zeiten des Internets auch noch Briefe oder mögt ihr Handgeschriebenes? Ich frage dass, weil im Video zu "Information" das Handgeschriebene für mich einen sehr authentischen Faktor darstellt.


GAVIN: Nein, nicht wirklich sehr oft. Mehr Mails.

Wordrap:

Mozart


GAVIN: Österreich
DINO: Salzburg

Falco


DINO: Was?

Falco. Das war ein sehr einflussreicher, wichtiger Musiker aus Wien. Vielleicht kennt ihr den Hit "Rock me Amadeus"?

GAVIN: Oh, ja. Meine Antwort hat zwar jetzt nichts mit ihm zu tun, aber mein erster Gedanke war Die Unendliche Geschichte weil es da den Fuchur (engl. Falkor) gibt.

DINO (lacht)

Drogen

GAVIN:Spass
DINO: Ich liebe sie ( alle lachen)

FM5: Oper oder Klassische Musik:

DREW & DINO: Klassik

FM5: Natur:

GAVIN: Ökonomie
DINO: Hacke

Lieblingsfrucht

GAVIN: Banane
DINO: Apfel

Nacht


GAVIN:inspirierend
DINO: Drogen

Sade
(Sängerin)

GAVIN: Geil
DINO: Sexy

Vinyl


GAVIN: Dredg
DINO: 1970´s

Vielen Dank!!

Das Interview führte Thomas Zettel und erschien auf www.fm5.at.

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