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Portugal.The Man: Big in the Soul

We're big in the soul and on family
von Thomas Zettel

Der Teufel kann mir doch gestohlen bleiben wenn die Satanisten persönlich vorbeischauen. Zachary Carothers, Bassist bei Portugal.The Man, plauderte mit FM5 über Scherenschnitte, Drogen, Hip Hop und warum ein Album mit RZA der absolute Wahnisnn wäre.

Wie habt ihr euch kennen gelernt. Seid ihr Jugendfreunde?

Wir haben uns in Alaska kennengelernt, wo wir auch angefangen haben Musik zu machen. John und ich waren in einer Band namens Anatomy of a Ghost. Er spielte anfangs in meiner bekackten Highschool-Band und ich hatte keine Ahnung, dass er auch singen konnte.

Mit Anatomy of a Ghost tourten wir für eineinhalb Jahre oder so, ehe wir uns auflösten. Kurz darauf hatte er auch schon angefangen von seinem Nebenprojekt namens Portugal.The Man zu sprechen und ich mochte dieses Ding mit ihm machen. Wir schnappten uns ein paar Leute und begannen von vorne. Einer der Typen die mit uns P.TM begonnen hatte spielt jetzt bei The Builders & the Butchers mit denen wir gerade touren.

P.TM
ist bekannt für die ausgiebige Improvisation bei Konzerten. Für mich ein sehr wichtiger Punkt, eigentlich der einzig wahre um eine Band auch wirklich beurteilen zu können. Fällt euch eine Band ein, die live auf ähnliche Qualitäten setzt wie ihr?

Yeah, wir praktizieren das sehr ausgiebig. Aber andere Bands? Ehrlich gesagt, nein. Wir haben ein paar Freunde die immer wieder kleinere Jams machen, aber wir haben manchmal wirklich verrückte Sachen laufen. Man kann sagen die Hälfte ist improvisiert, aber auch strukturiert. Es gibt uns die gewisse Dosis um ja nicht zu vergessen, dass wir Musiker sind. Das macht das Ganze interessant. Wenn du jeden Tag ein nahezu gleiches Set spielst dann ist das langweilig, für dich und die Leute da draußen. Wir halten den Spaß mit herumjamen am Leben.

Euer aktuelles, viertes, Album trägt den Titel The Satanic Satanist.
Ihr habt mal gesagt, dass der Titel des Albums immer schon im Vorhinein feststeht. Church Mouth z.B. ist aber nicht dieses religiöse Themen behandelnde Album, wie es vielleicht der Titel vorgibt. Was hat es mit The Satanic Satanist auf sich, in welche Richtung wolltet ihr uns diesmal leiten?


Naja, Church Mouth hatte schon diesen Unterton, aber Johns Texte sind immer sehr vage, undurchsichtig. Doch eigentlich auch wieder nicht, wenn man diesen Typen erst mal richtig kennt. Er denkt über alles in einer sehr kaputten Art und Weise nach. Das Selbe gilt auch für The Satanic Satanist.
Wir wussten, dass wir ein eher poporientierteres Album machen wollten, mehr nach vorne gehende Songs, sehr fröhlich und kunterbunt.
Außerdem wollten wir die Blackmetal-Fans, die normalerweise nicht unsere Alben kaufen, aus ihren Löchern holen. Bis dato haben wir aber in diese Richtung nichts vernommen.(lacht)

Nachdem ich mir das Album auch textlich näher angeschaut habe bin ich zum Entschluss gekommen, dass es – banal gesagt – ein Album über Mutter Erde ist, über die Sachen die immer schon da waren und hoffentlich auch immer da sein werden, die wahren Werte und wie diese von zu vielen gnadenlos missachtet, übersehen werden.


Ja, das Thema ist sehr präsent. Während John eine gewisse Zeit lang in Alaska herum reiste hat er einen anderen Blick auf viele Dinge entwickelt. Auch von seiner Familie hat er diesbezüglich derart viel gelernt. Er lässt dann all diese Impressionen in das aktuelle Weltgeschen einfließen, in das was uns umgibt.

Was führt ihr darauf zurück das P.TM seit ihrer ersten Veröffentlichung in Europa, im speziellen in Deutschland und Österreich, eine derartige Popularität besitzen? Verstehen die Leute hier eure Musik besser? Ist Amerika zu sehr von schlechter Mainstream Musik geprägt?


Dieses Jahr verhält es sich ziemlich gleich an beiden Plätzen, aber den Anfang hat defintiv Deutschland mit dem Visions Magazin gemacht, die unser erstes Album gleich zum „Album des Monats“ machten. Und dann war da Defiance Records, ein kleines Plattenlabel, die unbedingt unsere Platte hier veröffentlichen wollten und uns nach Europa holten um zu touren. Wir dachten uns nur "Ach du Scheiße, wir haben erst ein Album draußen und die wollen, dass wir nach Europa kommen. Einfach nur verrückt!“
Naja, wir haben das also gemacht und es ist hier, speziell in Deutschland, Österreich und der Schweiz, so verschieden im Gegensatz zu den Staaten. Alle sind sehr aufgeschlossen was unsere Musik betrifft.

Wie spiegelt sich das im Publikum wieder?


Hier gibt's nicht viel Hemmung, nicht wirklich Separation. Die Leute mögen einfach was sie mögen. Bei unseren Shows in den USA kleiden sich die Leute sehr gewiss und es gibt immer diese bestimmten Altersgruppen. Meist 18-28 Jährige, fast bei allen Konzerten. Hier ist das anders. Wir haben wirklich junge Leute aber auch 65-70-jährige Paare.

Weil die Musik für keine bestimmte Zielgruppe erschaffen und einfach reich an Stilen ist.


Ja, wir mögen halt eine Menge verschiedenster Stile, wollen uns einfach nicht an einem Ding festmachen. Permanentes Wachsen ist eine wichtige Thematik.

Das neue Album klingt sehr warm. War dieser Vintagesound beabsichtigt oder ein Zufallsprodukt das im Studio passiert ist?


Nein, die Wahl der Camp Street Studios in Boston war bewusst gewählt. Wir haben so etwas zuvor noch nie gemacht. Auf all den Platten die wir aufgenommen hatten, brachten wir stets unser Equipment mit, das waren dann aber auch schon die einzigen vintage klingenden Artikel die es dort gab. Der Rest war neues Zeugs, Marshall, Mesa Boogie und jede Menge Pro Tools. Wir wollten das nicht wiederholen, darum haben wir solange Geld aufgegabelt bis wir in ein richtiges Studio gehen konnten.
Die hatten dort Räume voll mit Verstärkern, wir brauchten nur reinzugehen und selektieren. Ich glaube John hat an die 15 oder 20 Verschiedene davon am Album gespielt. Die Typen arbeiteten dort schon seit 17 Jahren, wissen alles, wie jeder einzelne Verstärker in diesem und jenem Raum klingen muss, einfach Wahnsinn.

Das dürfte ja wirklich Eindruck hinterlassen haben.


Ja, auf jeden Fall. Paul Q. Kolderie, mit dem wir zusammenarbeiteten, hatte auch schon an der ersten Radiohead Platte mitgewirkt, mit den Pixies gearbeitet und in den 90igern jede Menge Sachen gemacht. Er ist so sachkundig was Musik betrifft, eine witzige Erfahrung.
Ich glaube wir werden das in Zukunft auch so handhaben, also in solche Studios zu gehen. Früher war so etwas für uns einfach nicht erschwinglich, aber jetzt rennt's ein bisschen besser.
Keiner von uns macht Geld mit der Musik, wir stecken alles was vom Touren übrig bleibt in die Produktion fürs nächste Album. Es ist ein Kreislauf. Wir probieren einfach immer bessere Alben zu machen. Langsam aber sicher.

Ich habe in einem Interview gehört, dass ihr liebend gerne einmal ein Album mit RZA aufnehmen wollt. Warum? Was verbindet euch mit dieser Art von Musik und was würdet ihr euch erhoffen?


Oh yeah, das wäre der Wahnsinn. Wir mögen Hip Hop sehr gerne, aber es ist mehr die Produktionsweise die uns interessiert. Wir haben ein neues Album das bereits fertig ist und irgendwann im nächsten Jahr erscheinen wird. Davor gehen wir aber bereits im Jänner wieder ins Studio um ein weiteres aufzunehmen. Bevor das nächste Album erscheint haben wir also zwei fertige Platten. Ziemlich lächerlich eigentlich.
Naja, dieses klingt ein bisschen mehr nach Hip Hop, also von den Beats her. Wir haben viel mit Loops, Samples und so Sachen gearbeitet.
Der Grund warum wir gerne mit RZA zusammenarbeiten würden ist sein Fundus an 60ies und 70ies Soul-Loops. Er benutzt diese anstelle von neuen, modernen Loops wie sie sonst so viel im Hip Hop verwendet werden. Wir bevorzugen die alten Sachen.
Seine Sichtweise auf den alten Soul, wie er es schon bei Soundtrack – Produktionen von Tarantino Filmen wie z.B. Kill Bill bewiesen hat, das ist glaub ich der eigentliche Grund warum wir mit ihm gemeinsame Sache machen wollen. Wir blühen ziemlich auf wenns um Soul geht.

Aber glaubt ihr nicht, dass wenn ihr das Album mit RZA produziert; es mehr nach diesem typischen amerikanischen Mainstream Ding klingen würde?


Ich weiss nicht ob er das so machen würde, wir kennen ihn halt überhaupt nicht. Wir würden gerne sehen was er mit den Nummern anstellt.
All diese Wunschvorstellungen sind derzeit noch mehr Witz als sonst etwas weil wir ja nicht einmal wissen, ob er überhaupt jemals mit uns arbeiten würde. Er ist nicht mein Favorit des Wu Tang Clans oder so, aber ich glaube wir könnten lässige Sachen miteinander entstehen lassen. Es wäre ja schon witzig, wenn wir mit einer EP oder einzelnen Remixen von Songs anfangen könnten. Das wäre der absoulte Wahnsinn.

Das neue Artwork ist ein Scherenschnitt und wirkt sehr aufwendig und gut durchdacht. In Zeiten der Krise, wo jeder Cent dreimal umgedreht wird, wo manche Künstler nicht mehr ihre Vorstellungen vom Artwork durchbringen, liefert ihr die heftigste, originellste Verpackung ab seit ich Platten kaufe. Wie habt ihr das wieder angestellt?


Oh, es war sehr teuer. Aber die Sache ist, dass wir für unsere eigenen Alben zahlen, für die Aufnahme und die Verpackung. Wir haben einen Lizenzvertrag mit unserem Label das ein wenig Geld in den Topf schmeißt uns aber auch klar sagte, dass wir so etwas mit unserem Budget nicht machen könnten, sie maximal für den Rest der noch übrig bleibt aufkommen würden.
Naja, wir haben halt an allen Ecken und Enden gespart. Jetzt ist es nur ein Stück Karton, mit einem sehr ausgeklügelten Stanzverfahren. Wenn du ein Album mit mehrseitigem Booklet hast wo auf mehreren Seiten verschiedenste Schnitte vorgenommen werden müssen, so ist das natürlich teurer. Sie haben uns also nur für einen Arbeitsschritt zur Kassa gebeten. Ausserdem ist die Verpackung frei von Plastik. Ein weiterers Ersparnis.

Für mich ist das Artwork und der Gedanke dahinter ein wichtiger Faktor beim Kauf einer Platte, also im Normalfall kaufe ich nur Vinyl. Was ist dein bevorzugtse Medium um Musik zu hören?


Ja, mir geht’s genauso. Es ist halt scheiße, dass ich keine Möglichkeit habe das auch zu tun. Wir sind ständig auf Tour und mein Plattenspieler ist seit drei Jahren in einem Lager. Alles was ich auf Tour habe ist mein MP3 Player, aber ich bin guter Dinge, dass wir uns heuer im Winter ein Apartment anmieten werden. Ich bin schon gespannt.

Ach, du hast derzeit nicht einmal ein Apartment oder Ähnliches in Portland?


Nein. Ich besitze weder ein Bett noch einen Fernseher. Wir leben auf Tour.

Es ist also ein weiterer Grund immer auf Tour zu sein?


Wir lieben Touren, aber es ist immer sehr stressig. Wenn wir nicht unterwegs sind, dann recorden wir und wenn ich wirklich einmal ein paar freie Tage habe, dann bin ich bei Freunden. Es macht nicht wirklich Sinn eine Wohnung zu haben, obwohl es vielleicht erschwinglich wäre, vielleicht (lacht).
Wenn man aber zehn Monate im Jahr unterwegs ist, jedoch für ein ganzes Jahr zahlen muss, ist das ziemlich wirr.
Wir werden am 9. Dezember nach Hause kommen, und man denkt sich halt „Wow, endlich daheim nach so vielen Monaten. Ich muss mir schleunigst ein Hotelzimmer besorgen!“ Das ist schon verrückt.
Nicht einmal in Österreich brauchen wir uns um Hotels kümmern. Wir organisieren uns irgendwo einen Schlafplatz auf einer Chouch oder so.

Wie sind eure Erfahrungen mit Drogen? Immerhin ist das ein Frage, die einem unweigerlich einschießt, wenn man sich P.TM als Gesamtkunstwerk, mit den jährlichen Veröffentlichungen, den psychodelischen Farben und des eigenwilligen  Artworks ansieht. Österreich und vor allem Deutschland sind auf diesem Sektor erzkonservativ. Hattet ihr diesbezüglich mal Probleme auf Tour?

Als wir das letzte Mal in Europa waren wurden wir kurz nach München angehalten. Sie fanden das kleinste, sich vorstellbare bisschen Gras in der Tasche unseres Drummers der daraufhin ins Gefängnis musste. Wir versäumten eine Show und er musste mit dem Zug nachreisen, es war schrecklich. Daher gibt’s Gras-Verbot im Bus.
Klar hab ich meine Erfahrungen mit Drogen gemacht als ich noch jünger war. Warum ich es trotzdem lasse hängt damit zusammen, dass ich auf Drogen nicht funktioniere. Wenn ich heutzutage bekifft bin, dann will ich einfach nur mehr gar nichts machen, früher war das nicht so. Das geht aber nicht, weil ich andauernd irgend etwas zu erledigen habe. Entweder nehmen wir auf, spielen Konzerte, muss ich ständig mit Leuten reden oder sonst was. Ich kann das alles nicht wenn ich high bin. In Zukunft würd ich's schon gerne wieder ein bißchen genießen, aber gleichzietig ist es ein verückter Gedanke, weil ich mir die Frage stelle ob man nicht einmal aus diesem Alter draußen ist. Es ist schräg.

Drogen sind also nicht verantwortlich für die Farbexplosionen bei P.TM?


Drogen haben damit nichts zu tun. Ich glaube, dass wir wahrscheinlich von Musik beinflusst werden die wiederum von Drogen beeinflusst wurde. Oder manchmal weiß man es eben gar nicht. Ich habe erst kürzlich in einem Pink Floyd - Interview gelesen, dass nicht mal sie Drogen genommen haben. Ich dachte mir nur: „Was für eine Scheiße!“
Die waren der Grund warum ich überhaupt jemals Drogen probiert habe. Ich war richtig enttäuscht. Ich habe eine Menge schlechte Angewohnheiten, Drogen gehören aber sicherlich nicht dazu.

Letzte Frage: Wo wirst du die Weihnachtstage verbringen?

Ich werde zurück nach Alaska fahren und die Weihnachtsfeiertage im Haus meiner Mutter verbringen. Ich mache das immer so. Wir halten viel auf Familie.

Das Interview führte Thomas Zettel und erschien auf www.fm5.at.
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