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FM4 Heroes of The Zeroes - Part 3

Und hier noch die ausständigen restlichen Plätze mit poolbar-Heroes der letzten Jahre:

20: THE NOTWIST - NEON GOLDEN
Ein mühevoller, unendlich lang erscheinender und harter Produktionsprozess, der das Weilheimer Quartett an ihre nervlichen Grenzen brachte, ging diesem wundervollen Geniestreich „Neon Golden“ voraus. Nach punkigen Noiseskapaden und frickeligen Elektronikexperimenten haben The Notwist mit ihrem sechsten Werk eines der endgültigsten Popalben der Dekade geschaffen. Zeitlose Songs voll melancholischer Wärme, berührender Intimität und kunstvoller Musikalität, die große Gefühle evoziert. Ein filigraner Meilenstein des Indiepop, so be one with the freaks! (Andreas Gstettner)
Foto: City Slang (EMI)

13. SOAP&SKIN - LOVETUNE FOR VACUUM
Eines Tages schrieb jemand die Dunkelziffer der jährlichen Missbrauchsstatistik mit einem Stecken in den Schnee. Es war Allerheiligen. Die Zahl hatte nicht extrem viele Stellen, aber genug, um sich quer über den Eingang zum Friedhof zu erstrecken. Eine Abordnung von Geschäftsleuten schimpfte, ohne wirklich zu wissen, worum es ging: “Ist doch alles nur Pose, ist doch gar nicht echt, darf man vielleicht mal anfassen!” Daneben verteilte ein Mädchen in der Kälte Flyer für den Rabatt-Tag in einem nachbarschaftlichen Club. Eine ältere Dame lief kopfschüttelnd zur Szenerie, um ihr Missfallen mit einem greinenden “Ist das jetzt noch E oder schon U?” kundzutun, bevor sie von ihrer angespannten Mutter, deren Mann bei seinem Objektivpark zu Hause geblieben war, zurechtgewiesen wurde. Ein anderes Mädchen blieb auf der gegenüberliegenden Seite der Straße stehen, sah sich das alles an, musste 10mal hintereinander niesen, lachte, und holte ihre Kamera hervor. Die Lieblings-CD ihrer besten Freundin war von Soap&Skin. Sie war da auch irgendwo dort, im Getümmel. Deswegen ist auf “Lovetune For Vacuum” an mehreren Stellen das Klicken eines Fotoapparats zu hören. (Albert Farkas)

Und die Top-3 wollen wir euch natürlich auch nicht vorenthalten:

3: LCD SOUNDSYSTEM - SOUND OF SILVER
Seit Anfang der Nuller gehört der New Yorker James Murphy zu den Initialzündern einer neuen Clubkultur, in der Disco und Rock, Electro und Pop auf euphorisierende Weise verschmelzen. Mit "Sound of Silver" hat sich sein LCD Soundsystem aber 2007 selbst übertroffen. Weil Murphy mit diesem Album nicht nur clever auf den Tanzboden zielt, sondern vor allem auch mitten in die Hirne und Herzen. Während es um Trennungen und Tod, um Liebe und fatale Politik geht, bleiben Klagegesänge aus und das Stroboskop flackert weiter. Übercoole Respektlosigkeit? Nein, James Murphy hat eine neue Pop-Sprache für uralte Emotionen erfunden. (Christian Fuchs)

2: THE STROKES - IS THIS IT
"Is This It" war das erste Album der New Yorker Band The Strokes. Sänger Julian Casablancas, Gitarrist Albert Hammond Jr. und ihre Bandkollegen waren fünf junge Männer aus gutem Haus, die mit ihrem Debut einen Rock´n´Roll-Geniestreich ablieferten, der ihnen so nie wieder gelingen konnte. "Is This It" war ein authentisches Once-in-a-Lifetime-Album aus einer Stadt, die nur wenig später auf tragische Weise für immer verändert wurde. (Eva Umbauer)

1: ARCADE FIRE – FUNERAL
Diese Band ist noch mehr ein Phänomen als eine Musikgruppe. Ein bombenfestes, sich anschmachtendes Liebespaar, dazu ein Haufen Freaks und ein Haufen Sounds, ein zum Berg aufgetürmtes biblisches Fanal, eine raumfüllend überbordende Herzensmusik, die so vielen Sinnsuchenden den Glauben an Liebe, Treue und Freundschaft wiedergeschenkt hat, wie kaum eine sonst. Arcade Fire haben noch die novelty-skeptischsten Finsterlinge zum Chormitsingen animiert und praktisch im Alleingang (vielleicht unterstützt von ganz anders gelagerten Polyphonic Spree, Bright Eyes und Silver Mount Zion) die Zeroes endgültig als gefühlstiefe und unironische Dekade markiert. (Boris Jordan)

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