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Im Interview: Die Sterne

"Dann wäre man als Band in einer Sackgasse"

Die Sterne machen auf ihrer neuen CD 24/7 auf Elekro, tanzbar und Groove-orientiert, wie sie selber sagen. FM5 sprach mit ihnen über die neue CD, ihren Stilwechsel und die Reduktion auf ein Trio.

Müde Sterne kommen zum FM5-Interview im Rahmen der FM4-Geburtstagsfeierlichkeiten. Zuerst Drummer Christoph Leich, etwas später Bassist Thomas Wenzel und irgendwann dazwischen stößt auch Sänger und Gitarrist Frank Spilker zur Gesprächsrunde, der davor noch für ein Fotoshooting posieren musste. In seiner Abwesenheit erzählen Thomas und Christoph vom neuen Live-Keyboarder, den sie sich von Fettes Brot geliehen haben, von ihrem viel zu früh begonnenen Tag und dass sie "noch nicht aus der Backstube raus" dürften, obwohl sie ihre Brötchen schon gebacken hätten.

Christoph: Dafür hab ich das erste Mal in meinem Leben den Sonnenaufgang aus dem Flugzeug gesehen. Das fand ich sehr sehr schön.

Thomas: Den hab ich gar nicht gesehen. Wenn man so müde ist, fällt einem gar nicht auf, dass man startet, auch wenn man ein bisschen Flugangst hat.

Du leidest an Flugangst?

Thomas: Ja, ein bisschen. Wenn man älter wird, kriegt man immer mehr Ängste.

Christoph: Ich hab gehofft, dass man mit dem Alter gelassener wird. (lacht)

Wie alt bist du denn, wenn ich fragen darf?

Thomas: Ich geh' ganz stark auf die 50 zu, ich bin schon verdammt alt. Ich war schon fast 30 als das mit den Sternen losging.

Was habt ihr in der Zeit getrieben, als Frank mit seiner Frank Spilker Gruppe unterwegs war?

Thomas: Das war ein bisschen das Problem für Frank: Wir hatten außer ihm immer Nebenprojekte und Frank als einziger keine. Das liegt vielleicht daran, dass er nicht nur an der Musik beteiligt ist, sondern auch die ganzen Texte für die Sterne schreibt und dadurch weniger Zeit hatte, was anderes zu machen. Aber er hatte das Bedürfnis danach was anderes zu machen. Und wir, auf der anderen Seite, haben auch gesehen, dass Frank diese Singer/Songwriter-Stärken, die er ganz sicher hat, ausleben muss.

Euren expliziten Segen hatte er also?

Christoph: Ja, unbedingt! Es war sogar ein Bedürfnis. Es gab immer mal Songs, die Frank schon fertig in den Proberaum brachte und die wir dann einfach umgesetzt haben, was einen als Musiker in der Band vielleicht nicht ganz so zufrieden stellt, als wenn man das Gefühl hat, dass man die Idee selber mitkreiert hat. Und nach der letzten Platte hatten wir alle das Gefühl, dass wir wieder mehr als Band die Stücke machen müssen und Frank mit seinem großen Song-Output seine Ideen vielleicht in einem anderen Rahmen veröffentlichen sollte, aber bitte nicht bei den Sternen. (lacht) Es war also eigentlich von beiden Seiten ein Bedürfnis.

Für eure neue CD 24/7 habt ihr mit Mathias Modica a.k.a. MUNK zusammengearbeitet, der das Elektro-Label Gomma betreibt. Den elektronischen Einschlag hört man auch sehr deutlich. Wie kommt's zu dem Stilwechsel?

Christoph: Drei Jahre harte Arbeit. (lacht) Wir haben wirklich drei Jahre lang rumprobiert und rumgesucht.

Thomas: Es ist eigentlich gar nicht so ein neuer Weg, wie es von außen erscheint. Wir haben immer schon tanzbare, Groove-orientierte Musik gemacht. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass wir nach drei Jahren des Herumsuchens wieder dort gelandet sind, wo eh unsere Stärken liegen.
Wir haben als Kristallisationspunkt bei "Convenience Shop", einem Lied von uns, gedacht, dass es total gut funktioniert. Dass es auch live gut funktioniert. Und wir wollten versuchen, noch mehr in diese Richtung zu gehen.
Wir benutzen im Prinzip noch immer ein Rock-Instrumentarium. Das Keyboard spielt halt nicht nur mehr den Wurlitzer- und Fender Rhodes-Klang, den wir in den Neunzigern wollten, sondern haben das Klangspektrum ein bisschen erweitert.

Frank (der gerade dazugestoßen ist): Es ist eigentlich ein Synthesizer aus den frühen Achtziger Jahren, also kein besonders modernes Gerät. Wenn man in einem Studio sitzt, dann sind die Möglichkeiten für die Produktionstechnik so nah. Ich finde aber nicht, dass das Album auf Soundavantgarde macht.

Ihr seid kurz vor der Veröffentlichung von der Maxi-CD Der Riss auf ein Trio geschrumpft. Hat die Trennung mit eurem Keyboarder etwas mit dem Titel zu tun?

Frank: Sagen wir so: Es war nicht ganz verkehrt, dass das mitschwang. Aber der Titel ist dadurch entstanden, dass alle drei Stücke der CD Trennungsgeschichten sind. Man muss aber bedenken, dass das Album 24/7 unter ganz musikalischen Kriterien entstanden ist. Wir haben diese drei Stücke für die Maxi gewählt, weil sie Mathias Modica als am besten zu Gomma passend ausgesucht hat. Vom Tempo, vom Disco-Feel, von dem her, was sie machen. Und wir wollten das gern auch so haben. Sie ist auch über ganz andere Kanäle verbreitet worden, zum Beispiel über Beatport, auch ohne Text als Dub-Version. Und so haben wir auch mal ein paar Reviews im englischen Sprachraum bekommen. Das muss man ja auch bedenken. Der Titel kommt aber aus dem Bauch heraus und aufgrund dieses inhaltlichen Zusammenhangs ist er auf mehreren Ebenen passend.

Die Sterne gibt es seit 1992. Habt ihr ein Rezept wie eine Band so lange durchhält?

Frank: Alle zehn Jahre den Keyboarder wechseln. (lacht)

Euer Keyboarder ist also "gewechselt worden"?

Frank: Nein, das war jetzt ein bisschen zu salopp gesagt. Aber wir haben uns tatsächlich ein bisschen blockiert und gesehen, dass das nicht gut für die Band ist und dass das schade ist. Aber es war wichtig, das zu sehen. Ich will keinesfalls Richard (Sterne-Keyboarder von 2000-2009, Anm.) die Schuld geben, er hat sein Ding gemacht und das ist total in Ordnung und jeder von uns macht sein Ding und muss auch sein Ding machen, um es in der Band auszuhalten. Aber es war wichtig zu sehen, dass die Band nicht mehr funktioniert, weil man sich blockiert und dann muss man auch eine unpopuläre Entscheidung treffen.

Kann man sagen, dass er den elektronischen Schwenk nicht mittragen wollte?

Frank: Naja, er ist Elektronik-DJ, was er früher nicht war. Das kann man also so nicht sagen. Es ist eher eine geschmackliche Sache. Es geht nicht darum dass da Keyboards drauf sind, weil Keyboards liebt er sehr. Eher darum, wie sie eingesetzt werden. Und eine Sache, bei der ich sagen würde, dass ich sie nicht sehr an ihm mochte, ist, dass er sehr Keyboard-fixiert ist und Musik nur über das Keyboard hört. Das wiederum blockiert den Blick auf das ganze.

Thomas: Ich wollte noch einmal auf deine Ausgangsfrage nach dem Rezept zurückkommen. Ich finde, dass es wichtig ist, dass man versucht, eine neue Tür aufzumachen und dass es auch Spaß macht. Man kann sich nicht immer wiederholen - dann wäre man als Band in einer Sackgasse.

Wer soll bei eurer Geburtstagsfeier spielen? Auch nicht mehr auftretende Künstler und Bands sind erlaubt?

Frank: Das ist dann einfach! Da würde ich die ganzen historischen Ahnen spielen lassen. Sly Stone natürlich, Ton Steine Scherben, Fehlfarben. Dann würd ich auch eine Reihe von Bands dabeihaben wollen, die man nicht mit unserer Musik assoziiert, ich aber persönlich gut finde.

Zum Beispiel?

Frank: Auch jüngere Bands, ich mach ja eine Radiosendung auf ByteFM und stolpere dort oft über tolle Sachen. Ich würde auf jeden Fall nicht nur so alte Säcke auftreten lassen.

Vielen Dank für das Intervew!

Das Interview führten Bernd Faszl und Caroline Kaltenreiner. Erschienen ist es zuerst auf www.fm5.at.
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