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No Head On My Shoulders: Multikulturelle Befürworter

Das Ute Bock Festival wirbelte wie ein Schneesturm durch die Wiener Clublandschaft und No Head On My Shoulders trugen ihren Teil dazu bei. Ich habe die Band getroffen um mit ihnen ein paar asyl- und gesellschaftspolitische Fragen ausgebuddelt.


Wir schreiben den Dezember 2009, kurz vor Weihnachten. Ganz Wien sieht weiß, stampft durch den wunderbarsten Aggregatzustand des Wassers, den es gibt. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt lassen unsereiner so schnell wie möglich wieder in warme Stuben verschwinden, während der geschätzte Rest in vorweihnachtlicher Panik die Stadt zum gehassten Ort macht. Warum das so ist, das interessiert mich nicht, vielmehr will ich ein bisschen tiefer in die Gedankenwelt derer schauen, die auch jenen Menschen gedenken und helfen, denen ganz andere Sorgen den Mittelpunkt ihres Daseins darstellen.

No Head On My Shoulders, die facettenreichste Band Österreichs, der Hochofen in dem es zur wunderbaren Stilverschmelzung kommt, werden in ein bisschen mehr als 24 Stunden auf der Bühne des Wiener Chelsea stehen und ein Benefiz für das Projekt Ute Bock spielen. Für mich der richtige Zeitpunkt noch einmal kurz in deren bunten vier Wänden in Wien Neubau vorbeizuschauen und mir einen Überblick zu verschaffen, in vielen Belangen.

Die doppelte Tür steht schon offen, Keksgeruch sucht man vergebens, dafür ziehen schon die Klänge eines neuen Songs duftige Schwaden durch das Altbaugemäuer, die einen inmitten eines Bazars, irgendwo im persischen Hinterland, versetzten. In der Wohngemeinschaft herrscht organisiertes Chaos, jenem Lebensumstand den es bedarf, um überhaupt in NHOMS tätig zu sein. Im Schlafwohnstudiozimmer stapeln sich Comics über Keys und Synthies, Flackern Bildschirme statt Adventkränze, krächzen Aschenbecher vor Überfüllung, und ist der Fahrplan durchs neue Album anstelle eines Marienbildes an die Wand gepinnt.
Die Band hat sich nach den Studioaufnahmen in den Halbwinterschlaf begeben und kriecht nur noch für diverse Gigs aus ihren weitverstreuten Löchern. Nur Sänger und Geschichtenschreiber Martin, derjenige, bei dem man nicht so recht weiß ob seine in alle Himmelsrichtungen stehende Haarpracht signifikant für den Gesamtzustand ist, oder mit den Wasseradern in der Wohnung zu tun hat, und Philipp, der stoische Denker und Lenker, der im Banddasein sechs Saiten zum Schreien bringt, haben sich eingefunden. Ersterer werkt noch an den Gesangsspuren, letzterer pendelt, seit neuestem auch mit akademischem Titel, regelmäßig zwischen den Magic Mischrooms und dem Wiener Nachtleben hin und her.

In meiner Tasche befindet sich ein Jahrbuch voller Fragen, ein kleines Spiel und ein Mix aus Mama´s Weihnachtsbäckerei. Das Mikro steht, die Stimmbänder sind geschmiert, die Zigaretten ausgedämpft, na dann lassen wir die zwei einmal zu Wort kommen.

Was ist eure persönliche Motivation bei einem Projekt wie dem Ute Bock Festival mitzumachen?

PHIL: Es kommen regelmäßig Benefizanfragen herein, eigentlich ständig. Da muss man sich die Projekte besonders gut aussuchen die man unterstützen will. Das Flüchtlingsthema ist heute mehr präsent denn je und darum haben wir uns entschieden ein Benefiz für den Verein Ute Bock zu spielen. Ich glaube das ist eine gute Sache.
MARTIN: Du hast in Österreich ganz wenige Leute, die sinnvolle Sachen machen, die Dinge tun, welche anderen Menschen helfen. Ute Bock ist halt eine Institution in Österreich, die es schafft, mit ihrer Arbeit Menschen die nach Österreich kommen und nichts haben, einen Platz oder zumindest ein bisschen etwas zu geben. Da ist das Geringste was wir machen können auf unsere Gage zu verzichten um ihr eben diese Einnahmen zu Gute kommen zu lassen.

Glaubt ihr, dass sich in Zeiten wie diesen, noch jemand Gedanken macht, warum ausgerechnet NHOMS bei "Bock auf Kultur" mitmachen. Was das für Gründe haben könnte, ob das vielleicht mit der Thematik die ihr in eurer Musik behandelt zu tun hat?

M: Prinzipiell glaube ich, dass es den meisten Menschen wirklich egal ist wer, was und warum irgendwo spielt. Es gibt schon ein paar Szenen und Genres wo es z.B. verstärkter um Menschenrechte oder Tierrechte geht, größtenteils nehmen die Leute aber wenig Notiz davon.

Wie kann man als Band diese Thematik der Menschenrechte und Asypolitik näher bringen, das Interesse wecken, damit sich die Leute nach einem Konzert damit auseinander setzen, es als wichtiges Thema ansehen. Genau da muss ja das Bewusstseinsdenken anfangen - bei den Menschen.

M: Es gibt ja verschieden Möglichkeiten das zu machen. Da gibt's die Bands, die sich auf die Bühne stellen und lauthals hinausschreien was nicht alles schlecht ist, dass man für dies und das kämpfen muss und so weiter. Ich bin halt der Meinung, dass, sobald du einen Menschen bevormundest, du ihm auch schon etwas von seiner Meinungsfreiheit nimmst. Jemand der sich wiederum bevormundet fühlt, wird sowieso nie was machen, weil er sich wie ein Kind behandelt fühlt und maximal sagt: „Jetzt erst recht nicht". Also das ist mein Ansatz.
P: Ich halte auch nichts davon, wenn eine Band probiert da auf Gehirnwäsche zu tun. Prinzipiell denke ich mir, dass du als Künstler dazu da bist, um die Leute die sich für NHOMS interessieren auf eine solche Veranstaltung zu bringen. Und wenn dann dort Informationsmaterial auf- und der Spirit in der Luft liegt glaube ich, dass man ein paar Leute mehr erreichen kann. Es kann schon eine gute Synergie ergeben wenn man sich prinzipiell für NHOMS interessiert, und dann eben mit diesem Thema vor Ort konfrontiert wird.

Ok, jetzt wissen wir, wie ihr es nicht praktiziert, dass ihr nicht so seid. Auf Informationsmaterial kann man aber auch nicht immer setzen. Wie geben NHOMS ihre Einstellung weiter - auch außerhalb einer Ute Bock Benefizveranstaltung?

M: Du hast als Band ja auch das große Medium Musik und Text. In diesem ganzen Kontext kannst du halt schon Missstände aufzeigen bzw. natürlich auch Dinge die gut laufen.
Wir verpacken Thematiken in Kurzgeschichten. Das war beim alten Album schon so, und ist beim neuen Album noch viel extremer.

Gebt uns kurz Einblick in die Thematik der neuen Platte. Wie spannt ihr den Bogen?

M: Es ist eine Zukunftsgeschichte die von unserem momentanen Zeitpunkt ausgeht. Wir haben probiert zehn Jahre in die Zukunft vor zu denken, haben im Jahr 2020 Geschichten platziert, deren Protagonisten Probleme haben aufgrund dessen, was heutzutage passiert ist. Da gibt es sowohl Songs in denen es um (Asyl)Politik geht bzw. um die Resultate zu der die Politik von heute geführt hat, als auch normale innermenschliche Probleme wie Realitätsverlust oder Selbstfindung behandelt werden.
Wir erzählen das aus der Sicht der guten und der bösen Seite. Letztere stellt für uns eben dieses Konservative, nicht Weiterdenkende, diese Blockierende dar. Klingt vielleicht ein bisschen pauschal gesagt und klischeehaft, wie ein übers Kniebrechen von Rollenbildern, aber so ist es im Prinzip. Der Mensch muss einfach lernen weiterzudenken und über seine eigenen Barrieren zu springen bzw. aufhören anderen Menschen Barrieren in den Weg zu legen. Das muss weggeschafft werden. Asylpolitik ist da z.B. ein großes Thema.

Inwieweit hast dich du als Songwriter mit den neuen Asylgesetzten, welche ja im Jänner 2010 in Kraft treten werden, auseinander gesetzt? Wie ist generell deine Meinung zum Umgang mit Asylanten oder Immigranten in Österreich?

M: Ich beschäftige mich sicherlich nicht so viel damit wie ein Sozialarbeiter, der in diesem Bereich zu tun hat, der über jede Novelle genau wissen muss, aber ich haben mit Sozialarbeitern gesprochen, mit Asylwerbern und mit Leuten die damit zu tun haben. Ich habe mir ein Bild gemacht. Je nachdem von welchem Blickwinkel du das betrachtest, stellen sich halt immer wieder neue Probleme. Unterm Strich ist es so, dass die Asylwerber nur einreichen und warten können. Sie werden die ganze Zeit im Ungewissen gelassen, wissen nicht ob sie da bleiben können, ob sie zurückgeschickt werden, wo vielleicht sogar der Tod auf sie wartet.
Es muss halt echt ein System entwickelt werden das wirklich gut funktioniert, damit die Leute die nach Österreich kommen und unsere Hilfe brauchen diese auch bekommen.

Jetzt gibt es in Österreich die Frau Ute Bock, knapp 70, ein Aushängeschild, mit der man sich schmückt, die mit Preisen überschüttet wird. Im selben Moment sind 60% der Leute, die sie betreut nicht mehr in der Mindestversorgung. Weder sie noch diese Menschen bekommen vom Staat Unterstützung. Es kann doch nicht sein, Gesetz hin oder her, dass ein Staat wie Österreich, dem es ja nicht schlecht geht, da nicht eine Vorreiterrolle übernimmt und diesen Menschen ein menschenwürdiges Dasein schafft. Warum glaubst du ist das Thema Ausländer bzw. Asylwerber so negativ in so vielen Köpfen verankert, vor was haben die Menschen Angst?

P: Ich glaube Xenophobie ist grundsätzlich menschlich, man hat Angst vor etwas das fremd ist, die Frage ist nur, wie man es umsetzt. In der Öffentlichkeit ist das aber leider so, dass durch Wahlergebnisse die rechtspopulistische Parteien in den letzten 20 Jahren enorm aufgeholt haben, es da einen Grundstrom in unserer Gesellschaft gibt. Aber warum das so ist....? Ich kann mir jetzt nicht anmaßen ein System vorzuschlagen, wo alle miteinander gut können.
Wir sind ein reiches Land, die Generationen vor uns haben das alles aufgebaut, waren immer auf Sicherheit bedacht, Geld verdienen, Wirtschaft aufbauen, und haben einfach Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird. Wenn ich mit Leuten aus dieser Generation rede bekomme ich genau das als Antwort. Die Leute denken sich wahrscheinlich oft: „Die sind selber schuld, wir haben uns auch alles wieder aufgebaut nach dem Krieg, wieso haben die das nicht geschafft? Pech gehabt!"
Vielleicht ist das der Ursprung des Übels!?
M: Da gibt's 1000 Gründe. Ich will da mal über den Tellerrand Österreich hinausschauen. Es gibt ja viele Länder in Europa wo das wirklich ganz mies ist. Da ist Österreich wahrscheinlich sogar noch eher im Mittelfeld, das weiß ich nicht so genau.
Dieses Ding namens Integration sehen die Leute immer so an, als ob sie sich Fremdkörper in deren sozioökologisches System holen würden. Genau das soll es aber ja gerade nicht sein. Integration soll ein Miteinander sein, dass Menschen die schon länger da sind auch von der Kultur der anderen lernen können. Es sollte auf Wechselspiel aufbauen. In anderen Ländern funktioniert das viel besser als in Österreich. Es ist irrsinnig schwer in Österreich Anschluss zu finden, einfach, weil der Österreicher für sich gerne nur unter sich ist, also nur in seiner Gruppe. Ich weiß nicht woher das kommt. In sonnigeren Staaten gibt's sonnigere Gemüter und die Menschen sind auch viel warmherziger. Italien ist zwar auch wärmer, aber naja....das ist ein anderes Kapitel, man kann das nicht generalisieren.

Hier kommt wohl der oft besagte Raunzer in den ÖsterreicherInnen zum Vorschein. Das macht auch vor dem Politikapparat nicht halt, welcher, sogar der von Deutschland mit Entsetzen begutachteten Moslemhetze der FPÖ, keinen Riegel vorschiebt. In Österreich fällt das unter Normalität. „Politiker der anderen Parteien heißen das zwar nicht gut, aber so richtig aufstehen und dagegen etwas unternehmen, das macht auch keiner. Man müsste klar sagen, dass das einfach nicht geht, und Punkt!", so Martin weiter.
Das Problem ist halt, das man Parteipolitik in Österreich nicht wirklich ernst nehmen kann, dass es sich um das reinste Kasperltheater handelt, die Puppen allerdings fungieren, weil wir ihnen die Macht dazu geben. Diese Leute machen unsere Gesetzte und wir nehmen das auch noch anstandslos hin, obwohl sie weit davon entfernt sind, auf einen Konsens in der Bevölkerung zu treffen. Es fehlt an der breiter gefächerten Sicht der wahren Dinge, es fehlt am Mut den Mund aufzumachen. Die Bequemlichkeit steckt allerdings so sehr in uns Österreichern drin, ist für viele das „No Go" wenn es darum geht, sich zu öffnen.
„Ich bin eh dafür, dass es denen gut geht, dass andere Leute herkommen, aber aufstehen oder sich vielleicht sogar anfreunden, puhh, da wird schon wieder zu viel verlangt" - in diese Richtung geht leider unser Temperament.

Im Parlament...

...wird ja oft und gerne nächtelang diskutiert ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Das Thema Asylpolitik, Menschenrechte und Integration würde uns das natürlich auch erlauben, unser Ziel ist es aber, überhaupt einmal wieder das Bewusstseinsdenken der breiten Masse ein wenig anzukurbeln.
Die Menschenrechte wurden 1948 niedergeschrieben und sollten eigentlich den Leitfaden im Umgang mit Menschen darstellen. Ob das wirklich so ist, ob sie einem überhaupt jemals zu Ohren gekommen sind und welche Verletzungen einem genau dieser im nächsten Umfeld einfallen, das wollen wir nun ein wenig hinterleuchten.
Ich habe Quizkarten gebastelt und die unterschiedlichsten Menschenrechte darauf gekritzelt. Sowohl Martin als auch Philipp hab ich gebeten Karten zu ziehen, und sie nach einem ihnen bekannten Verstoß des gezogenen Menschenrechts befragt.

Karte #1: Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft oder des Landes verwiesen werden.

M: Ist halt die Frage nach der Willkür. Was ist willkürlich und was nicht? Wahrscheinlich hast du das in jedem europäischen Land. Einen Grund finde ich mir leicht wenn ich will.

Ein Beispiel. Es ist zehn Jahre her seit der Operation Spring. Damals wurden definitiv Menschen ohne Grund, ohne wirkliche Beweislast festgehalten und eingesperrt. Es gab 120 Prozesse, genau so viele Schuldsprüche und das mit jeweils der Höchststrafe. Da passt die Karte ganz gut die du gehoben hast. Was glaubst du, hat sich in den letzten zehn Jahre geändert?

M: Es hat sich nicht viel geändert. Als Polizei hat man es leicht. Man nimmt jemanden fest und findet irgendetwas. Jeder Mensch hat „Dreck am Stecken" und plötzlich haben sie auch schon einen Beweis für was weiß ich was. Plötzlich taucht halt irgendetwas auf.

Karte #2: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

M: Da sind wir ja eh wieder in Österreich oder Europa. Amerika ist aber genauso. Es sind ja eh meist die Länder in die keiner hin will anders, im Prinzip.
Eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung bekommt man ja. Also leider nicht immer, aber oft, auch in Österreich. Das ist vielleicht nicht so in Italien oder in Kärnten und dann wird man vielleicht doch nach Traiskirchen geschickt, weil´s halt nicht mehr in Kärnten liegt, aber prinzipiell gibt es das...
Es muss einfach jedem einleuchten, das das ja alles seine Legitimität hat. Menschen nehmen einen wirklich harten Weg auf sich um in die Festung Europa zu gelangen. Die Leute kommen, weil sie Angst haben zu sterben, die höchste Gefahr, wenn man verfolgt wird. Jetzt stelle man sich einmal vor, wie arg man drauf sein muss, um sich z.B. in ein Nussschalenboot zu setzten und übers Meer zu fahren, wenn einem eh nicht der Tod bevorstehen würde im eigenen Land...

Karte #3: Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit dieses alleine oder in Gemeinschaft, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

P: Da fällt mir einiges ein. Religion war immer schon ein großes Thema warum Kriege angefangen wurden. Am Balkan ist es um Religion gegangen, im Zweiten Weltkrieg war Religion ein Deckmantel für Ermordung, etc.....
Ein bisschen aktueller vielleicht, die Sache mit den Kreuzen in den Klassenzimmern. Da wird quasi aufdoktriniert, dass das christliche Zeichen an der Wand hängt, weil´s eben offiziell unsere Staatsreligion ist. Meine Meinung zu den Kreuzen ist, dass jeder Mensch der in der Klasse sitzt, ein Recht hat sein religiöses Zeichen aufzuhängen. Ich find es nicht richtig, dass in einer Zeit wie heute gesagt wird: „Wir haben eine Religion, das ist das Christentum, das Kreuz bleibt dort hängen"
Auch das Minarettverbot ist vollkommen lächerlich, schon im Generellen, wenn man sich den Menschenrechtsartikel anschaut aber noch viel mehr. Es werden Probleme gesucht.
Viele Menschen sehen das als Bedrohung und als Machtsymbol von einer anderen Gemeinschaft. Warum, weiß ich nicht. Es ist halt echt Xenophobie.

Gibt's in der Band Mitglieder mit Migrationshintergrund, oder jemanden, der/die dieses System am eigenen Leib verspürt hat?

P: In näherer Umgebung der Band gibt es drei Personen. P., der aus dem ehemaligen Jugoslawien gekommen ist. Er ist plötzlich, von einem Tag auf den anderen, in der zweiten Volksschulklasse neben mir gesessen. Er hat die Sprache von der Pike auf lernen müssen, hat kein Wort Deutsch gesprochen als er gekommen ist und hat sich super integriert.
S., unser Ex-Trompeter. Seine Eltern waren aus Tschechien und waren vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, also im Regime, sogar für zwei oder drei Jahre im Gefängnis. Beides Personen mit Hochschulabschluss und einfach nur, weil sie woanders bessere Chancen gesehen haben, einfach nicht mehr im Kommunismus leben wollten.
Und dann N. Er hilft gerade als Substitut aus. Auch er ist aus dem ehemaligen Jugoslawien, von ihm weiß ich aber nicht viel. Es ist natürlich ganz dramatisch wenn deine Freunde so einen furchtbaren Hintergrund und eine so schwierige Vergangenheit haben. Dann merkt man erst wie schwerwiegend das ist, deine Freunde zwischen Leben und Tod gewandelt und glücklicherweise eben in ein Land kamen, wo nicht so menschenunwürdige Gesetzte an der Tagesordnung sind , es kein Regime oder Krieg gibt. Das berührt einen persönlich.

Das Interview führte Thomas Zettel und erschien zuerst auf www.fm5.at.
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