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Bunny Lake: Last Days of Disco

Mit ihrem neuen Album erkunden Bunny Lake das weite Feld des Pop. Euphorische Glanzlichter und melancholische Schattengewächse treten sich dezent auf den Schlips.
von Ursula Winterauer, erschienen auf thegap.at

Bunny Lake verstehen das Spiel mit der Mode und Inszenierungen wie kaum eine andere Band in Österreich. Schillernde Bühnenoutfits, choreografierte Tanzeinlagen, eine feine, zelebrierte Liveshow und professionelles, mediales Auftreten - sich in klassischer Popmanier widerspiegelnde Kunstfiguren verschleiern die Wirklichkeit.

Fremd- und Eigenwahrnehmung driften allerdings auseinander. Keineswegs möchten Christian Fuchs und Suzy On The Rocks, die vordergründig Bunny Lake repräsentieren, von Oberflächlichkeiten überschattet werden. Style sei kein Kalkül, sondern reflektiere lediglich ihre eigene Persönlichkeit. Etwas widersprüchlich erscheint hier insofern auch die Titelwahl ihrer neuen Platte: „The Beautiful Fall" verweist direkt auf die verschwenderische Welt der Mode, ist der Name doch einem Buch entlehnt, das den Verfall rund um Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent in den 70er Jahren aufrollt. Ein Verfall, der durch Dekadenz und Obsession herbeigeführt wurde, Themen, die auch in Bunny Lakes Musik eine große Rolle spielen. Dennoch soll das neue Album einen kleinen Imagewandel vollziehen, neu erlangte Ernsthaftigkeit transportieren und so die Außenwahrnehmung ins rechte Licht rücken.

Wollte man beim letzten Album „Church Of Bunny Lake" noch Raum für den gediegenen Dancefloor-Exzess bieten und eine Religion für Anhänger des brachialen und simplen Technosounds ins Leben rufen, soll „The Beautiful Fall" nun durch Zurückhaltung glänzen. Die hitzigen, sexuell aufgeladenen Tracks weichen vergleichsweise zarteren, sehnsuchtserfüllten Tönen. Die eingängigen Refrains und Beats bleiben, doch immer mit auffallendem Hang zum flüchtigen Elektropop und weg von den fiebrigen Clubsounds. Mit der ersten Singleauskopplung „Into The Future" präsentieren Bunny Lake ihre neu entdeckte romantische Ader und zudem einen ordentlichen Ohrwurm. Verspielter denn je sind die Songs und feiern sich selbst als leidenschaftliche Reinkarnationen ihrer Vorgänger. Durch die hintergründigen Drahtzieher der Band, Produzent Bernd Heinrauch und Österreichs Technoaushängeschild Christopher Just, der in New York an den notwendigen Schräubchen dreht, erhalten die Sounds ihren letzten Schliff. So weit so gut. Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Ein Geschmack von Beliebigkeit greift um sich. Die Intentionen sind vielleicht die richtigen, doch verhält es sich ähnlich wie mit Daniel Kehlmanns Romanen. Die Konsumation ist anfangs recht eindrucksvoll, doch bleibt zum Schluss irgendwie nichts übrig.

The Gap traf Christian Fuchs und Theresa „Suzy On The Rocks" Rotschopf zum gemütlichen Plausch im einem gediegenen Wiener Kaffeehaus.

Eure neue Platte ist rockiger, romantischer als die Vorgängeralben. Hat sich im Songwriting für euch vieles verändert?

TR: Für mich persönlich ist der größte Unterschied, dass ich bei der neuen Platte aktiv mitkomponiert habe, was bei den früheren Alben nicht in diesem Ausmaß passiert ist. Die romantische Ader, die Mädchenader, wenn man so will, geht von Christian aus, nicht von mir.

CF: Das Bandmädchen bin immer ich, auch in der Lebenspraxis manchmal. Man kann die Stereotypen bei uns aber nicht festmachen. Ich find es sehr interessant, dass es in der künstlerischen Praxis ganz anders abläuft als die Leute glauben. Theresa hat in der Musik einen sehr experimentellen Zug, den die Leute von Außen aber verschärft mir zuordnen. Ich bin dagegen ein sehr klassischer Songschreiber.

Christian, du hast mal gesagt, dass ihr als Band meistens in verschiedenen Wohnzimmern agiert?

CF: Es ist immer noch ein Wohnzimmer, aber eines, in dem wir zu dritt herumbasteln. Diese Situation war für uns neu. Dadurch ist es lebendiger geworden. Die weniger steifen Arrangements und das Fließen der Songs sind sicher durch diese Situation entstanden. Bernd Heidenreich ist ein extrem guter Musiker. Wir haben ihm Ideen vorgesungen und er hat dann gleich mitgespielt.

Das Augenmerk liegt bei euch mehr auf der Ästhetik der Songs, der Text steht im Hintergrund?

CF: Es gibt Textideen, Fragmente. Die nehme ich mit ins Studio und dann probieren wir herum. Ich habe keine Botschaften oder Stories in dem Sinn zu erzählen. Aber was mir wichtig ist, ist dieser Bruch zwischen Text und Musik. Wie bei einem Film, der oberflächlich besehen vor allem spannend und dramatisch ist, aber dann doch Tiefe besitzt. Wir sind nicht die lustige Disco-Kombo und im Gegenzug gibt es die „anspruchsvollen" Singer-/Songwriter. Das ist so ein Eck, in das man reingedrängt wird. Wir haben oft dieselben Inhalte wie „ernsthafte" Songwriterbands; aber halt mehr Beats.

TR: Bessere Beats! (lacht)

Mit euren Beats habt ihr auch den diesjährigen Amadeus Award in der Kategorie Electronic/Dance abräumen können ...

CF: Die Amadeus Awards wurden ja völlig umgestaltet und die Kategorie gab‘s zum ersten Mal. Früher hätte unsere Musik nur zum FM4 Award gepasst und als jemand, der dort arbeitet, war es mir verboten, daran teilzunehmen.

TR: Das Absurde ist, dass wir ja immer schon das Gleiche machen. Dann kommt so etwas wie der Amadeus Award - was großartig ist - und plötzlich interessiert sich die große Öffentlichkeit für uns. Sogar meine Oma ist jetzt stolz darauf, dass ich Musik mache.

Warum habt ihr euch aber dennoch gegen eine Dankesrede entschieden?

TR: Das war meine diktatorische Stimme im Hintergrund. Mein Spitzname ist nicht umsonst Terror-Resi. Ich wollte einfach keine peinlichen Dankesreden halten oder hören. Man hätte natürlich vielen Menschen danken können, aber ich dachte, es ist ehrlicher und für mich schlüssiger, wenn ich denen in die Augen schauen kann, wenn ich Danke sage.

Wie wichtig ist Style für euch und eure Musik? Eng verbunden, untrennbar?

TR: Insofern eng verbunden, weil wir das als Personen sind. Das war schon vor der Musik da. Das ist ein Teil von uns, aber hat mit der Band eigentlich nichts zu tun. Das ist eine Missinterpretation, die mir dann schnell mal auf den Wecker gegangen ist.

CF: Das Problem ist, dass man von Außen immer nur einen Aspekt wahrnimmt, das ist oft sehr direkt und oberflächlich. Wir versuchen, auch um den Preis dadurch schwieriger vermarktbar zu sein, möglichst viele Aspekte unserer Personen unterzubringen. Auf der Bühne lebt man eben einen Teil davon aus. Bei Konzerten finde ich das Ritual des Kleidungswechsels auch extrem reizvoll.

Eine Coverversion von Falcos „Ganz Wien" findet sich auch auf eurem neuen Album ...

TR: Eigentlich ist Falco zu covern etwas, das man lieber nicht macht. Aus einer Laune heraus habe ich dann vorgeschlagen „Ganz Wien" zu covern, neu aufzurollen - die Nummer ist ja immer noch sehr aktuell. Ich tu mir aber hart, den Song live zu spielen, weil das für mich so irrsinnig heilig ist und es mir schwerfällt, in einem Moment der Euphorie als Zugabe am Ende des Konzerts noch schnell diese Nummer zu bringen.

CF: Wir hatten bis jetzt auf jedem Album eine Coverversion, die gewissermaßen ein Statement war. Als Theresa mit dem Vorschlag „Ganz Wien" kam, war ich begeistert. Da passte plötzlich alles zusammen. Das Wien der 80er Jahre und das von heute ähneln sich ja sehr stark in der Stimmung, euphorisch und desolat zugleich. Der Song bringt genau das auf den Punkt.

„The Beautiful Fall" von Bunny Lake erscheint am 19. März via Universal. Am 24.3. geht im Wiener Flex die Release Sause über die Bühne.

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