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Save the Night: Moonbootica

Nicht mehr ganz so frisch (2009), aber nichts desto Trotz ist "Save the Night" das aktuelle Mixtape-Album der Hamburger mit den Riesenfüßen. Am 17. Juli präsentieren Eristoff Tracks Moonbootica in der poolbar-Halle und mit dabei sicherlich das eine oder andere selbstgebastelte oder geremixte Stück der aktuellen Platte, die der Redaktion sowie den LerserInnen von laut.de zu gefallen scheint:

Die Nacht ist gerettet, der Tag danach am Arsch.
Review von Karim Chughtai

"Hello you, welcome, it's good to have you here, we need you, you and us, together, we all have to: save the night, save the night, save the night.".

Indeep stellten mit ihrem Hit "Last night a DJ saved my life" bereits vor gut 15 Jahren fest, nicht nur Superhelden können Leben retten, auch dem Abendunterhalter kommt diese Funktion zu. Heute geht es zwar nicht um Leben und Tod, dafür steht nichts weniger als die Rettung der Nacht auf dem Spiel.

Kurz vor ihrem zehnjährigen Jubiläum definieren die Hamburger Party-Garanten Moonbootica den Titel ihrer Mix-Compilation neu, mit einer Mischung aus Selbstverpflichtung und Appell zugleich. Sektempfang zum Jahrestag war gestern, heute wird geraved.

Warum auch nicht?! Das Resümee der letzten Dekade, so groß wie die nach ihnen benannten Treter. Bei einem Booking kommt in Veranstalterkreisen, statt üblichen finanziellen Sorgen, eher die Frage auf ob das Gemäuer des Austragungsortes der Besucherzahl standhalte, derart bedingungslos, treu und sicher folgen die Heerscharen Kowe und Tobi.

Als Doppel-CD präsentiert jetzt das Duo was sie musikalisch auszeichnet: Party, Stilvielfalt, Stilsicherheit! Für die Vollversorgung des Publikums lädt CD 1 zuerst zur knarzenden Peaktime ein, während die folgenden 75 Minuten zum verspielteren, perkussiveren, musikalischen Hakenschlagen auffordern.

Viele eigene Stücke und Remixe zieren dabei das Happy-Hour-Massaker in raviger Electroclash-Vollendung. Trägt ein Song nicht das Warenzeichen der Moonbootica-Schmiede, gestalten auserwählte Gäste die Spielzeit mit.

Aus dem Hamburger Umfeld featured das Duo Bearbeitungen aufsteigender Kollegen wie Fukkk Offf oder Saint Pauli, für Berlin tritt Exploited Labelchef Shir Khan an. Jenseits der Landesgrenzen erfreuen sich Englands neuer Pop-Punk-Shootingstar und Freeland-Produzent Alex Metric als auch Stockholms Elektro-Banger Dada Life über ihre Nominierungen.

Nach der Nennung dieser Künstler bleiben keine Zweifel offen, CD 1 schöpft sich aus bratzeligem Electro. Bässe knarzen, Synthesizer röhren, Gitarren schrammen, Fiepser lockern das dunkle Rave-Gewitter auf, Noize verleiht den Produktionen wiederum einen Antischliff für mehr Rohheit und Herzblut. Das Ganze sorgfältig gemixt, Tracks nicht zu kurz, nicht zu lange, in einem schönen Aufbau ohne den Spannungsbogen der Prime Time überzustrapazieren.

Leider speisen sich viele der Tracks vom selben Bass-Sound, den jeder Protagonist der Szene in den letzten zwei Jahren bestimmt schon einmal zu oft verwendete. Klare Sound-Inflation des Genres. Die Übergänge werden dadurch sicherlich glatter als Ärsche in Windelwerbungen, jedoch haftet den Songs im Gesamten dieses monotone Klanggebilde als einziges Negativkriterium an.

Nach der Pflicht folgt die Kür. "We still have to save the night, save the night, save the night...". Klickernd, ohne strikt auf die Mütze zu zielen, ziehen bouncende House-Pferde die Beat-Kutsche der Fortsetzung weiter. Weitaus minimaler, trotzdem weitaus verspielter und in unendliche Geräuschflächen verflochten, breitet sich der erweiterte Klangteppich aus wie Party-Beschwörungsformeln im Voodoo-Lager. Rituell anmutende Stimmfetzen mit afrikanischen Rhythmusstrukturen machen die Austreibung des Daywalker-Dämons perfekt. Zur Zeremonie laden hier Marcin Czubala, Lemos, die Turntablerocker oder Franc Spangler.

Heimgehen will noch lange niemand. Bevor die Nacht tatsächlich gerettet scheint eröffnet Moonbootica den gebührenden Happy End Soundtrack aus Electrohouse und Discoverwandtem für den edlen Schutzpatron der Dunkelheit. Tensnakes großartiger Remix von The Faint und Aeroplanes Bearbeitung von "Circuit" lassen dem zufriedengestellten Besucher nun bestimmt keine Wünsche mehr offen.

Die Nacht ist sicherlich gerettet, dafür dürfte der Tag danach mit großer Sicherheit am Arsch sein, wenn das Gastspiel von Kowe und Tobi so klingt. Das Hamburger Duo batscht über die 150 Minuten Spielzeit ein tolles, dramaturgisch nahezu perfektes Set hin, pflegt den Hang zum musikalischen Exzess, genauso wie zum aufgelockerten Groove bis schließlich alles in einem melodisch, lieblichen Finale endet.

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