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Bone of my Bones

2009 erschien das aktuelle Album "Bone of my Bones" von Ebony Bones, was wir aufgrund des wenig fortgeschrittenen Jahres 2010 mal verzeihen wollen. Gefallen hat's der Redaktion von laut.de:


Das spaßbringendste Debüt des Jahres. Bitte hypen Sie jetzt!

Review von Matthias Manthe

Was ist denn jetzt los? Hat der Hype in der London Underground den Anschlusszug Richtung Umsatzkapriolen verpasst? Äußerst merkwürdig jedenfalls, dass weder die Dauerrotation in Zane Lowes Kultsendung auf BBC Radio 1 noch Auftritte mit Juliette Lewis und Basement Jaxx sowie der Titel "Spannendster Act auf dem SXSW 2009" den Dammbruch auf Amazon.de, co.uk oder com auslösten. weiterlesen

Da verkauft eine schwarze Londonerin, ohne eine einzige Single veröffentlicht zu haben, reihenweise US-Venues aus, wird 2008 gar als Britin zu einem "Obama for America"-Konzert nach New York eingeladen - trotzdem vergisst zunächst sogar die Plattenfirma, uns zeitnah mit "Bone Of My Bones" zu versorgen. Seit Tagen sitze ich kopfschüttelnd vor dem Rechner und frage mich, wieso dieser auf Compact Disc implodierte Regenbogen einen Monat nach Verkaufsstart noch immer auf den hinteren Charträngen logiert.

So viele Stile bevölkern ihren Erstling, es gliche einem Akt von Artenschutz, Ebony Thomas, Schauspielerin, Kostümdesignerin, Songwriterin und selbstermächtigte Produzentin, unter die Käseglocke zu stecken. Von der 24-Jährigen in der Ablehnung kontemporären R&Bs sowie klassischer Lebensentwürfe als ein "höchst verwegenes Album" bezeichnet, referiert ihr polymorpher Sound zu gleichen Teilen auf Disco und Postpunk, auf Cowbells-Funk, aktuelle Dance Music und exaltierte Samba-Rhythmen.

Er integriert auch Miami Bass-Elemente, Indiegitarren, brodelnde Subbässe und vor allem anderem eine Stimme, die sich könnerhaft am Soul abarbeitet. Ebony Thomas, die schon aufgrund ihres blondierten Riesenafros eigentlich nicht übersehen werden kann, fasst ihr beeindruckendes Genre-Sammelsurium lakonisch als "punk approach to pop" zusammen.

Woher nun das Selbstbewusstsein rührt, sowohl das gesamte musikalische Konzept von der Idee bis zum Endprodukt als auch das farbenpralle Image als Dorothy im Reich des Zauberers von Oz selbst zu entwerfen, erklärt sie wie folgt: "Musik war ein Weg, den Fesseln der Gesellschaft zu entkommen, mich frei zu fühlen, anstatt die Beine übereinanderzuschlagen und zu lächeln."

Als Vorbilder benennt sie wegweisende Künstlerinnen wie Björk und Grace Jones. Insbesondere die Wave-Königin stand mit ihrer exaltierten weiblichen Stärke sicher ideologisch Pate für den vorliegenden Konfettiregen. Musikalisch vergleichbar grenzüberschreitend und doch innerhalb des Pop-Kosmos agierte zuletzt nur Santigold. Drum muss als einende Klammer für die Songs das Gefühl herhalten.

Ein Gespür für Aufbruchsstimmung, ein wilder Befreiungsschlag gegen jedwede Restriktion und eine wache Sicht auf Feminismus und politische Schieflagen (siehe die Referenz auf die fälschliche Erschießung von Jean Charles de Menezes in "Story of St.Ockwell") bilden die Input-Kanäle. Auf der Output-Seite gelingt diesem Ein-Frau-Go! Team, dieser Kelis für DFA1979-Freunde, das vielleicht autonomste und zugleich spaßbringendste Debüt des Jahres. Bitte hypen Sie jetzt.

Ebony Bones am 3. Juli beim poolbar-Festival.

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