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The Hidden Cameras in Wien

Großes Bühnenspektakel, Gogo- Tänzer, Queer-Folk vom Feinsten. Die Hidden Cameras haben sich konzerttechnisch bereits einen Namen gemacht. Gut, dass man trotzdem immer wieder überrascht wird.
von Ruth Unger

So auch am 11. April im Wiener WUK. Eröffnet wird mit "Origin: Orphan", dem Titeltrack des neuen und gleichnamigen Albums - erstaunlich ruhig und unspektakulär, böse Zungen würden sagen: glatt. Auch die folgenden Songs steigern sich in ihrer Performance kaum.

Ohne Altersbeschränkung

Erst nach und nach wird man auf gewisse Details aufmerksam: Bei genauerem Hinsehen liefern sich Bass und Violine ein schauspielerisches Duell, die Spieler umkreisen einander, treten gegeneinander an, kämpfen um Oberhand, um einander schließlich zu umschmeicheln. Und so wird die gesamte Gruppe auf der Bühne nach und nach - auch für die hinteren Reihen - sichtbar zur energetischen Schauspielgruppe. Statt den zum Tanzen animierenden Gogo-Tänzern, die der Bühnenshow eher einen „Freigegeben ab 18"- Touch verleihen, gibt es diesmal „Hüpf-Hüpf-Freeze-Hüpf" und gemeinsames Figurenmachen inklusive Pantomime aller Bandmitglieder. Der Frontmann Joel Gibb, der Kopf der Hidden Cameras, hat wie immer die Zügel in der Hand und es scheint, als wäre dieses Konzert die Aufführung einer Kinder-Schauspielgruppe - mit besonderer musikalischer Gabe versteht sich - unter seiner Leitung. Doch auch mit dem Publikum wird „Hände auf den Mund, die Augen, die Ohren und in die Höh'" getanzt.

Ohren auf, Augen auf

Die Show zeigt Wirkung. Die lustigen, lächelnden, enthusiastischen Bandmitglieder umhüllen in eine leichte, ja kinderleichte Traumwelt ohne die Verhaltensregeln des Erwachsenseins. Bei genauerem Überlegen muss das ziemlich anstrengend sein - habe Spaß auf der Bühne, sei spontan, lächle und lass dir nicht anmerken, dass du dies fast jeden Tag der Tournee leistest. Doch wem es keinen Spaß macht, muss ja nicht bleiben - abgesehen von Joel Gibb unterstützen nämlich ständig wechselnde Musiker die Truppe, und auch die Größe der Gruppe wandelt sich ständig. Zehn Bandmitglieder kann man diesmal im WUK zählen, die jedoch nicht immer alle auf der Bühne zu sehen sind.

Auch hat Gibb ein bestimmtes Repertoire an Künstlern an unterschiedlichen Orten, die dann in ihrem jeweiligen Land dazu stoßen und seiner Show eine heimelige Note verleihen. Verkrampften Perfektionismus kann man Gibb so gesehen nicht vorwerfen. Im Gegenteil, er bringt so manchem Bandmitglied schon mal ein Instrument einfach selbst bei, sodass es auf der Bühne mitwirken kann. Diesmal begleitet eine Musikerin die Tournee, die bei einzelnen Songs ein wenig zu den Klanghölzern, und noch weniger zum Glockenspiel greift, ansonsten aber - bis auf ihre strahlende Präsenz - keine Aufgabe zu haben scheint.

Hold me close in the Na

Die Cameras-Konzerte liebt man, oder nicht. Diesmal war es ein federleichtes, spielerisch-kindliches, fröhliches Spektakel. Von jemandem, der sich darauf nicht einlassen will, bekommt man schon mal einen Kommentar über das „Clowngleiche Herumgehopse" zu hören. Das Publikum hat es insgesamt jedoch mehr als sichtbar genossen, hat ausgelassen mitgetanzt und sich nicht umsonst drei Zugaben erklatscht, in denen es in den ersten Reihen auch Musiker zum Anfassen gab.

Der Text ist erschienen auf fm5.at.

The Hidden Cameras ym 16.7. beim poolbar-Festival!
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