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Fagget Fairys: Feed the Horse!

Pferde füttern wollen die zwei Däninnen, die derzeit Kopenhagens Clublandschaft aufmischen. Immer noch so geheim, dass sich auf laut.de noch keine Biografie zu den zwei Elfen findet. Allerdings eine Rezension des "Feed the Horse" getauften Albums, dessen gleichnamige Single auch hierzulande die Tanzbeine auf Hochtouren hält.

Schwule Feen geben dem Pferdchen Zucker.
Review von Karim Chughtai

Vergiss schwule Mädchen, die schwulen Feen kommen! MC Ena und DJ Sensimilla, auch bekannt als die Fagget Fairys, gelten derzeit als die Underground-Helden Kopenhagens. Strategische Provokation und kein Hehl um ihr Privatleben regeln dabei den Hype um das skandinavische DJ- und Produzentenduo, das gleichzeitig auch als Liebespaar vereint ist.

Ihr Debüt "Feed The Horse" findet in der Blogosphäre besonders für sein musikalisches Potpourri Anerkennung. Grime, Rap, Baile Funk und Balkan Beats vereinen sich hier zum akustischen Brennpunkt, der Vorbildfunktionen von Peaches, M.I.A., Yo! Majesty, Salt'n'Pepa oder Lady Sovereign schnell entlarvt.

Klingt als angebliche Sound-Innovation zuerst doch eher abgedroschen. Allerdings bieten die guten Feen durchaus einige Neukreationen. Balkan-Baile-Hybride mit teilweise bosnischen Raps bilden die Pfeiler im elektronischen Albumfundament. Grammy Award-Gewinner Rasmus Bille Baenche, der bereits Elton John oder die Backstreet Boys feinschliff, verpasst der Platte dazu noch die nötige Kragenweite, um auch abseits des Balkans gefeiert zu werden.

Die gleichnamige Auskopplung "Feed The Horse" sticht durch melodische Bleeps, eine wummernde Bassline auf der Pirsch und freizügige Lyrics aus der Tracklist heraus ("Feed the horse, yum yum"... "I like my girlies spicy hot, I want to lick them from the top"): elektronisch, clubtauglich, dynamisch, Ohrwurm-Charakter.

Ähnlich kommt die Ode an das Heilkraut "Mary Jane" daher. Ein Weed-Lover-Song im Booty Bass-Paper eingerollt, der zwar nach vorne geht, wieder schön wobbelt, aber leicht platt wirkt. "Gimme herb, gimme spice, gimme everything you like" - unter solch kindischen Provo-Versuchen leidet das Debüt. Schließlich hat Peaches die Messlatte für Anzüglichkeiten bereits für alle Zeiten gesetzt und Cypress Hill ihren Status als DIE Überkiffer längst inne.

Spannend dagegen präsentieren sich Ena und Sensimilla in "Negori". Ein Song, der im ehemaligen Jugoslawien aufbaut, bis er sich schließlich klangästhetisch der New Yorker Ostküste annähert. Derartige Gratwanderungen liegen den Feen. Moderne Clubmusik mit Einflüssen aus der Zigeunermusik entfachen das Feuer auf der Tanzfläche. Tuba, Mundharmonika, Streicher, Bläser, ein solider Beat aus dem Drum-Computer, Basslines aus dem Hause England, dazu englische und bosnische Raps, dass man sein Schnapsglas gern unbekümmert hinter sich wirft.

Alles in allem trotz mancher Plattheit ein gutes und vor allem interessantes Debüt. Die Sprachbarriere entpuppt nicht unbedingt jeden Rappart als poetische Lyrik, und eventuell liegt genau hier der gesuchte Tiefgang von "Feed The Horse". Die englischen Gehversuche lassen allerdings eher nicht darauf schließen.

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