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These New Puritans wollen Krieg

Wir wollen Krieg!
von Fabian Schmid

Das erste große neue Ding des Jahres kommt (natürlich) aus England, heißt These New Puritans und überzeugt mit einer bombastischen Kampfansage an zu oft Gehörtes.

Zwei Minuten dauert "Time Xone", die erste Nummer und gewissermaßen Ouvertüre des Albums, welches mit "We Want War", einer siebenminütigen Hymne für (uns?) Indie-Krieger des 21. Jahrhunderts, seinen ersten Höhepunkt findet.

Jaja, der postmoderne Pop

Es klingt nach Electronic, ist eigentlich moderne Klassik; ein Hauch von Industrial liegt ebenfalls in der Luft. Ein bisschen könnte man meinen, die Klaxons und The XX herauszuhören, beziehungsweise deren Idee extrem auf die Spitze gebracht und weit weniger poppig umgesetzt. Es ist dieser postmoderne Pop, der sich in den letzten Jahren unklar abzeichnet und noch nicht ganz definiert werden kann.
Was zeichnet Hidden, das zweite Album der britischen Band, also aus? Einerseits sind die Beats ziemlich mächtig, klingen fast nach Electro à la Simian Mobile Disco, andererseits herrscht die gesamte Platte über eine enorme Disziplin vor. Jeder Ton ist präzise genau so gewollt.

Das Geräusch vom Einschlagen eines Kopfs

Und ebendiese Töne entstehen nicht einfach durch Gitarre, Bass, Klavier und Schlagzeug, sondern durch exotische Instrumente: Schulchöre, einem Blech- und Holzbläserensemble oder Melonen. „Wir haben Wassermelonen mit Crackern beklebt und dann mit dem Hammer zerschmettert, um das Geräusch vom Einschlagen eines Kopfs nachzuahmen", erklärt Bandleader Jack Barnett.

Wie kommt man auf solche Ideen? Inspiration dafür war laut Band die Foley-Technik, benannt nach Jack Foley, einem Pionier im Bereich des Klangfilms; der z.B. herausfand, wie man Donner oder eine Autofahrt auf Blechsteinasphalt nachahmt. „Ich fand schon immer, dass Soundtracks eine besonders scharfe, fast kantige Qualität haben, die man nicht immer auf CDs hinbekommt. Das war genau das, was wir brauchten", meint Barnett dazu.

Nicht weiter verwunderlich, dass auch die Kompositionen an sich sehr ausgetüftelt und komplex klingen. Ein leichtes Album ist das keines. Einzig "Hologram" klingt fröhlich-beschwingt, fast nach Grizzley Bear oder Animal Collective.

Schwer verdaulich

Den Großteil des Albums beherrschen aber schwere, düstere Nummern; Kriegsmärsche fast. Choräle, Stimmeffekte, backmasking, japanisches Schlagwerk -alles vorhanden. Barnetts Vocals sind dabei mehr Teil des Gesamtbilds als wirklich führend.

Beeindruckend ist Hidden dabei auf jeden Fall. These New Puritans' Anspruch, das, was viele junge Menschen unter Klassik verstehen, etwas von den allzu bekannten 08/15-Geigen des Poprocks oder R'n'Bs, auf eine avantgardistischere, intellektuellere Richtung zu lenken, wird auf jeden Fall erfüllt. Man darf gespannt sein, wie dieses Album beim Publikum ankommt.

Die Rezension erschien auf fm5.at.

These New Puritans am 15. Juli beim poolbar-Festival!

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