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Kommando Elefant im Interview

Der Elefant als süßes Viech
von Linda Schürer-Waldheim


Im Vorfeld ihrer CD Präsentation verrieten Kommando Elefant wie authentisch es sich anfühlt nicht gezwungen kritisch zu wirken. Und welchen Einfluss die Wiener Beislkultur auf das musikalische Duo hat.

FM5: Erklärt ihr mir den Rummel, der hier herrscht? Ich habe noch nie so viele Kleintransporter in der Einfahrt vom Wiener B72 gesehen.

Alf: Die Show heute Abend wird in alle Länder dieser Welt übertragen. (lacht)
Luis: Wir haben von unserer Videoproduktion schon viel Aufwand, aber heute haben wir noch ein Fernsehproduktionsteam an die Angel gesetzt bekommen damit das Ganze ins Fernsehen übertragen wird.
Alf: Und via Live-Stream ins Internet.

Kommen wir zu euren Anfängen: Wieso der Elefant? Es hätte doch genauso gut ein Affe oder Seeigel sein können. Wie es zur Namensfindung kam, ist leicht nachzulesen. Aber der Elefant...

Alf: Da gibt es nicht so viel zu sagen. Das war eine intuitive, spontane Eingebung.
Luis: Das ist doch ein süßes Viech. Ein wenig plump und unbeholfen.
Alf: Es gibt auch so viele Assoziationen: der Elefant im Porzellanladen, der indische Elefant...
Luis: Auf der einen Seite ist der Elefant zum Knuddeln als Stofftier, auf der anderen Seite ist er gefährlich.

„Protestkultur" trifft als Schlagwort auf euch ganz gut zu wie ich finde. Was verbindet euch konkret mit der Unibrennt-Initiative?

Alf: Konkret finde ich es einmal wichtig, dass solche Dinge passieren und wir beide auch dafür sind. Zudem haben die Leute bei uns angefragt, ob wir nicht spielen wollen.
Luis: Es ist auch noch nicht so lange her, dass wir von der Uni runter sind. Wir wissen, was da schon lange schief läuft und dass es an der Zeit war, dass wer auf den Tisch haut.
Alf: Ich finde es auch gut mit dem Vehikel Musik nicht per se politische Lieder zu machen, sondern für die Sachen sich einzusetzen und seine Stimme dafür herzugeben, die man als politisch richtig empfindet.

Ihr habt euch mal dazu geäußert, dass es peinlich ist, gezwungen objektiv zu wirken. Kann man auch peinlich sein, wenn man gezwungen kritisch wirkt?

Luis: Es gibt zwei Seiten. Zum einen wird es peinlich, wenn man etwas gezwungen macht. Wenn man aber so authentisch ist, wie man nun mal ist und andere ernsthafteste Lieder als lustig und ironisch empfinden, dann passiert schon etwas auf einer zweiten Schiene. Das Ganze ist nicht konzeptuell, es passiert einfach so. Auf der anderen Seite finde ich Peinlichkeit auch wieder ganz nett. Es gibt viel zu wenige Leute, die Peinlichkeit ehrlich zugeben.
Alf: Es ist auch wichtig darüber lachen zu können und nicht alles ganz penibel ernst zu nehmen. Wenn man Blödsinn gemacht hat, ist das auch nichts Schlechtes.

Empfindet ihr beispielsweise den Protest Song Contest als gezwungen kritisch?

Luis: Wir haben auch schon mal beim Protest Song Contest mit Kommando Elefant mitgemacht, damals haben wir einfach ad hoc etwas hingeschickt. Aber jetzt speziell etwas für den Contest hinzuzimmern - das würde nicht funktionieren, weil der Protest bereits in uns drinnen ist.
Alf: Die Veranstaltung hat sich in den letzten Jahren etwas verändert, auch von der Qualität der Bands.

Würdest du den Protest Song Contest mit einer beliebig anderen Castingshow in Vergleich setzen?

Alf: Ehrlich gesagt weiß ich nicht wie relevant der Protest Song Contest ist.
Luis: Ich habe mir die Finale der letzten Jahre angesehen und viel persönliche Erinnerung ist dabei nicht geblieben.
Alf: Es ist ja so, dass man sich das Publikum erspielen muss. FM4-Airplay ist sicherlich relevant dafür, ebenso wahrscheinlich auch der Protest Song Contest. Aber das muss alles Schritt für Schritt erfolgen und erst wenn die Leute deinen Auftritt als super einstufen, kann was weitergehen.

Ihr lebt bereits längere Zeit in Wien. Was für ein Verhältnis habt ihr zu dieser Stadt?

Luis: Ein sehr lebendiges und positives Verhältnis. Ich habe Wien doch sehr gerne und mag diese Verschrobenheit und dieses Kleinliche. Ich mag es, wenn ich im Ausland war, in der Schnellbahn vom Flughafen sitze und ich jemanden motschkern höre. Und auch kulturell ist in den letzten Jahren viel passiert - ich finde Wien eigentlich sehr spannend.
Alf: Schön ist auch an Wien, wenn du in ein Beisl krachst und kuriose Sachen erlebst, über die man tausend Songs schreiben kann. Das Kuriositätenkabinett Wien! Zum Leben finde ich diese Stadt total gut.

Wie ist dann euer Song "Wien frisst" zu verstehen? Darin heißt es: „Wien frisst seine Kinder auf".

Luis: Es ist so: Wien kostet schon eine Menge Energie und Kraft, aber das ist ja nichts Schlechtes. Alles was gut ist und in das man reininvestieren muss, kostet einfach Energie. Und ich empfinde es nicht als schlecht wenn Wien ein wenig knabbert... (lacht) Eigentlich ist "Wien frisst" als durchaus positiv zu verstehen. Es hat dann auch so einen Beisl-Alkohol-Touch, dass Wien ein wenig besoffen und schief daherkommt. (lacht)

Bleiben wir gleich bei eurem aktuellen Album Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben. Zum Song "In all den Jahren" gibt es eine Kooperation mit Stimmgewitter Augustin, die auch im Video mitwirken, das am Schwedenplatz gedreht wurde. Wie kam es dazu?

Alf: Wie es zu dieser Kooperation kam, kann man nicht so genau sagen. Wir kennen Stimmgewitter Augustin schon längere Zeit und man geht miteinander was trinken und man versteht sich immer besser und sagt eines Tages: „Machen wir mal etwas". Wir hatten dann diesen Song, doch mit Stimmgewitter Augstin ist dieses Lied von der Energie her tausend Mal anders. Und der Schwedenplatz hat sich als Wien-Symbol ergeben. Wir sind auch beim Videodreh mit den Leuten in einem Beisl am Schwedenplatz abgehangen und es wurde einfach zu so einem stimmungsvollen Gesamtbild.

Die Herrschaften von Stimmgewitter Augustin unterstützen euch auch auf der Bühne. Nur zu diesem einen Song?

Luis: Stimmgewitter Augstin spielen jetzt bei "In all den Jahren" nicht mit, denn es gibt noch ein zweites Lied, das "Highway der Schmerzen" heißt. Das ist das Abschlusslied der CD und wir werden es auch als Abschluss des Konzertes mit ihnen gemeinsam präsentieren.

Und noch jemand unterstützt euch live: Pixelkino sorgen für die Visuals bei euren Konzerten. Was bekommt der Zuhörer bei euren Auftritt dabei zu sehen?

Alf: Es ist einfach eine visuelle Umsetzung unserer Musik und das ist zu einer wichtigen Komponente geworden, wenn mehr optisch geboten wird als nur unser Gfries.
Luis: Es sind sehr viele stimmungsvolle Bilder, die von Song zu Song abhängig sind.
Alf: Man muss dazu sagen, dass Pixelkino professionell Visuals macht und sich die Leute dahinter sehr kreativ über uns Gedanken machen und auch in Richtung Video mit uns zusammenarbeiten.

Habt ihr künstlerischen Einfluss auf die Visuals?

Luis: Das war eigentlich noch nie notwendig. Es hat von Anfang an super gepasst. Sie zeigen uns, was sie gemacht haben und wir sagen darauf hin nur: „Wow, das hätten wir nicht besser machen können!"

Es ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass ihr auf Peter Hein von den Fehlfarben angesprochen werdet, mit dem ihr freundschaftlich sehr verbunden seid. Er und andere Musiker - beispielsweise Sven Regener von Element of Crime - sind ebenso erfolgreiche Buchautoren. Wäre das Genre Literatur auch für euch vorstellbar? Immerhin betreibt ihr einen interessanten Blog...

Luis: Es gibt bereits Kontakte, da wir für den Wiener Milena Verlag auf der Leipziger Buchmesse aufgetreten sind. Es gibt auf jeden Fall die Überlegung zur nächsten Platte ein Buch zu machen, so dass zu jedem Song Geschichten dabei sind. Also nicht rein ein Buch, das wäre uns zu fad, sondern zur Platte dazu, wo er und ich was dazu schreiben.
Alf: Also nicht gemeinsam, sondern getrennt von einander.
Luis: Du machst die Nobelpreisliteratur...
Alf: ...und du bekommst den Pornoaward! (lachen)

Kommando Elefant am 10. August als Support von Wir sind Helden beim poolbar-Festival!

Das Interview erschien auf fm5.at.

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