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Superheld des Elektropop-Wirbelsturms

von Andreas Gstettner

"The Hurricane" ist das Ende einer Trilogie und zugleich Neugeburt des musikalischen Superhelden Toph Taylor aka Trouble Over Tokyo. Exklusiv zu hören bei einer FM4 Radiosession.

Es gibt immer noch Platten, die mit den ersten Tönen einen Nerv treffen. Sei es der, der längst vergessene Melancholie auslöst oder imstande ist die akustisch zugemüllten Ohren endlich wieder aufzumachen . Dazu braucht der englische Sänger und "Indielektro AngstPop" Komponist Toph Taylor alias Trouble Over Tokyo einzig seine zerbrechliche, eindringliche Stimme und spärliche Klavierklänge.

Drei Jahre sind vergangen, seit der gebürtige Londoner mit seinem Album "Pyramides" in Österreich für Aufsehen sorgte. Damals hängte sich der begnadete Sänger und Songschreiber schon zum zweiten Mal sein cape um und lieferte sich einen unerbittlichen Kampf mit den bösen Mächten der musikalischen Langeweile und Durchschnittlichkeit. Als wirkungsvolle Waffe diente ihm dabei sein eigenwillig arrangierter und dicht verwobener Sound. Der schlussendliche Sieg wurde zuerst auf dem österreichischen Label Schönwetter Schallplatten gefeiert, ein Jahr später schloss sich die ganze Welt mit Klein Records an.

Müde und abgekämpft zog sich der Superheld der vertrackten Töne zurück, wissend, dass der große Showdown noch bevorstand. Dieser vermeintlichen Ruhe folgt jetzt mit "The Hurricane" das große Finale, die letzte Metamorphose, bei der aus dem Superhelden ein strahlendes und vor allem menschliches Wesen wird.

Knochen und Kryptonit

Der erste Song "Bones" legt gleich zu Beginn das magische Knochengerüst des unwiderstehlichen Sounds von Trouble Over Tokyo frei. Leise schleicht sich die innere Getriebenheit der musikalischen Suche sowie die ununterdrückbare Dringlichkeit des eigenwilligen Ausdrucks ein. Sanfte Chöre über reduzierten Klavierakkorden bäumen sich mit Schlagzeug und Synthesizern und verhallten Klangflächen zu einem ersten Soundorkan auf, der abrupt sein Ende findet. Ohne große Pause baut sich die unruhig flirrende, komplexe und doch eingängige Single "Sleepwalker" auf, die vor allem durch virtuose Gitarren- und Keyboardlinien besticht.

Auch wenn die mit Streichersamples und frechen Synthies polierte Popperle "Kryptonite" den Superman-Klangarchitekten der Harmoniebögen zum Vorschein bringt, geht es auf The Hurricane mehr um die Verwandlung zum "gewöhnlichen", befreiten Individuum. Und das mit einem ausgefeilten, ungewöhnlich frischen, teils komplexen Soundgeflecht. Toph Taylor zieht hier all seine kompositorischen Register, lässt sein musikalisches Wissen unaufdringlich einfließen und seinem Gespür für Melodie wie auch seinen Gefühlen freien Lauf. Denn nicht nur in der Musikerkarriere des Engländers wütete zwischenzeitlich der Wirbelsturm. Das etwas getragene und sehr emotionale "The Blood" legt nahe, dass auch in seiner privaten Welt heftige Windböen dem jungen Musiker fast die Bodenhaftung entzogen.

Im Auge des Wirbelsturms

Ein derart heftiger Orkan bringt jedoch nicht nur Zerstörung, er zwingt uns auch, vertraute Orte zu verlassen und macht damit Raum und Platz für Neues. So wird The Hurricane nicht im sicheren Schlafzimmer produziert, sondern in einem "richtigen" Studio, was man der Platte auch sofort anhört.

Mit trockenem Drummachine-Beat zieht der magnetische Sturm des Titeltracks „The Hurrican" herauf, der uns mit seinem dichten Gitarrennoisenebel einhüllt. Mit elfengleicher Stimme leitet uns Toph Tylor ins Auge des wilden Elektro-Hurrikans, nur um uns kurz darauf wieder in dem großartig tosenden Soundorkan zu stoßen. Angetrieben durch einen schnellen, aber sanften Rhythmus ziehen wir in "Wanderer" anschließend in eine mit wundervollen Soundteppichen ausgelegte Klanglandschaft, die immer wieder in viele, kleine Sampelsplitter zerbricht.

Dabei kommt auch der Popappeal nicht zu kurz. Das beweisen das impulsive, kantige "Operate" mit seinem verzerrten Synth-Bass, dem gesampleten Kindergeschrei und dem spannungsgeladenen Refrain, der alle Elemente des Songs zusammenführt. Und da wäre noch das federleichte Dreiminutenstück "Eject", ein fast schon fröhlicher Uptempo-Dancesong, der sich sofort in der wohlig warmwerdenden Magengrube einnistet. Genau dort, wo sich das Zentrum des wundervollen Sehnsuchtsgefühls befindet. Und wenn am Ende zu Streichern und Glockenspiel im Blitzlichtgewitter der Erinnerungen alte, vergilbte Fotos ausgegraben werden, dann möchte man unter keinen Umständen wieder aus der traumhaften, weitläufigen Klangwelt von Trouble Over Tokyo auftauchen, sondern sich von diesem musikalischen und emotionalen Wirbelsturm weiter forttragen lassen, mit nächstem Halt FM4 Radiosession, wo bereits die komplette Band und ein Streichquartett warten.

50x2 Tickets für Trouble over Tokyo

Trouble Over Tokyo tritt mit einem Streichquartett auf und präsentiert den FM4 HörerInnen exklusiv sein neues Album "The Hurricane".

Wir verlosen insgesamt 100 Tickets für die FM4 Radio Session am 19. September 2010 im RadioKulturhaus (Argentinierstraße 30a, 1040 Wien)!

Dafür müsst ihr nur eine kleine Aufgabe bewältigen: Der größte Troublemaker der Filmgeschichte Tokios ist das Monster Godzilla. Wir hätten von euch jetzt gerne eine künstlerische Darstellung (Zeichnung, Bastelei, Foto etc.) von Godzilla, wie er in Tokio wütet.

Schick dein Kunstwerk an game.fm4@orf.at. Einsendeschluss ist der 16. September um 12 Uhr.

Ein Mitschnitt dieser FM4 Radio Session wird am 14.10. in der FM4 Homebase Parade ab 19:00 zu hören sein, außerdem wird ein Videostream der Session 7 Tage lang online zu sehen sein.

Erschienen auf fm4.orf.at.
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