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Illbilly The K.I.T.T.: Eigenwerbung

Normalerweise ist es ja nicht meine Art Eigenwerbung zu machen. Nur, diesmal möchte ich eine Ausnahme tun und mir selbst den Bauch pinseln. Es erscheint nämlich demnächst ein Buch von mir. Wenn ich nicht vergesse, füge ich nähere Infos (Titel, Verlag, Preis, Erscheinungstermin, Präsentation, Lesungen), kursiv ganz ans Ende der heutigen Kolumne. Hiermit sei meine Tätigkeit als Marketingmuschi und PR-Pimmel in eigener Sache vorerst beendet. Mehrmals zu unterstreichen, wie großartig ich doch nicht bin und wie noch großartiger die in meinem ersten Buch versammelten Kleinode, zu dem nähere Infos (Titel, Verlag, Preis, Erscheinungstermin, Präsentation, Lesungen) noch folgen - natürlich nur sofern ich es nicht vergesse - nähme nämlich hier wertvolle Zeilen weg und trüge wenig bis gar nicht zu etwaigen Erheiterungsgefühlen oder seelischer Erbauung bei.

Mehr /fun/ verspricht da schon die Veröffentlichung einer von mir zusammengestellten Liste von 100 Tabus, an denen einmal kräftig gerührt werden müsste. Allerdings muss ich gestehen, dass die Liste streckenweise ihre Schwächen hat und einer ordentlichen Überarbeitung bedarf. Denn gefühlsmäßig gibt es nur wenige Menschen, in denen die Aufforderung bei hitzigen Debatten, die beiden französischen Intellektuellen Alain Badiou und Pierre Bourdieu zu einem frankophilosophischen /Mashup/ zu verbinden, Begeisterungsstürme auslöst. „Geilomat! Alain Bodieu, Pierre Bardiou, mich beutelt es gerade in alle Windrichtungen vor lauter Lachen. Ich muss sofort das erste Buch dieses begnadeten Kolumnisten kaufen. Hoffentlich vergisst dieser verrückte Gockel nicht nähere Infos (Titel, Verlag, Preis, Erscheinungstermin, Präsentation, Lesungen) folgen zu lassen!", wird da kaum jemand enthusiastisch rausbrüllen.

Da ist es wohl sinnvoller, geschmacklose Witze über Steve Jobs Bauchspeicheldrüsenkrebs zu reißen, oder wenigstens das iPad ein wenig zu /bashen/. Ich durfte so ein Ding ja testen und konnte der Versuchung nicht widerstehen, den Touchscreen mit meinem Pimperl zu bedienen. Das funktioniert, macht aber Schlieren und ist insgesamt jetzt nicht ganz so prickelnd. Obwohl ich gerne mal kleine Ausflüge in die Objektophilie mache und vor allem Gegenstände aus dem Hause Apple sexuell auflade, wollte der Funken nicht überspringen. Einzig das Runterladen des PDF meines ersten Buches, von dem hier nicht vergessen werden darf, dass nähere Infos (Titel, Verlag, Preis, Erscheinungstermin, Präsentation, Lesungen) unbedingt noch folgen müssen, hat mir Freude bereitet und so etwas Ähnliches wie eine Erektion beschert. Nur wohin damit? Ein iPad kann man jetzt echt nicht super ficken. Auch weil es ob seiner Bedienungsfreundlichkeit in mir so merkwürdige Geriatrie-Bilder evoziert. Nöle, popöle, da widme ich mich lieber meiner ersten längeren Auftragsarbeit. Man trägt ja in letzter Zeit immer wieder Vorschläge an mich heran und so will man jetzt von mir, dass ich ein „frisches Drehbuch für eine leicht trashige, romantische Indie-Komödie mit Screwball-Einsprengseln und einer nicht alltäglichen Sexszene" schreibe. Häh? Genau, das dachte ich auch und verlangte eine absurd hohe Summe, wie ich es immer tue, wenn ich was machen soll, von dem ich nicht wirklich überzeugt bin, und schickte dann einen wirren Plot mit ganz viel Product-Placement an den Auftraggeber mit. Ungefähr geht es um folgendes:

Sie treffen sich zum ersten Mal in einer Tchibo-Filiale. /Ihn/, der eine gewisse Grundverwirrung mit ins Leben bringt und unter ständigen Rückenbeschwerden leidet, verschlägt es dorthin, weil er meint, dass Markensiegel „TCM", das auf den ganzen Produkten dort drauf geschrieben steht, bedeute „Traditionelle Chinesische Medizin". Welch Irrtum, welch Zufall, welch Glück! Denn da ist /Sie/. Eine gerade im Scheitern befindliche Singer-Songwriterin, die ein wenig so wirkt, als rieche sie immer unterm Arm und es mit regelmäßiger Genitalrasur auch nicht so genau nimmt. Ein wichtiger Aspekt, für die „nicht alltägliche Sexszene" in der /er/ von /ihr/ beim Schleckischleck einiges an Schamhaaren verschluckt und Tage später in einem völlig unpassenden Moment versehentlich hoch rülpst. Wie eine Katze, die Gras gefressen hat und einen Haarball rauswürgt. Wobei, das würde ich mir gerne noch mal überlegen. Fix im Plot ist, dass sie vor jedem Auftritt Ritalin schlucken muss, um beim Performen ihrer eigenen Songs nicht einzuschlafen. In die Tchibo-Filiale verschlug es sie, weil sie in einer Postwurfsendung gesehen hat, dass gerade ein Ultraschall-Distanzmessgerät feilgeboten wird. Sie will in Zukunft nämlich einen Bogen um die im eigenen Saft schmorende Indie-Szene ihrer Stadt machen. Ihre Blicke treffen sich. Da fällt ihre Umhängetasche runter. Und was purzelt da glatt raus? Genau, mein demnächst erscheinendes Buch. Ihn elektrisiert es. Hat er doch auch ein Exemplar davon in seiner Lastwagenplanentasche, die wohl auch ein Grund für seine Rückenschmerzen ist. Vor lauter verwirrter Aufregung denkt er nicht daran, dass es leicht wäre ins Gespräch mit ihr zu finden, wenn er jetzt einfach wichtige Infos (Titel, Verlag, Preis, Erscheinungstermin, Präsentation, Lesungen) folgen ließe. Irgendwie schafft er es auf anderem Wege. Dann beginnt ein klassisches Verwirrspiel mit einem saustarken Soundtrack, der - ganz gegen den Filmplot eigentlich - ein lebendiges Stück Indie-Kultur generiert. Nach einem retardierenden Moment knapp vor Ende, wo ein cooler Exfreund auftaucht und für ordentliche Aufregung sorgt, finden sie endlich zueinander und es gibt ein Happy End. Keine Rückenschmerzen für ihn, künstlerischer Erfolg für Sie. Hoffentlich hab ich jetzt nichts vergessen.

Erschienen auf thegap.at.
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