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All-Time-Favourites

Das Wann&Wo bat poolbar-Zugpferd Herwig Bauer um seine musikalischen All-Time-Favourites, worauf dieser spontan und ohne groß in der Schublade zu stöbern zehn Hits zusammentrug, die etwas älteren Datums sind aber immer noch regelmäßig über seine Boxen (oder Kopfhörer) laufen. MIt einem kleinen Vorwort:

Die Liste ist keine Werbung für das poolbar-Festival, wo ich immer wieder meine aktuellen Lieblingsbands erleben durfte und darf. Die Bands der ersten poolbar-Jahre - Tocotronic! Blumfeld! dEUS! HP Zinker! - sind für mich sowieso heilig und müssen im Zusammenhang mit meinen All-Time-Favoriten jedenfalls erwähnt werden. Außerdem meine ich, dass ich erst mit einiger zeitlicher Distanz wirklich sagen kann, welches Album mich tatsächlich berührt und prägt. Und sowieso: Zur Schul- und Studienzeit waren Musik und Erfahrungen im Leben immer sehr eng miteinander verbunden - das macht Songs für mich persönlich erst unsterblich.

Daher: Das ist keine Liste aktueller Kings of Hipness. Die kann sich ja sowieso jeder beim poolbar-Festival anschauen.

Leonard Cohen: „Songs of Leonard Cohen" ist sein 1967 veröffentlichtes Debütalbum. Aus tiefster Traurigkeit und brennendem Seelenschmerz kreiert er Oden an das einfache Glück und die ganz große Liebe. Wer bei "So Long, Marianne" nicht schmilzt, hat das Leben nicht verstanden.

Metallica: „Kill 'Em All" ist das 1983 erschienene erste Album der Metal-Helden. Ich habe es meinem Bruder damals als Vinyl-Doppelalbum geschenkt - und dann selber auf- und abgehört....so wie alle anderen frühen Alben der Band. OK, „Kill 'Em All" ist noch sehr, sehr roh, keine Vergleich mit der Intelligenz (ja!) von „And Justice for All", aber 1983 so was Hartes, Kraftvolles und v.a. (zumindest von mir damals) nie Gehörtes hinzuknallen, war für mich unfassbar. Ausgangspunkt für die Faszination für Metallica war für mich aber übrigens „Orion" (von „Master of Puppets"), das ich auch einem Mixtape des Bruders von Franz Amann - Danke! - gehört hatte.

• Kyuss: „Blues for the Red Sun". Ein permanentes Erdbeben, dreckig, laut, verächtlich. (Stonerrocker werden es als Sakrileg betrachten, wenn ich jetzt sage, dass Kyuss für mich auch irgendwie in dieser Liste Stellvertreter für dreckverliebte Bands wie Ministry („Filth Pig"), Nirvana („Bleach") und Sepultura („Roots") stehen. Das nehme ich gelassen. Selbst RATM kommt hier noch dazu - die Europa-Radio-Premiere von „Fistful of Steel" (1992) werde ich nie vergessen: Ich war in London, im Auto mit Leuten, die ich gerade kennen gelernt hatte, und der Radiomoderator war so was von begeistert vom Song, dass er ihn schreiend gleich nochmals spielte. Ich war sofort angesteckt.

• Shellac: "Live at Action Park". Eine Art Gegenentwurf zum Begriff „Härte", wie er im Mainstream verstanden wird. Slint, The Ex und all die Steve-Albini-Projekte sind verzweifelter, einsamer und gleichzeitig bzw. dadurch härter als all die „harten Jungs". Sehr reduziert und doch sehr komplex, Steigerungen, Tempowechsel, ruhige Passagen vor Noise-Eruptionen - Gequatsche. Es erscheint mir respektlos, Shellac in Worte fassen zu wollen.

• Portishead: "Dummy". Der Song "Wandering Star" hat mich im Erscheinungsjahr 1994 und 1995 nach langen, intensiven poolbar-Nächten mit tiefster Melancholie in die einsame Nacht entlassen. Das ganze Album ist schaurig-schön.

• Bonnie "Prince" Billy: "I See a Darkness" (1999). Den Titelsong habe ich in einem Club in Wien gehört, gleich nachgefragt und erfahren, dass er kurz darauf ein Konzert in der Stadt gibt - ich habe mir sofort alle Songs besorgt und sie verinnerlicht. Ehrfürchtig stand ich dann mit Freunden in Erwartung eines schmachtenden Weirdos vor der Bühne - und ein wilder Berserker zerschmetterte alle Erwartungen. Eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe.

• Ween: „Pure Guava". Stellvertretend für all die völlig verrückten Genies, die machen, was sie wollen, Humor haben und es nicht einmal für mutig halten, auf sämtliche Erwartungshaltungen einen großen Haufen zu platzieren. (Und wenn sie sich dann doch eine goldene Nase verdienen: toll, das spricht dafür, dass es Hoffnung gibt für das Gute in der Welt)

• Henryk Górecki „Already It Is Dusk" - Quasi una Fantasia" (gespielt vom Kronos Quartett): Es geht auch anders: Der polnische Komponist schafft eine unfassbar düstere, bedrohliche Atmosphäre. Schmerzhaft schräg, aufreibend.

• The Notwist: „12". (1995). Bahnbrechend, dass eine (auf hohem Niveau) Metal-Krach-machende Band eine derart neue, eigenständige Sprache entwickelt - schon immer war die zarte, zurückhaltende Stimme speziell, aber dass plötzlich experimentelle Frickelelektronik Einzug in das Notwist´sche Sounduniversum findet: wild! Und weltweit vorbildlich - selbst für Bands wie Radiohead. Bei der Gelegenheit schmuggle ich auch gleich „Kid A" von Radiohead in die Liste. Der Song "Idioteque" (2000) hat mein Leben verändert.

• Cream: „Disraeli Gears": Cream´s "Sunshine of Your Love" (1967) halte ich für ziemlich wegweisend. Die Band steht hier stellvertretend für all die alten Bands, die meine ersten "Musikjahre" prägten, auch wenn sie natürlich alle sehr unterschiedlich sind: Purple, Zeppelin, Hendrix, Bowie, Sabbath etc., aber auch die ganz frühen Status Quo oder Nazareth.

Na toll, und die ganzen Jugendhelden wie Smashing Pumpkins („Mellon Collie and the Infinite Sadness"), Sonic Youth („Dirty") und Girls vs. Boys („Venus Luxure No 1 Baby"), Red Hot Chili Peppers („Blood Sugar Sex Magic") haben jetzt gar keinen Platz mehr hier. Und - und - und! Ah!

 

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