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Navel: Neo Noir

Es grünt wieder im Alpennirvana.
Review von Erich Renz

Es grünt wieder im Alpennirvana. Zwischen Berg und tiefem Tal sitzen Navel mit ihrem neuen Album "Neonoir" und fügen sich willentlich zwischen die Polspitzen - und direkt ins Mittelmaß.

Auf dem Streifzug durch die Sparten von Blues, Rock und Garage setzen die Schweizer zwar Selbstinitiativen aus, machen dafür aber keinen Halt vor den Mahnmälern von Neil Young und Townes van Zandt.

Auf "Neonoir" gerät die lautmalerische Unterstützung der Songtitel (etwa "I Can't Feel A Thing") allenthalben zum gesamtkonzeptuellen Geschehen. Man kennt es: Gitarren ziepen, Signale zatschen, Stimmen zerren. Und alle Versuche, aus dem Raster auszubrechen, enden dann doch wieder mit dem Gang ins Eindimensionale.

Beschwingt und ungebremst geht es in "Speedbox" zu, einer sicher nicht beabsichtigten Hommage an den Black Rebel Motorcycle Club und ihr Aushängestück "Whatever Happened To My Rock'n'Roll". Der nahtlose Übergang von einem dieser beiden Songs in den anderen würde in keiner Kreisstadt-Indie-Disco auffallen. Auch an anderer Stelle geht die Suche nach dem musikalischen Zitat munter weiter.

Der programmatische Titel "Invisible" belegt quasi das Partisanentum. Denn selbst wenn das viel zitierte und eifrig von Jack White kopierte Slidegitarrenspiel die nächste Veteranenverneigung darstellen soll, wirkt es eher wie ein phlegmatisches Attest von Ideenmüdigkeit.

Dass die kritische Feder nicht mächtiger als das Navel'sche Schwert ist, muss man besonders dann eingestehen, wenn sich aus anfänglicher Verschrobenheit wie in "Black Days" gelungene Akkordprogressionen ergeben und die Band zeigen kann, dass sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen muss.

Wer am Ende der Platte vermutet, das Potenzial der Schweizer sei mit vierzehn Liedern ausgeschöpft, ist auf dem sogenannten Holzweg. Mit dem Hidden Track verraten Navel schließlich, dass man wieder mit ihnen und hoffentlich weniger Nonchalance auf einem neuen Album in dieser abschließenden Manier rechnen kann.

Erschienen auf laut.de

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