Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


Elektro Guzzi - Live P.A.

Techno Live Band
von Johannes Piller (thegap.at)


Ein simples Rezept: Gitarre, Bass und Schlagzeug. Dazu noch ein Prise Effekte und plötzlich erklingt Techno so dicht, formvollendet und direkt, als wäre es Maschinenmusik.

Elektro Guzzi waren vor ihrem Debüt den Szenekennern und üblichen Wiener Connaisseuren ein Begriff. Dann und wann spielten sie Konzerte und das Publikum staunte meist nicht schlecht, als sie dort Techno von echten Instrumenten, die von Menschen gespielt wurden, hörten. Als 2010 das Gerücht die Runde machte, dass Elektro Guzzi ein Album auf Stefan Goldmanns Label Macro veröffentlichen werden und Patrick Pulsinger die Finger mit im Spiel hat, war schon klar: Das wird einschlagen wie einst ein Komet in Yucatan. Umjubelt und gefeiert wurde das Debüt des Trios - bestehend aus den studierten Musikern Bernhard Hammer, Jakob Schneidewind und Bernhard Breuer - schon vorab. Konzerte in den Technotempeln Berghain und Fabric, beim Sonar und ein Stop in Japan trugen das in die Schaltstellen dieser Welt.

Elektro Guzzi - Live P.A.
Nach Jahren des Laptop-Muckertums und der Maschinenfuhrparks konnte man da ein Trio erleben, das Techno völlig analog und mit einer Direktheit präsentierte, als hätten sie die Matrix einfach überlistet. Die Mensch-Maschine von Kraftwerk wird von Elektro Guzzi auf den Kopf gestellt. Aufgenommen wurden die zehn Stücke in einem einzigen, langen Set mit Brendon »Octave« Harding, bekannt als Haus- und Hof-Engineer der Dub-Legende Lee »Scratch« Perry. Dieser fängt die Rohheit von Elektro Guzzi ein, ihr feines Zusammenspiel einer sparsamen Soundarchitektur, aus dem sich keine Stimme in den Vordergrund drängt, er bringt deren düsteren Grooves glasklar rüber und vermittelt sogar einen Hauch von Indie. Zunächst war das eingespielte Set nur für das britische Online-Portal Resident Advisor geplant. Dieses wurde nun von Patrick Pulsinger neu abgemischt und ist nun zum ersten Mal in voller Auflösung hörbar. Im Unterschied zum selbstbetitelten Debüt geht es hier viel mehr um die Performance. Die Exploration mit Bass, Gitarre und Drums soll weniger Soundforschung und rhythmische Patterns liefern, sondern die lupenreine Ästhetik ist voll tanzbar und dabei gleichzeitig sexy abstrakt. Was von hier aus noch alles möglich sein kann, ist kaum absehbar.

(8/10)

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren