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Kommando Elefant: He du - Action jetzt!

Wozu sollte eine Band heutzutage Zeit, Geld und Nerven in ein Musikvideo investieren, das sich sowieso kaum wer im Fernsehen ansieht? FM5 hat nachgefragt.

Die Ära der großen Musikvideos ist vorbei. Wer schaltet eigentlich noch den Fernseher ein, um sich die Mini-Kurzfilmversion eines Songs anzusehen? Nachdem MTV seit 2011 sein Dasein als gebührenpflichtiger Sender fristet und VIVA seine Zielgruppe von den Teenies auf chronisch Gelangweilte ausweitete, kann man spätestens ab jetzt behaupten: Musikfernsehen ist tot.
Und dennoch gehört es beinahe noch zur Pflicht einer jeden Band oder eines jeden Musikers ein Video anlässlich einer Singleauskopplung zu produzieren - ganz egal ob Major oder Indie. Doch wozu die ganzen Mühen? FM5 hat bei Bernhard Luis Pasching, Sänger und Keyboarder bei Kommando Elefant, nachgefragt.

Bauanleitung zum Partymachen

"Party Party. Party bis zum Untergang" nennt sich die neueste Single von Kommando Elefant aus dem 2010 erschienen Album Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben. Ebenso amüsant und unterhaltsam wie sich die Herrschaften auf der Bühne geben ist auch der Inhalt des Videos geworden. Die Idee dazu fischte Bernhard aus dem Internet, als er den Begriff „Informatikerparty" in die Suchmaske bei Google-Bilder eingab. „Ich habe für eine Party ein Foto gebraucht und wollte einen LAN-Witz visuell darstellen. Da kam ein Foto von vier Typen, die an einem Tisch sitzen, wirklich total beschissen aussehen und bescheuerte Hüte tragen. Es sieht wirklich aus wie die langweiligste Party, die man sich vorstellen kann." Umgesetzt wurde dieses Konzept mit Hilfe eines professionellen Produktionsteams unter der Leitung von Stefan Wurst von Pixelkino. Der Aufwand Seitens der Crew am Set sei enorm gewesen, sagt Bernhard, wobei die schauspielerische Leistung der Elefanten im Vergleich dazu erheblich kleiner ausfiel: „Anfangs sitzt du in einer Ecke, dir ist recht langweilig und auf einmal kommt jemand und sagt: ‚He du - jetzt Action!‘ Und dann lebst du für einen Moment auf und legst dich kurz darauf wieder schlafen", erzählt er. Und das ist dabei rausgekommen:


Videos für die eigene Sammlung?

Bernhard wirkt zufrieden - die Mühen haben sich gelohnt, die Rückmeldungen seien bislang äußerst positiv gewesen und das Video schaffte es auch die gotv-Charts. Aber ist das tatsächlich das angestrebte Ziel? Drehen die Indie-Bands hierzulande nur dem heimischen Musiksender gotv zu Liebe ein Video? Nein. Denn die Mehrheit der musikaffinen Menschen stöbert im Internet nach ihrem täglich Brot. Ob Youtube oder Facebook - es wird gezielt gesucht und gepostet, das weiß auch Bernhard: „Videoportale im Internet wie Youtube gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wenn man sich einen schnellen Eindruck von einer bestimmten Band machen möchte, sieht man sich ihre Videos auf Youtube an."
Ein weiterer - nicht unbedeutender Grund - Zeit, Geld und Nerven in die visuelle Umsetzung eines Musikstückes auf sich zu nehmen ist die Tatsache, dass die „Views" und „Likes" eines Videos mittlerweile recht entscheidend für einen Veranstalter sind, eine Band zu buchen. Gewöhnliche Performancevideos erzeugen oftmals nur mehr ein unterdrücktes Gähnen als dass sie die Popularität der Band steigern. Selbst wer nur über ein kleines Budget verfügt, aber mit viel Kreativität gesegnet ist, kann ein außergewöhnliches Musikvideo auf die Beine stellen.



Erschienen auf fm5.at. Von Linda Schürer-Waldheim.
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