Poolbar Blog

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poolbar ganz privat

Die Vorarlberger Nachrichten haben Herwig Bauer  - gemeinsam mit Heike Kaufmann ist er Geschäftsführer der poolbar GmbH - zur Geschichte und der aktuellen Entwicklung des Festivals befragt. Er verrät im Interview, wie er den Spagat zwischen Kultur und Wirtschaftlichkeit schafft, wie wichtig Sponsoren sind, und wie das poolbar-Festival immer am Puls der Zeit bleibt.

 

Sie sind vor 21 Jahren mit einer Kursreihe gestartet. Heute ist die Poolbar eine der größten Kulturveranstaltungen im Land. War der Erfolg absehbar?

Bauer: Es steckte damals eigentlich eine egoistische Ambition dahinter. Ich habe mich selbst künstlerisch betätigt und an verschiedenen Kursen teilgenommen. Da habe ich gedacht, so etwas könnte ich selber auch organisieren. Zum Festival hat es sich dann im Laufe der Zeit gewandelt. Bei vielen Dingen haben wir aus dem Bauch heraus agiert und das hat nach wie vor hohe Priorität. Man spürt, dass wir nicht im Auftrag der Gewinnmaximierung arbeiten. Wir machen Dinge, die uns selber auch gefallen.

http://poolbar.at/system/asset/filename/19630/herwig-bauer-poolbar-vn_by_lerch.jpgHerwig Bauer mit einem der neuen poolbar-Möbel. Das Konzept zur Neu-Nutzung der Becher wurde an der HTL Rankweil (Kolleg für Holztechnik und Innenraumgestaltung) von Student Thomas Nagel entwickelt. Fotos: Lerch

 

Inwieweit hat sich das Festival über die Jahre verändert?

Im ersten Jahr gab es eine Abendveranstaltung und in Folge ein Konzert. Da hat sich herausgestellt, dass das mehr Spaß macht als die Workshop-Sache. Wir haben verschiedene Varianten ausprobiert, wie man die Workshops anders gestalten kann und sind dann bei den Wettbewerben gelandet. Denn wir wollten das klassische Schüler-Lehrer-System durchbrechen und stattdessen Leute einladen, mitzugestalten. Diese Wettbewerbe sind nun die Methode, wie man das ursprüngliche Gedankengut der Workshops in eine passendere Variante umwandeln kann.

Bei der Poolbar gibt es einen Architekturwettbewerb, Musik, Kino und einen Ableger in Wien. Verzettelt man sich da nicht?

Eigentlich überhaupt nicht. Dass wir eine ganz große Bandbreite anbieten, war immer das Spezielle an der Poolbar. Wenn man zu uns kommt, wird man programmtechnisch mit viel Unerwartetem konfrontiert und auch beim Ambiente stößt man auf gute Gestaltung.

Verliert man bei der Planung nicht mit den Jahren das Gespür dafür, was ein junges Publikum will?

Wir haben das große Glück, dass wir nicht nur für das junge Publikum interessant sind, sondern auch junge Menschen im Team haben, mit denen wir uns absprechen. Man kann natürlich auch über die Medien selber verfolgen, was gerade angesagt ist, aber es ist immer gut und wichtig, dass man mit den Jungen direkt Kontakt hat und sich austauscht. Wir stimmen uns also mit dem personifizierten Puls der Zeit in Form von jungen Menschen ab.

 

Wie viel Zeit nimmt das Festival in Anspruch?

Jede verfügbare Sekunde. Parallel arbeite ich für einen Verlag in Wien, das ist allerdings eine sehr flexible Geschichte. In Zeiten wie jetzt ist der Anteil am Wien-Job quasi nicht vorhanden. Unterm Strich habe ich aber immer zu wenig Zeit.

Beim Festival treten Stars auf, überhaupt muss ein mehrwöchiges Festival finanziert werden. Welche Rolle spielen dabei Sponsorengelder?

Bauer: 18 Prozent sind öffentliche Förderungen, 32 Prozent Sponsoren, 30 Prozent Gastronomie-Einnahmen und 20 Prozent Ticket-Verkäufe. Wir haben das Glück, dass wir mittlerweile einen großen Namen haben. Wenn österreichweit agierende Unternehmen im Westen etwas suchen, stoßen sie auf uns, wenn es um ein junges Publikum geht. Das macht es leichter, aber dennoch ist es eine Wahnsinns-Arbeit. Denn der Leistung der Sponsoren muss eine zählbare Gegenleistung gegenüberstehen, sonst finden wir niemanden.

Sie sind inzwischen einer der größten Kulturveranstalter Vorarlbergs. Wie gehen Sie persönlich mit der wirtschaftlichen Verantwortung um?

Es ist immer das große Zittern, wenn der Steuerberater Heike und mir die Bilanz übermittelt, und man steht mächtig unter Druck. Momentan sind wir finanziell etwas ins Eck gedrängt, aber der Optimismus war und ist immer Teil unserer Grundeinstellung. Dieser ist nach wie vor ungebrochen und ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind, um uns finanziell auf soliden Füßen zu halten.

http://poolbar.at/system/asset/filename/19631/herwig-bauer-im-gespraech-mit-den-vn.jpgHerwig Bauer im Gespräch mit den VN in der HTL Rankweil. Hier werden gerade die Möbel fürs Festival gefertigt.

 

Müssen Sie künstlerisch Kompromisse eingehen um dem Anspruch an Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden?

Definitiv. Es wäre naiv zu glauben, es wäre nicht so. Es gibt viele Dinge, die wir gern hätten, aber die nicht leistbar sind. Gerade heuer haben wir ein Jahr, in dem wir das machen, was wir uns leisten können. Das bedeutet auch, dass wir anstelle von zwei Vorgruppen nur eine haben. Dabei geht es aber nicht nur um die Wirtschaftlichkeit, sondern auch darum, die Belastbarkeit des Teams in Grenzen zu halten. Denn nur wenn das Team mit Freude und Energie bei der Sache ist, funktioniert das Festival. Daher an dieser Stelle ein großes Dankeschön von Heike Kaufmann und mir an alle, die gemeinsam helfen, das Festival umzusetzen.

 

Der vollständige Artikel ist auf der Homepage der Vorarlberger Nachrichten nachzulesen.

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FM4 Amadeus Award 2014 goes to Bilderbuch

Das Geheimnis ist gelüftet: Letzte Woche wurden die Gewinner_innen der diesjährigen Amadeus Austrian Music Awards bekanntgegeben und die Trophäen bei einer fulminaten Show im Wiener Volkstheater vergeben. Unter den prämierten Acts finden sich auch Bilderbuch, die am 4. Juli das poolbar-Festival 2014 eröffnen werden.

 

In insgesamt 15 Kategorien wurden am 6. Mai die begehrten Trophäen, die Amadeus Awards, bei einer großen Gala im Wiener Volkstheater verliehen. Viele Künstler_innen und Bands strahlten über ihre gewonnen Preise, u.a. zählten auch Bilderbuch zu den Gewinner_innen des Abends, denn sie konnten in der Kategorie "FM4 Award" das Rennen für sich entscheiden und performten ihre Hit-Single "Maschin" auch live vor Publikum, das ihnen mit Standing Ovations zu ihrem Preis gratulierte.

http://poolbar.at/system/asset/filename/19448/bilderbuch-amadeus_2014.jpg

and the Amadeus goes to ...

Auch das restliche Show-Programm punktete mit tollen Live-Acts, hohem Unterhaltungswert und prominenten Laudatoren, wie HIER in der Videoaufzeichnung zu sehen ist: LINK

 

Bilderbuch werden am 4. Juli 2014 bei der Eröffnung des diesjährigen poolbar-Festivals im Alten Hallenbad in Feldkirch auftreten. Tickets HIER

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Vice launcht Noisey Alps

Nach zahlreichen Ankündigungen macht Vice Media sein unter Noisey publiziertes Musikprogramm nun auch für Österreich und die Schweiz offiziell auf - der Start von Noisey Alps wird u.a. mit einer großen Party in Wien gefeiert.

 

Das Verhältnis von Vice Germany und Vice Austria ist ja legendär schlecht. Da ist es nur konsequent, dass man die internationalen Struktur von Vice – mittlerweile gibt es ja einige Submarken, für News, Schlägersport, Tech oder Mode – auch so nachbaut, wie man sich in den einzelnen Ländern aufgestellt hat. Also bekommt Österreich eine eigene Vice-Musikecke, einen Noisey Kanal, getrennt vom bereits bestehenden Noisey Germany. Seit Anfang 2014 wird Noisey Österreich konsequent aufgebaut, gelauncht wurde das neue Musikportal Anfang März. 

Dadurch kann die fröhlich polternde, nationale Szene nur profitieren. Nachdem sich in den letzten Jahren viele gedruckte Musikmagazine schleichend verabschiedeten und sich eigentlich keine bleibenden Blogs etabliert haben, kommt mit Noisey nun ein Meinnungsmultiplikator nach Österreich, der einigermassen unabhängig mit einem eigenem Blickwinkel und einer eigenen Sprache über Musik berichten wird (nur einigermassen unabhängig, weil Vice eben auch eine Agentur ist, die Acts bezahlterweise vermarktet und dafür dann praktischerweise auch gleich die glaubhafte Medienpower im eigenen Haus hat). Unterm Strich bedeutet das wieder mehr Vielfalt, mehr unterschiedliche Ansätze, die der cooleren Musik hierzulande dabei nur gut tun können. Und genau dafür wird es bei Noisey ein ehrliches Interesse geben.

Natürlich werden nebenbei auch so wie bei Vice Austria internationale, englische Artikel angeliefert werden, die dann übersetzt und ausgespielt werden. Man wird dort gut an internationale Kampagnen angebunden sein. Ätzereien gegen den Kanal wird es genauso geben. Das ist bei Vice so, das ist bei The Gap so, und sogar bei Volume, das gehört dazu. Musik ist eben etwas Höchstpersönliches. Da lässt sich niemand gern in die Suppe spucken. Und Noice und Visey tun das ja besonders gern. Wenn sie nicht gerade Haftbefehl hypen.

http://noisey.vice.com/alps/

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Erika Kronabitter - Nora. X.

Erika Kronabitter ist österreichische Schriftstellerin und Künstlerin mit Lebensschwerpunkt Feldkirch und leitet (gemeinsam mit der Band Sofa Surfers) bei der Workshopreihe poolbar/generator den Workshop "Text". Wir stellen ihren 2013 erschienenen Roman "Nora. X." vor.
 
 
Erika Kronabitter, geboren 1959 in Hartberg/Steiermark, arbeitet nach ihren Studien der Germanistik, Vergleichenden Literaturwissenschaft und Kunst- geschichte interdisziplinär in den Bereichen Literatur und Kunst und lebt seit 1965 als Autorin und bildende Künstlerin in Feldkirch.
Sie hat zahlreiche Preise erhalten, unter anderem den Theodor-Körner-Förderungs- preis (2001) und den Prosapreis Brixen/Hall (2001). Neben "Nora. X." sind einige ihrer weiteren Veröffentlichungen die Romane "Mona Liza" (2007) und "Viktor" (2009) und der Lyrikband "Einen Herzschlag nur bist du entfernt" (2010). Sie ist außerdem Initiatorin und Organisatorin des Feldkircher Lyrikpreises.
 
http://poolbar.at/system/asset/filename/18173/Erika_Kronabitter_Portrait.jpg
 
In dem zuletzt erschienenen Roman "Nora. X." erzählt Erika Kronabitter ihre mit "Mona Liza" begonnene und mit "Viktor" fortgeführte Familiengeschichte weiter. Dass sie auch Lyrik schreibt, lässt sich dabei nicht leugnen, die einzelnen Kapitel wirken teilweise wie immer neue Strophengebilde. Trotz dieses Potpourris an kapitelhaften Gedanken, Reflexionen und Erzählungen ist daraus ein Roman geworden.
 
Die Vorarlberger Autorin schreibt die Geschichte einer jungen Frau, die in Spanien landet, um mehr vom Leben zu haben, als es irgendwo an einem tristen Ort in Österreich möglich wäre. Bevor sich jedoch eine Klischeefalle auch nur auftun könnte, lässt Kronabitter die Szenerie kippen.
Nicht einer Schwermut der Romanfigur oder einer Belehrigkeit der Autorin ver- danken wir die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Landes, mit der Diktatur, mit Garcia Lorca – die Verweise auf ein Zeitkolorit, das Zitieren von frag- würdigen Behauptungen, an denen Menschen ihre Lebensentwürfe verankern, hat Methode. Bezüge zu den Figuren aus Kronabitters früheren Werken, wie "Mona Liza" und "Viktor", werden klar.
Mit der Erzählung von Nora und ihrem Bruder X rückt die Autorin die Loslösungs- thematik, das Hinterfragen des Fremdbestimmtseins in ein – auch formal – sprachlich spannendes Licht.
 
(Buchrezension von Christa Dietrich, 14. September 2013, Vorarlberger Nachrichten)
 
http://poolbar.at/system/asset/filename/18174/Kronabitter_NoraX_Cover.jpg
 
 
Liebe passiert, so wie einem ein Regentag passieren kann, genauso aber, wie die Wolken den Himmel passieren, vorüberziehen, zieht sie bei vielen wieder vorbei, passiert die Liebe den Lebensweg der Liebenden, ein Vorüberziehen, Vorbeigehen, man entlässt den Geliebten, lässt ihn los, lässt die Geliebte weiterziehen – im besten Falle ein glückliches Abschiednehmen. Jenen, die lebendig genug sind, ideenreich, beziehungsvoll oder was immer es ist, jenen gelingt es dann und wann und eher selten, die Liebe zum Bleiben zu animieren.
Es ist nicht leicht, junge Frau zu sein, denkt Nora. Die Mädchen träumen von Taylor Lautner und stellen ihre privaten Filme auf YouTube. Insgeheim träumt jede davon, ein Star zu werden. Die jungen Frauen essen Chicken Wings und Spicy Noodles, albern herum und necken sich. Die Liebe ist kein Irrtum. Sie ist lediglich kurzfristig. Manchmal kurzfristiger als angenommen. Kommt und geht. Die meisten glauben nur an das „kommt“.
 
Erika Kronebitter - Nora. X.
Roman, 184 Seiten.
2013, Limbus Verlag. Reihe Zeitgenossen.
 
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"Mut ist nur ein Anagramm von Glück"

Poetry Slam reloaded: Mit ihrem letztjährigen Auftritt bei einem Poetry Slam Wettbewerb in Bielefeld avanciert die Schauspielerin Julia Engelmann derzeit zu einer Internet-Sensation und trifft mit ihren wortgewandten Gedanken den Nerv der Zeit.

 

Eigentlich kennt man Julia Engelmann als Schauspielerin aus der Serie "Alles was zählt", doch seit kurzem macht sie in einer ganz anderen Rolle Furore. Die 21-jährige gebürtige Bremerin trat im vergangenen Mai 2013 beim "5. Hörsaal-Slam der Universität Bielefeld" an und präsentierte dort einen eigenen Text, der an Brisanz und Aktualität seither nicht verloren hat. Dass sie mit ihrem gesellschaftskritischen Rap den Zeitgeist einer ganzen Generation getroffen hat, zeigt sich daran, dass der Mitschnitt ihres Auftritts auf Youtube (erst jetzt bzw. noch immer!) boomt und zum ersten Internet-Phänomen 2014 zu werden vermag.

"Meine Liste ist so lang, aber ich werde eh nie alles schaffen – also fang ich gar nicht an. Stattdessen hänge ich planlos vorm Smartphone, warte bloß auf den nächsten Freitag."

In Anlehnung an das Lied "One Day / Reckoning Song" von Asaf Avidan ruft sie dazu auf, sich nicht der allgemeinen Lethargie hinzugeben, sondern sein Leben zu leben: "Lass uns möglichst viele Fehler machen und möglichst viel aus ihnen lernen."

Ihr großer Appell am Schluss der Rede: "Das Leben, das wir führen wollen, das können wir selber wählen – also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gerne erzählen, und eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein, und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind."

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poolbar reloaded 2013

Auch im neuen Jahr versorgt uns Radio Proton mit Rückblicken auf das vergangene poolbar-Festival und füttert euch fleißig mit Infos zum bevorstehenden Festival 2014 und dem neuen Projekt poolbar/generator.

Um euch dafür richtig in Stimmung zu bringen, lohnt es sich, das offizielle poolbar #20 Aftermovie anzusehen: Publikumsstimmung, Poetryslam-Einlagen, Konzertmitschnitte, Laufstegmode, Interviewsequenzen, Openair-Atmosphäre und jede Menge Diskolichter - was will man mehr!

 

Radio Proton sendet den großen Rückblick am

Donnerstag, 2. Jänner 2014
20 bis 22 Uhr
Radio Proton
radioproton.at

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poolbar-Festival #20: In Höchstform

Mit einem spektakulären Auftritt von Casper wurde das diesjährige poolbar-Festival im Alten Hallenbad in Feldkirch am Donnerstag, den 15. August beendet.
erschienen auf vol.at



Der deutsche Intelligenz-Rapper sorgte abschließend für eine volle Halle und einen hochkarätigen Ausklang der gut sechs Wochen dauernden Veranstaltung. Mit 166 Programmpunkten, vom Popkonzert über Filmabende bis zur Lesung, schaffte es das poolbar-Festival, seinem Credo “Kulturelles von Nischen bis Pop” gerecht zu werden. Über mehrere Wettbewerbe wurde zur Ideenfindung in den Bereichen Kunst, Mode/Design und Architektur geladen. Die poolbar-Architektur und die Festival-Grafik widmeten sich heuer erstmals gemeinsam einem Thema, dem Dadaismus. Die Geschäftsführung (Heike Kaufmann, Herwig Bauer) freut sich gemeinsam mit dem mehr als 100-köpfigen Team des poolbar-Festivals über knapp 20.000 Gäste aus dem In- und Ausland. Vor allem aber darüber, dass das poolbar-Festival mit seinem speziellen Ambiente für Begeisterung sorgte.

Das musikalische Programm beim poolbar-Festival in Feldkirch umfasste internationale Headliner wie MY BLOODY VALENTINE, LITTLE BOOTS, KATE NASH, FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS, VISTA CHINO, PATRICK WOLF, DONAVON FRANKENREITER, TOCOTRONIC, GOLDIE, BAD RELIGION, JAMES, MONSTER MAGNET, SHOUT OUT LOUDS, CASPER oder auch in den einschlägigen Blogs und Magazinen abgefeierte Hipster, die sämtliche Erwartungen übertrafen, so etwa SOHN, LE1F, YARAH BRAVO, CATASTROPHE & CURE, JAPANDROIDS, AUSTRA, RANGLEKLODS oder DRY THE RIVER. Gepaart wurden die internationalen Acts immer wieder mit lokalen und regionalen Bands, die häufig die hoch gelegte Qualitätslatte mühelos überwanden.

Das Spezielle des poolbar-Festivals

Zahlreiche ausverkaufte Konzerte und spannende Neuentdeckungen sind für die Veranstalter natürlich erfreulich, oft aber sind es die weniger breitenwirksamen Erfolge, die – neben dem besonderen Ambiente und der beinahe intimen Atmosphäre – die Besonderheit des Festivals ausmachen: Die im Vorjahr eingeführten neuen Formate wie die “polymorphe Liechtensteiniade”, die die schräge Liechtensteiner Szenekultur über die Grenze schwappen ließ, die “lebende Kunstinstallation” des Düsseldorfer Künstlers Christian Jendreiko, die teilweise in Feldkirch, teilweise im Kunstmuseum Liechtenstein stattgefunden hatte oder die “Ticketliteratur” – Literatur und Illustrationen waren integrierter Bestandteil der e-Tickets für die Konzerte – fanden allesamt 2013 ihre Fortsetzung.

Die spektakulärste Neuerung war sicherlich die Premiere des “poolbar auf der Wiese”-Open Airs, das im Feldkircher Reichenfeldpark eine Mischung aus Picknick- und Rockfestival-Ambiente schaffte. Großartige Stimmung bei idealen Wetterbedingungen.
Ebenfalls außergewöhnlich: Das 5-tägige Kino-Open-Air, das gemeinsam mit dem Rio-Kino in der Feldkircher Innenstadt veranstaltet wurde. Die Besonderheit: Der Projektor wurde mit Strom gespeist, der über fünf Fahrradgeneratoren vom Publikum selbst produziert wurde. Der Ton war nur über Funkkopfhörer zu hören.

Die wichtigste Neuerung jedoch war sicherlich der Erwerb des “Green Event”-Labels für das poolbar-Festival durch besondere Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit – unter anderem galten Festivaltickets als Freifahrschein in öffentlichen Verkehrsmitteln und es wurde ein Fahrrad-Rikschataxi zum und vom Festival angeboten.

Mehr & bessere Luft für die Gäste

Die Stadt Feldkirch als Eigentümerin des Alten Hallenbades hat pünktlich zum Festivalstart eine komplett neue, zusätzliche Lüftungsanlage fertiggestellt; Frostige Temperaturen waren natürlich angesichts des Tropensommers nicht zu erwarten, aber das Kulturvergnügen war deutlich versüßt – und der Sauerstoffgehalt in der Luft spürbar höher.
Als Anerkennung für 20 Jahre kultureller Schwerstarbeit hat Bürgermeister Mag. Wilfried Berchtold im Namen der Stadt Feldkirch dem poolbar-Team darüber hinaus den mit EUR 7.300.- dotierten Feldkircher Kulturpreis überreicht.

Organisatorische und finanzielle Herausforderungen

Knapp 20.000 Besucherinnen und Besucher, aber kein gröberer Zwischenfall beim Sanitätsdienst – das ist die aus organisatorischer Sicht besonders erfreuliche Bilanz. Trotz zufriedenstellender Besucherzahlen stehen in den kommenden Jahren einige finanzielle Herausforderungen an – nicht zuletzt legen die Veranstalter Wert darauf, dass die mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausnahmslos nicht ehrenamtlich arbeiten, sondern fair bezahlt werden.

poolbar-Architektur wird verkauft – Platz für 2014!

2014 wird dringend Platz für die neue poolbar-Architektur benötigt – ein Teil der Rikschas sowie Elemente der diesjährigen poolbar Architektur werden daher via poolbar.at/shop verkauft. Eine weitere Gelegenheit dazu bietet sich aber auch beim Messestand des poolbar-Festivals bei der Artdesign in Feldkirch im Oktober.

Das poolbar-Festival 2014 – die Nummer 21 – findet vom 4. Juli bis 17. August statt. Die kleine Schwester des poolbar-Festivals, poolbar mit pratersauna in Wien, wird in der Bundeshauptstadt wie gewohnt Mitte Mai über die Bühne laufen. 

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Breit aufgestellt in die Pedale treten

Kaum ist das poolbar-Festival vorbei – und uns schwirrt der Kopf nach wie vor nach dieser tollen Ausgabe – muss man auch schon an die Zukunft denken. Die VN haben dazu Herwig Bauer interviewt. Das Programmteam um Heike Kaufmann wird nach einer kurzen Pause gleich wieder mit dem Programmieren loslegen und aus der aktuellen Ausgabe allerlei Input mitnehmen...



Zur großen Ansicht geht es HIER!

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"The best location ever!"

Samstag in der Poolbar: Das Alte Hallenbad war bis zum Beckenrand gefüllt: Francis International Airport, Chad Valley und Elektro Guzzi.
Text von Christian Pausch, erschienen auf fm4.orf.at (dort auch mit drei Galerien zum Nachschauen!)

Der Samstagabend beginnt für mich direkt vor der Poolbar, wo man fast wie jeden Abend nie so genau weiß, was sich die junge Kunst- und Kulturszene einfallen hat lassen.

Diesmal steht dort ein extrem sympathischer junger Mann mit Akustikgitarre und covert Songs für das Laufpublikum. Unter anderem den Oasis-Klassiker ("Keine Sorge: nicht Wonderwall!") "Don't look back in anger". Und als ich da so sitze, rund um mich herum die Berge und irgendwo dazwischen das Rauschen des Flusses, da spüre ich es schon a priori: "in anger" wird man auf diesen Abend nicht zurückblicken müssen.

A great great deal
Die fünf Bandmitglieder von Francis International Airport waren tagsüber noch am Chiemsee die Aussicht genießen und kommen daher vollkommen entspannt in der Poolbar an. Der Soundcheck, dem ich nachmittags beiwohnen darf, läuft reibungslos und es ist mehr als offensichtlich: Hier sind Profis am Werk. Immerhin kann die Band schon auf eine fast zehnjährige Geschichte zurückblicken und drei großartige Alben präsentieren. 

Francis International Airport
Foto: FM4 / Alex Wagner

Das dieses Jahr erschienene namens "Cache" wird als große Weiterentwicklung und als Neuerfindung des Francis-Sounds beschrieben, das kann man auch live in der Poolbar spüren. Der Sound ist dunkler, melancholischer, natürlich synthielastiger als früher. Mitten im Set baut sich ein Noise-Gewitter auf, dass dann, so schnell es aufgebraust ist, auch sofort wieder abflaut und in die Single "The Right Ones" übergeht. Gänsehaut pur!

Die Zugabe ist dann aber ein alter Hit: "Amnesiacs", mit positiverer Grundstimmung: "It's gonna be a great great deal for all of us", singt Sänger Markus. Auf den weiteren Verlauf des Abends umgemünzt, soll er damit auf jeden Fall Recht behalten.

Drowning in sounds
Ich treffe Hugo Manuel alias Chad Valley am Nachmittag im Park vor der Poolbar, die Feldkircher_innen sonnen sich vor uns auf der Wiese, ein großer schwarzer Hund holt Stöckchen und in der Musikschule nebenan spielt jemand Mozart am Klavier bei offenem Fenster. "We are in Austria, of course somebody has to play Mozart", lacht Hugo.

Fast könnte man die Szenerie als kitschig beschreiben, aber das stört den talentierten Musiker gar nicht. "I like cheesy things. I like cheesy music. I think my music is cheesy." Na, na, na, nicht so tief stapeln Herr Valley!

Chad Valley
Foto: FM4 / Alex Wagner

Chad Valley liebt Duette, wie man schon auf seinem Album gemerkt hat, immerhin hat er da mit u.a. Twin Shadow eines gesungen. Deshalb hat er sich heute Abend auch eine Sängerin mitgenommen, die ihn live unterstützt. Perfekt fügen sich die beiden Stimmen zusammen, während die fast schon hymnischen Synthie-Melodien das alte Hallenbad füllen. Drowning in sounds, ein wunderschönes Gefühl, dass noch lange in mir nachhallen wird.

Elektro Guzzi
Den Abschluss machen dann die drei Herren von Elektro Guzzi. So schnell kann ich gar nicht schauen, kann man von einem Konzertabend (wie bieder das schon klingt!) gar nicht mehr sprechen, denn die Poolbar ist innerhalb von Minuten zu einem Club avanciert und das Hallenbad zu einem einzigen großen Dancefloor.

Electro Guzzi
Foto: Matthias Rhomberg

Mit ihrer live eingespielten elektronischen Musik erreichen die Guzzis alle: jene, die gerne Leuten beim Musizieren zusehen, und jene, die gerne zu elektronischer Musik abshaken, ohne sich darum zu kümmern, wie sie eigentlich entsteht. Ich sehe schmusende Pärchen, glücklich lächelnde Tänzer_innen und zufrieden nickende Musikkritiker_innen.

"That is definitely the best location we ever played. I mean: it's an empty pool!", strahlt Chad Valley, während er selbst zu Elektro Guzzi in die Nacht hineintanzt.

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Austra: Olympia

Murder on the Dancefloor: Austra fühlen sich wohl, wenn es in der Disko düster ist. Die Beats dürfen hämmern, aber das Gefühl darf nicht verloren gehen.
 
Opernmusik ist nicht jedermanns Sache. Die Stücke dauern oft vier oder mehr Stunden, und den Inhalt bekommt man, ohne den Text mitzulesen, sowieso oft nicht mit. Um diese hohe Form der Musikkunst verstehen zu können, braucht es wahrscheinlich eine gewisse Reife. Katie Stelmanis hat schon mit zehn Jahren im kanadischen Kinder-Opernchor mitgesungen. Keine Überraschung also, dass sie als Frontfrau und Sängerin der mittlerweile sechsköpfigen Band Austra ihre gewaltige Stimme dementsprechend in Szene setzt. Die Reife spielt dabei aber keine so große Rolle.
Die Songs handeln zwar von großen Gefühlen, aber dennoch lässt es sich großartig dazu tanzen. Und auch Techno steht der Band ausgezeichnet. Das Debüt der Kanadier_innen „Feel It Break“ erschien 2011, und Austra ernteten dafür Lorbeeren aus aller Welt. Darauf fanden sich 80er-Jahre-Popperlen in cool und glasklaren Synthiesounds, die eine gewisse Bedrohlichkeit ausstrahlen. Noch heute gelingt es kaum, Hits wie „Lose It“ und „Beat And The Pulse“ aus dem Gedächtnis zu streichen – nicht, dass man das jemals wollte.
 
 
Angekommen im Jahr der Schlange, steht ein neues Album an: „Olympia“ macht einen Schritt in der Dunkelheit, der sich anfühlt, als würde er in die richtige Richtung gehen. Es bleibt das Düstere. Die Texte werden persönlicher und der Rhythmusfraktion wird größeres Augenmerk geschenkt.
Sängerin Stelmanis sagt zur neuen Platte: „This is the album where we discovered rhythm.“ Zwischen den elektronischen Synthiesounds finden sich nun also auch Kongos und Marimbas. Tropisch wird es deswegen noch lange nicht. Es fühlt sich an, als hätten die Aufnahmen allesamt nach Mitternacht stattgefunden – kurz bevor es in den Club ging und die seelischen Laster noch abgeworfen werden mussten. In der ersten Singleauskopplung „Home“ behandelt Stelmanis beispielsweise die Angst, wenn sie die ganze Nacht darauf wartet, bis die Geliebte zurückkehrt – ein pianolastiger Ohrwurm und ein Aushängeschild für das Album: Große Melodien spielen einmal mehr die Hauptrolle. Eingebettet in treibende Discobeats findet sich genug Platz für dichte Harmonien und den klassischen Gesang Stelmanis’.
 
http://poolbar.at/system/asset/filename/16278/Austra_Olympia.jpg
Auf der Bühne fungiert die starke Frontfrau als Dirigentin: Die Gesten sind überschwänglich und passen sich ihrem Gesang perfekt an. Die Band folgt, zieht das Publikum in ihren Bann; und man weiß plötzlich, warum man nicht mehr stillhalten kann. Der Klassikunterricht hat sich also gelohnt. (Benjamin Agostini)
 
Und live: Austra bespielen am 1. August den Pool des poolbar Festivals!
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