Video: Ebony Bones0
Auf die Fotos hin reichen wir euch ein Video des tollen Abends der bunten Ebony Bones nach, deren "W.A.R.R.I.O.R." eindeutig eines der Highlights des Abends war.
Auf die Fotos hin reichen wir euch ein Video des tollen Abends der bunten Ebony Bones nach, deren "W.A.R.R.I.O.R." eindeutig eines der Highlights des Abends war.
Der Opener "Counting To Sleep" erinnert anfänglich an die frühen Tage der Tori Amos. Die geschlagene Akustikgitarre führt das Stück ein, das gehämmerte Klavier nimmt den Takt auf, ehe die kleine Irin mit eindringlicher Stimme eine einnehmende Melodie anstimmt.
Nach mehreren Songs wird aber deutlich, dass sich in ihrem Fall eher dem Folkpop zuneigende Songschreiberinnen wie Ani DiFranco, KT Tunstall oder Patti Rothberg als lose Referenzgrößen anbieten.
Schon während ihres Gastsemesters an der Mannheimer Popakademie haben Wallis Bird und ihre deutsch-irische Band auf ihren Konzertreisen für Begeisterung gesorgt. Nach ihrem Auftritt beim New Pop Festival 2006 wurde sie dementsprechend als neue Popsensation gehandelt, ihre Single "Blossoms In The Street" rotierte in diversen Radiostationen. Nun ist das lang ersehnte Longplayer-Debüt "Spoons" auf dem Markt.
Das unkonventionelle Gitarrenspiel der 25-jährigen Wallis steht im Zentrum der Songs, rhythmisch untermalt von einem weich gespielten Schlagzeug, dem Bass, Klavier und hier und da sanft gesetzten, zum Jazz tendierenden Bläsern.
Das Ausloten der emotionalen Befindlichkeiten spiegelt sich in ihren famosen gesanglichen Darbietungen wider: ob flüstern, kreischend, wütend oder intim, sie findet jederzeit den richtigen Ton, ihre Gefühle musikalisch umzusetzen.
Das sonnige "6 Ft 8" wartet mit tollen Arrangements und Melodiebögen auf, umrahmt von der Akustischen, einem Banjo und hübschen Trompetenauflagen. Ebenso lässig kommen "Slow Down" mit dezentem Bossa Nova-Groove, das ruhige, nur mit der Gitarre vorgetragene, zweistimmige "You Are Mine" und die wunderschöne Ballade "All For You" mit feinem Basslauf und Klaviertupfern daher.
Das dynamische "Blossoms In The Street" weist Wallis als exzellente Gitarristin aus, der sanfte Rocker "Moodsets" offenbart mit rauen Tönen die facettenreiche Gesangsstimme der Irin und eine Viola bereichert wirkungsvoll das Arrangement in "The Circle". Das verspielte "Country Bumpkin" überrascht anschließend mit swingendem Trompetenspiel zum Banjo, gewitztem Schlagzeug und ohrgängiger Melodie, "Just Keep Going" gefällt mit spannungsreicher Dramaturgie.
Das Werk klingt mit dem vom Bass strukturiertem, bluesaffinen "Bring The Wine" aus, das beschaulich beginnt, dann aber instrumental anhebt und Wallis im Stile einer Janis Joplin ihren Text intoniert.
Wallis Bird ist mit "Spoons" ein abwechslungs- und ideenreiches Debüt geglückt, das sich angenehm vom konventionellen Popmainstream abhebt. Die großartige Begleitband harmoniert dabei prächtig mit dem unberechenbaren Gitarrenspiel und dem kraftvollen, leidenschaftlichen Gesang der Wallis Bird. Eine Sensation mag dieses charmante Energiebündel vielleicht noch nicht sein, als erfrischender Newcomer im Singer/Songwriterbereich aber absolut empfehlenswert.
Erschienen auf laut.de.
Das zweite Kommando Elefant Album Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben explodiert zwar nicht, hinterlässt aber einen leisen Knall.
So circa alle zwei Jahre sollte eine Band ein neues Album herausbringen, das stilistisch am Vorgänger angelehnt ist, sich aber davon leicht abgrenzen lässt, oder? Eine Binsenweisheit, die bei Kommando Elefant nur zum Teil zutrifft. Gut so.
Rotz und Tränen
Den Opener bereitet "Favoriten", ein schönes Liebeslied, mehr noch: eine Ode an eine geliebte Person. Viel zu schnulzig eigentlich um ein Album einzuleiten, denn man läuft Gefahr ein wenig das Gesicht zu verziehen bei derart sentimentalen Zeilen:
„Denn wir sind unsere Favoriten/Mit uns ist alles klar und leicht/Durch uns, da sind wir das, was wir sind/Und ich lieb‘ dich seit Anbeginn aller Zeit/Denn wir sind unsere Favoriten/Du bist mein Herz und das, wofür ich leb‘/Bei dir kann ich so sein wie ich bin/Und ich hoff‘, dass das mit uns ein Leben lang geht."
Kurzzeitig können die Taschentücher dann wieder beiseite gelegt werden, wenn Kommando Elefant einen in Feierlaune bringen mit "Party Party". Denn was folgt, sind ruhige und nachdenkliche, aber überaus schöne Lieder. Vor allem das Video zu "In all den Jahren" unterstreicht noch einmal mehr den Charakter dieses Songs.
Das Highlight des Albums ist eindeutig "Alaska", das verdient immer weiter die Top-10 der FM4 Charts hinauf klettert und zu groben Abnutzungserscheinungen der Repeat-Taste führt. Dennoch, nicht unerwähnt bleiben darf "Wien frisst" - eine durchaus gelungene Illustration der Bundeshauptstadt - und "Highway der Schmerzen", das in Kooperation mit dem Stimmgewitter Augustin entstand und einen schönen Ausklang aus dem Album bildet.
Kein Trauerspiel
Erst nach genauerer Betrachtung entwickelt sich aus der anfänglichen Tristesse von Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben ein angenehm schönes und stimmiges Album, das über die vielen Seiten des Lebens zu berichten weiß. Bestimmt nichts für Vorglüh-Abende, aber umso mehr für verregnete Nachmittage. Davon gibt es ja zurzeit genug.
Text von Linda Schürer-Waldheim. Erschienen auf fm5.at.
Wir wollen Krieg!
von Fabian Schmid
Das erste große neue Ding des Jahres kommt (natürlich) aus England, heißt These New Puritans und überzeugt mit einer bombastischen Kampfansage an zu oft Gehörtes.
Zwei Minuten dauert "Time Xone", die erste Nummer und gewissermaßen Ouvertüre des Albums, welches mit "We Want War", einer siebenminütigen Hymne für (uns?) Indie-Krieger des 21. Jahrhunderts, seinen ersten Höhepunkt findet.
Jaja, der postmoderne Pop
Es klingt nach Electronic, ist eigentlich moderne Klassik; ein Hauch von Industrial liegt ebenfalls in der Luft. Ein bisschen könnte man meinen, die Klaxons und The XX herauszuhören, beziehungsweise deren Idee extrem auf die Spitze gebracht und weit weniger poppig umgesetzt. Es ist dieser postmoderne Pop, der sich in den letzten Jahren unklar abzeichnet und noch nicht ganz definiert werden kann.
Was zeichnet Hidden, das zweite Album der britischen Band, also aus? Einerseits sind die Beats ziemlich mächtig, klingen fast nach Electro à la Simian Mobile Disco, andererseits herrscht die gesamte Platte über eine enorme Disziplin vor. Jeder Ton ist präzise genau so gewollt.
Das Geräusch vom Einschlagen eines Kopfs
Und ebendiese Töne entstehen nicht einfach durch Gitarre, Bass, Klavier und Schlagzeug, sondern durch exotische Instrumente: Schulchöre, einem Blech- und Holzbläserensemble oder Melonen. „Wir haben Wassermelonen mit Crackern beklebt und dann mit dem Hammer zerschmettert, um das Geräusch vom Einschlagen eines Kopfs nachzuahmen", erklärt Bandleader Jack Barnett.
Wie kommt man auf solche Ideen? Inspiration dafür war laut Band die Foley-Technik, benannt nach Jack Foley, einem Pionier im Bereich des Klangfilms; der z.B. herausfand, wie man Donner oder eine Autofahrt auf Blechsteinasphalt nachahmt. „Ich fand schon immer, dass Soundtracks eine besonders scharfe, fast kantige Qualität haben, die man nicht immer auf CDs hinbekommt. Das war genau das, was wir brauchten", meint Barnett dazu.
Nicht weiter verwunderlich, dass auch die Kompositionen an sich sehr ausgetüftelt und komplex klingen. Ein leichtes Album ist das keines. Einzig "Hologram" klingt fröhlich-beschwingt, fast nach Grizzley Bear oder Animal Collective.
Schwer verdaulich
Den Großteil des Albums beherrschen aber schwere, düstere Nummern; Kriegsmärsche fast. Choräle, Stimmeffekte, backmasking, japanisches Schlagwerk -alles vorhanden. Barnetts Vocals sind dabei mehr Teil des Gesamtbilds als wirklich führend.
Beeindruckend ist Hidden dabei auf jeden Fall. These New Puritans' Anspruch, das, was viele junge Menschen unter Klassik verstehen, etwas von den allzu bekannten 08/15-Geigen des Poprocks oder R'n'Bs, auf eine avantgardistischere, intellektuellere Richtung zu lenken, wird auf jeden Fall erfüllt. Man darf gespannt sein, wie dieses Album beim Publikum ankommt.
Die Rezension erschien auf fm5.at.
These New Puritans am 15. Juli beim poolbar-Festival!