Poolbar Blog

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Hanekes "Das weiße Band"0

Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter? Antwort: Michael Haneke.

Gleich zu Beginn des Films geschieht ein Unglück. Der Arzt des Dorfes stürzt mit seinem Pferd über einen Draht, der kurz vor seinem Haus zwischen zwei Bäume gespannt wurde. Eine schwere Schulterverletzung ist die Folge. Er muss für einen längeren Krankenhausaufenthalt in die Stadt. Natürlich stellt sich schnell die Frage, wer für diesen perfiden Anschlag verantwortlich ist, doch Schuldige werden nicht gefunden. Eine Reihe von Anschlägen quer durch alle sozialen Schichten nimmt ihren Lauf.

Der Teufel ist ein Eichhörnchen

"Eine deutsche Kindergeschichte" nennt Haneke seinen Film im Untertitel und gibt damit einen der wenigen Hinweise, wer die eigentlichen Hauptpersonen des 145 Minuten langen in schwarz-weiß gehaltenen Werks sind. Denn klassische Hauptdarsteller gibt es nicht. Gezeigt wird der Mikrokosmos eines protestantischen Dorfs in den Jahren 1913 und 1914; vom Gutsherrn (Ulrich Tukur) über den Verwalter (Josef Bierbichler) und Dorfpfarrer (bravourös Burkhart Klausner) bis hin zum einfachen Bauern (Branko Samarovski). Es ist dabei kein Zufall, dass Frauen in dieser Aufzählung nicht aufscheinen, denn die Gesellschaft dieser Zeit ist zweifellos männlich geprägt. Obwohl die Dorfgemeinschaft scheinbar durch die moralischen Werte und Normen des Protestantismus geformt ist, herrscht hier die Macht des Stärkeren - sei es rein körperlicher oder aber auch sozialer Natur. Der Arzt (Rainer Bock) lässt seine Geliebte (Susanne Lothar) zugunsten einer Affäre mit der eigenen Tochter fallen, während der Pfarrer Ansprüche an seine Kinder stellt, die zu leben er selbst nicht im Stande ist. Lediglich der etwas naive Dorflehrer (Christian Friedel), aus dessen Rückschau die Geschichte erzählt wird, erweist sich als menschlich und charakterfest. Wohl auch deshalb, weil er ursprünglich nicht der Dorfgemeinde entstammt.

Ein Stück Geschichte

Michael Haneke entschleiert in seinem Film ein Stückchen Zeitgeschichte für den Zuschauer, ohne ihm einen konkreten Handlungsstrang zu präsentieren. Im Prinzip hat Das weiße Band weder Anfang noch Ende. Es ist vielmehr eine Sozialstudie mit filmischen Mitteln. Gezeichnet wird ein Bild von Unterdrückungsszenarien in jeglicher Stoßrichtung, das mit einer Tiefenschärfe und Detailverliebtheit aufwartet, wie man sie im Kino nur selten zu finden vermag. Der Zuschauer wird regelrecht in die Umstände dieser Zeit hineingezogen und kann sich so den Ereignissen nicht mehr durch eine kritische Distanz entziehen. Dazu trägt vor allem das hervorragende Schauspielerensemble, die authentische Rekonstruktion von Wohnverhältnissen und Kleidern, aber auch Hanekes eigenwillige Kameraführung bei.

Der autoritäre Blick

Es sind vor allem einzelne Bilder, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben und so als Metapher für eine bestimmte Handlungssequenz stehen. Sei es der Handkuss für die Eltern, das titelgebende weiße Band oder aber der mit einer Schere getötete Pfarrersvogel, der als Kreuz geformt auf dem Schreibtisch liegt. Neben diesen einprägsamen Stillleben überzeugen vor allem Hanekes Kameraeinstellungen. Häufig verwendet er feststehende Bildausschnitte, die der Handlung nur bedingt folgen, weswegen oft nur das Auditive aber nicht das Visuelle als Erzählform fungiert. Dies erhöht zum einen die Aufmerksamkeit aber auch die Einbildungskraft des Zuschauers und damit die Stärke der einzelnen Szenen. Interessant ist aber auch der Blick der Kamera, der den handelnden Personen entsprechend eingesetzt wird und sich somit beständig verändert. Dem Zuschauer werden dadurch keine Ruhepausen gegönnt. Immer wieder muss er sich zwischen autoritärem und kindlich forschendem Blick neu justieren. Interessant ist dabei auch das Verhältnis von Schärfe und Unschärfe, das als handlungsimmanenter Hinweis verstanden werden kann.

Botschaft? Nein danke!

Eine Botschaft habe sein Film nicht, lässt Haneke in einem Interview verlauten. Und das ist auch seine große Schwäche. Nach über zweistündiger Moraltortur lässt sich nur wenig abstrahieren. Dass das schwächste Glied in der Kette - in diesem Fall das Kind - unter der Unterdrückung am meisten zu leiden hat, kann nicht verwundern. Auch dass Unterdrückung in Terrorismus mündet, um wenigstens ein Ventil, wenn schon nicht eine Möglichkeit zur Zerschlagung der unhaltbaren Zustände zu haben, ist in unseren Zeiten keine revolutionäre Erkenntnis mehr. Der Blick in die Vergangenheit zeigt lediglich, dass sich dieses System in allen Gesellschaftsformen und -größen etablieren muss, wenn Unterdrückung über der Menschlichkeit steht.

Fazit

Letztlich bleibt ein zwiespältiges Gefühl, gerade auch weil der Film seit dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes von den österreichischen Medien in den Himmel gelobt wird. Möglicherweise scheitert er gerade an diesen hohen Erwartungen. Lohnenswert ist ein Kinobesuch aber allemal. Der Film regt nämlich zum Nachdenken an, was heutzutage innerhalb dieses Mediums leider viel zu selten der Fall ist.

Text von Florian Zeuner. Erschienen auf fm5.at.

"Das weiße Band" am 8. August beim poolbar-Festival!

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Queer Film Nights: "Eloïse"0

Und weiter geht's in der Runde der Queer Film Nights im Top Kino Wien. Veranstaltet von dv8-Film, dem Verein hinter dem biennalen Queer Film Festival identities, wird von 25. bis 28. März "Eloïse" zu sehen sein.

In Fortsetzung des Spanienschwerpunkts von ‚identities 2009' präsentiert dv8-Film mit Eloise eine weitere Filmpremieren von der iberischen Halbinsel, die die Bandbreite und die Selbstverständlichkeit von queeren Themen und Inhalten im spanischen Filmschaffen und im Kinogeschehen nachhaltig belegen

Liebe hat einen Namen.


Die 18-jährige Asía liegt im Krankenhaus. An ihrer Seite die besorgte Mutter und der liebevolle Freund. Doch der konventionelle Schein trügt. Rückblenden erzählen von Asías Leben vor dem Unfall: Ihre Freundinnen genießen das neue Leben als Studentinnen in vollen Zügen - shoppen, trinken, lästern, knutschen. Asía findet das alles recht nett. Wie auch ihren neuen Freund Nathaniel.
Erst als die unverfrorene, kunstbegabte Eloïse in ihr Leben tritt, begreift Asía, was ihr bisher gefehlt hat: Kunst, Schönheit, verrückte Ideen, tiefschürfende Gespräche und schließlich ... Leidenschaft.

Malerisch inszeniert, mit hinreißenden Hauptdarstellerinnen und voll erotischer Spannung schildert dieses feinfühlige spanische Filmjuwel die Geschichte einer ersten Liebe in einer perfekten Balance zwischen Romantik und Kompromisslosigkeit

Pressestimmen

"Einfühlsam erzähltes, erotisch knisterndes Coming-out-Drama." Big Picture
"Ein einfühlsamer Film über die schmerzhaften Wirren des Erwachsenwerdens und die erste große Liebe. Emotional in Szene gesetzt." Kulturspiegel
"Gut gespielt, schön fotografiert in kräftigen, sonnigen Farbtönen und mit einem liebevollen Blick auf alle Protagonisten." film-dienst
"Eine absolut überzeugend gefilmte Geschichte mit ruhigen Bildern und kreativem Handlungsverlauf. Poetisch, magisch, inspirierend." moviesection.de

Eloïse

Spanien 2009, 91min, OmdU
Österreichpremiere
Regie: Jesús Garay
Buch: Cristina Moncunill, Kamera: Carles Gusi, Schnitt: Anastasi Rinos
Mit Diana Gómez, Ariadna Cabrol, Laura Conejero, Bernat Saumell, Núria Hosta, Miranda Makaroff, Carles Sales, Jaume Madaula, Carolina Montoya, Mónica Moreira

Queer Film Nights im März
25. - 28. März 2010
Jeweils 21 Uhr, Top Kino

Kartenreservierung ausschließlich bei DV8-FILM
T. 0699 120 96 100 oder reservierung@identities.at

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Alpinale sucht Filme0

Die Alpinale gehört zum Nenzinger Sommer und verfolgt seit bereits 25 Jahren das Ziel, NewcomerInnen des Filmschaffens aus Europa zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen, Meinungen auszutauschen, Erfahrungen zu sammeln und das Publikum zu erreichen. Von 10. bis 14. August werden heuer wieder die neuesten Kurzfilme europäischer RegisseurInnen zu sehen sein und dafür fehlt noch das richtige Material. Gesucht werden:

- Kurzfilm International
- Kurzfilm Hochschule
- Kurzfilm Animation

Themen und Sparten werden keine Grenzen gesetzt. Zusätzlich gibt es die Programmschiene „Vorarlberg Shorts", die der Vorarlberger Filmszene eine Plattform bieten soll und deren bester Kurzfilm (maximale Laufzeit: 15 Minuten) mit einem Preisgeld dotiert wird.

Anmeldeschluss ist der 12. April 2010. Der Anmeldung ist eine DVD oder eine VHS-Kassette für die Sichtung beizulegen. Eingereicht werden dürfen nur Originalversionen, die nicht älter als zwei Jahre sind. Ist die Originalfassung weder Deutsch noch Englisch, muss der Film in einer der beiden Sprachen untertitelt sein.

Adresse:
Alexander Strolz
Alpinale Vorarlberg
Postfach 161
A 6700 Bludenz
office@alpinale.net
www.alpinale.net

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VIS: Einreichungen noch bis 8. Jänner0

Bis 8. Jänner können noch Kurzfilme für VIS Vienna Independent Shorts 2010 eingereicht werden, das von 27. Mai bis 2. Juni zum siebten Mal stattfindet. 2010 werden die Wettbewerbsprogramme massiv ausgebaut und deutlich mehr Preisgelder als bisher vergeben. Zudem stiftet der weltweit wichtigste Animationsfilmverband einen "Asifa Award", die Stadt Wien verdoppelt das Preisgeld für den Hauptpreis und gemeinsam mit der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS) wird ein repräsentativer nationaler Kurzfilm-Wettbewerb ins Leben gerufen. Also Kurzfilme eintüten und mit Bewerbungsformalitäten gleich morgen an das Festival schicken!

Mehr Infos unter www.viennashorts.com.
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Architektur Filmreihe an der Hochschule Liechtenstein0

Am 16. 12 wird zum vorletzten Mal ein Film der Architektur-Filmreihe der Hochschule Liechtenstein zu sehen sein. Um 18.30 Uhr im Takino Schaan wird Jacques Tatis "Playtime" (1968) über die Leinwand flimmern - in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
 
Der Film spielt in einem für die 1960er Jahre futuristisch wirkenden Paris, das nur noch aus einheitlichen Glas- und Stahlkonstruktionen besteht. Die Filmfigur Monsieur Hulot - wie in seinen anderen Filmen wiedergegeben durch Jacques Tati selbst - ist auf der Suche nach einem Monsieur Giffard. Er sucht ihn in seinem Büro auf, aber durch eine Vielzahl von Missgeschicken verpassen sie sich ständig.

Hulots Weg kreuzt sich dabei immer wieder mit einer Busreisegruppe, die Paris besucht und dabei nur in dieser Hochhauswelt herumgeführt wird, die überall sonst auch nicht nur stehen könnte, sondern schon wirklich steht, wie in einem Reisebüro anhand der Werbefotografien zu erkennen ist: Jedes Reiseziel wirbt mit dem gleichen Hochhausfoto, das nur durch einige touristische Versatzstücke aufgehübscht wird. Die moderne Welt gleicht sich bis zur Austauschbarkeit.

Die Modernismuskritik ist ein immer wiederkehrendes Merkmal der Filme Tatis, in Playtime aber feiert sie einen Höhepunkt. Vor allem die Unpersönlichkeit, Konformität und Sterilität der Moderne wird kritisiert, etwa gleich am Anfang, wenn ein chromschimmerndes Gebäude einem Krankenhaus gleicht und erst später eindeutig als Flughafen zu identifizieren ist. Durch die Monotonie der Räume wird die Konzentration auf unvermeidliche Geräusche gelenkt. In der Gleichförmigkeit sind es vor allem die von den Menschen verursachten Töne, die den angestrebten Futurismus der Architektur durch die ihnen innewohnende Komik auflösen. Dass die Moderne wohl schließlich auch diesem Problem abhelfen wird, ist auf einer Möbelausstellung zu sehen. Das erste Unternehmen wirbt bereits mit einem Material, das keinerlei Geräusch mehr verursacht. Selbst wütendes Türenknallen bleibt so ungehört.

„Playtime ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino zu sehen war. Ein Film von einem anderen Planeten, wo man andere Filme dreht.“ (François Truffaut)

Für ArchitekturstudentInnen: Der Besuch von 2 Filmen wird wie der Besuch eines Vortrags angerechnet.
Ermäßigter Eintritt für Arch-StudentInnen: 10.- Chf, Eintritt normal: 13.- Chf

Kooperation zwischen der Hochschule Liechtenstein / Institut für Architektur und Raumentwicklung & Filmclub Takino / Schaan
 
Der Flyer auch mit kommendem Programm gibt es hier zum Download.
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