Das Alte Hallenbad

Das poolbar-Festival findet in einem ehemaligen Hallenbad statt, das 1963-1965 nach den Plänen des Schweizer Architekten Walter Bosshart erbaut wurde. Das Veranstaltungsgebäude wurde von der Stadt Feldkirch im Jahr 2000 zum Raum für Jugend und Kultur umfunktioniert und mit rudimentärer Infrastruktur für Veranstaltungen ausgestattet: Sanitäre Anlagen, Belüftung, Künstlergarderoben, Wasseranschlüsse für Bars, Bühnenpodeste, Fluchtwege etc.

Das poolbar-Festival und der Weg von Workshops zu Wettbwerben

Das poolbar-Festival ist 1994 gegründet worden - damals jedoch nicht als Veranstaltungsreihe, sondern  - kein Witz! - als künstlerische Sommerakademie mit dem Titel „Feldkircher Kre-Aktiv-Wochen“. Zwei Wochen lang beherbergte ein leerstehender Turnsaal im Reichenfeld (das heute sanierte „Pförtnerhaus“) Kurse von Glasblasen über Film, Fotografie, Coputergrafik bis hin zur Malerei. Das Spezielle war damals nicht nur der unkonventionelle Rahmen und die Organisation durch einen unprofessionellen Freundeskreis, sondern auch die Interdisziplinarität: Da viele Workshops zeitgleich im selben Raum stattfanden, entstand ein intensiver Austausch zwischen den einzelnen Gruppen.

Die Basis, aus der in den folgenden Jahren ein erfolgreiches und großes Festival unter der Prämisse „Musik und Kultur von Pop bis Nischen" entstand, wurde im Folder der „KreAktiv-Wochen" 1994 so angekündigt: „Anschließend an jeden Projekttag gibt´s am Abend ein gemeinsames Grillfest. Je nach Lust und Wetter". Weil dafür und für das geplante Abschlussfest mit Präsentationen aus den Workshops bereits am Beginn der KreAktiv-Wochen die komplette Infrastruktur
aufgebaut war, hat sich aus den geplanten internen Zusammenkünften rasch eine kleine, improvisierte „Szene-Bar" entwickelt. Die Initialzündung zum späteren Festival kam aus dem Kern des damaligen organisierenden Freundeskreises: Aufgrund der offensichtlichen Attraktivität des damaligen Settings wurde kurzfristig eine „Rocky Horror Night" mit Filmaufführung, Party und Showeinlagen geplant. Wenige Tage später schon fand mit „Flower" das erste Konzert statt. Mit der Umsiedlung ins unbenutzte Hallenbad inmitten des Reichenfeldparks wurde der Name „poolbar" geboren. Es entwickelte sich die Tradition der Gestaltung des Austragungsortes als „Wohnzimmer", die Herstellung einer kommunikativen, gemütlichen Atmosphäre als Rahmen für das Kulturprogramm und künstlerische Betätigung.

Generell wurde immer klarer, dass das ursprüngliche Lehrer-Schüler-Prinzip der Workshops nicht länger funktionierte. Gute Gestaltung in allen Bereichen sollte sich außerdem mit dem Abendprogramm und dem Barbetrieb verzahnen und zur Einheit werden - gute Gestaltung sollte als Markenzeichen und Mehrwert des Festivals etabliert werden. Also: Wettbewerbe für die Bereiche Architektur, Kunst und Mode. Weitere werden möglicherweise demnächst eingeführt.

Architektur-Wettbewerb

Bühnentechnische Anlagen (Ton, Licht), jede weitere Infrastruktur, Möblierung und gestalterische Maßnahmen müssen für den Zeitraum des Festivals vom Veranstalter eingebracht (und danach spurlos entfernt) werden. Das Gebäude ist außerhalb der poolbar-Festivalzeiten ein kühler, nicht möblierter Stahlbetonbau mit Neonröhren-Belichtung und steht VeranstalterInnen zur Verfügung. Beim poolbar-Festival wird das Gebäude durch die aufwändige temporäre Gestaltung jährlich neu inszeniert und belebt. Architektur wird zu einem der Stars des Festivals. 

Architektur im Kontext des Festivals

Im Kontext des poolbar-Festivals stellt Architektur eine bedeutende Einflussgröße dar. Sie komprimiert den menschlichen Alltag auf den Umgang mit Gestaltung im oder außerhalb des Korsetts von Rahmenbedingungen. Der Sonderstellung der Architektur wird Tribut durch architekturbezogene Veranstaltungen und Beiträge im poolbar-Magazin und auf der
poolbar-Homepage gezollt, vor allem aber durch die möglichst intelligente temporäre Gestaltung der Räume, in denen das Festival stattfindet, durch junge ArchitektInnen. Im Spannungsfeld zwischen Gestaltungswillen und Gestaltungszwang wird in der Ausschreibung der architektonischen Gestaltung das Hauptaugenmerk auf die Zwänge gelegt, die sich aufgrund von vielfältigen Funktionen und Rahmenbedingungen des Kulturfestivalbetriebs ergeben. Dazu zählen nicht nur reine Sachzwänge, sondern u.a. auch Themen wie Authentizität, Intelligenz, Credibility, Kommunikation, Konsum, Verweigerung, Corporate Identity, Prägnanz, Wirtschaftlichkeit, etc.

Aufgabenstellung

Die Gestaltung des Geländes und der Räumlichkeiten soll dazu führen, dass sich Menschen vor und hinter den Kulissen in angenehmem Ambiente austäuschen können und dass die dafür nötigen Funktionsabläufe optimal unterstützt und erleichtert werden. Sie kommuniziert das poolbar-Konzept und trägt zur Bildung von Image und Credibility bei. Ein Gradmesser für die relative Qualität der architektonischen Gestaltung ist das Besucher verhalten: In den vergangenen elf Jahren des poolbar-Festivals wurde offensichtlich, dass die jährlich geänderte temporäre Architektur enorme Wirkung hat. Je hochwertiger und intelligenter sie war, umso respektvoller war der Umgang der BesucherInnen mit der Einrichtung
und auch untereinander. Erfahrungsgemäß motiviert gute Gestaltung das Publikum dazu, eine längere Anreise zum
Festivalort in Kauf zu nehmen und sich zu mehrmaligen und längeren Aufenthalten in den poolbar-Räumlichkeiten verführen zu lassen. Über den Umweg des damit verbundenen Konsums der Gäste und den Imagegewinn trägt eine hochwertige temporäre poolbar-Architektur zur Rentabilität der Investitionen bei.
Sie soll unter vernünftiger Berücksichtigung oder Ausnutzung aller Sachzwänge einen Mehrwert schaffen, der Teil des Qualitätssiegels poolbar ist. Marktschreierische architektonische Selbstbeweihräucherung, deren Wirkung sich nach wenigen Tagen abnützt, erfüllt diesen Anspruch erfahrungsgemäß weniger als selbstbewusste, geerdete Architektur, die unaufdringlich Neues und unerwartet Erfreuliches bietet. den Inhalten der Veranstaltungen korreliert.
Das geringe zur Verfügung stehende Budget für die architektonische Gestaltung zwingt zu Innovation und außergewöhnlichen Ideen bzw. zu sparsamem Umgang mit sämtlichen Ressourcen. Auf- und Abbau haben dementsprechend mit minimalem Zeit- und Arbeitskraftaufwand zu erfolgen. Sämtliche Einrichtungen sind so zu gestalten, dass sie vorgefertigt und im vorgegebenen knappen zeitlichen Rahmen montiert werden können. Ihre Demontage hat ebenso schnell und derart zu erfolgen, dass am Gebäude keinerlei Spuren hinterlassen werden. Aufwändige Transporte sollen von vornherein durch intelligente Gestaltung vermieden werden.
Nach Möglichkeit sollen Baumaterialien verwendet werden, die leihweise gebraucht und nach Ende des Festivals abgebaut und retourniert werden können. Alternativ sollen zu kaufende Materialien in anderen Jahren wieder verwendet werden können und wenig Lagerraum beanspruchen.

Mehr zum poolbar architektur wettbewerb im Menü Wettbewerbe