DO 16 07
Geöffnet täglich ab 19:00 Uhr, Abendprogramm ab 20:30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.
Eben hat uns eine Nachricht der Agentur von Buraka Som Sistema erreicht, die wieder einmal zeigt, dass in unserer ach so modernen, aufgeschlossenen Welt die Herkunft von Menschen leider immer noch ein Grund ist, auch bürokratisch benachteiligt zu werden - diese bürokratische Ungleichbehandlung trifft leider auch die nicht-Europäischen Mitglieder von Buraka Som Sistema und somit uns:
„I am afraid I have some bad news. Due to visa complications, Buraka will not be able to perform as the live act at poolbar.
The Angolan and Brazilian members will not be able to get their passports back in time from the Japanese Embassy (they are playing Japan the following week). We have tried everything but as if often the case with Japanese bureaucracy, they will not budge.This leaves us in a very unfortunate situation for next Thursday.
I am very sorry to have to tell you this, we all worked really hard to make this show happen and the band were so looking forward to it.
The Angolan passports in particular can prove problematic for us with certain shows as they must go though a much more stringent process with visas.
We can however suggest that the two Buraka djs still perform at Poolbar. Again, my most sincere apologies."
Selbstverständlich aber haben wir das Angebot angenommen, das Buraka Som Sistema DJ-Team zu buchen....so erwartet uns am Donnerstag ein heftig tanzbarer Abend mit viel Baile Funk und Kuduro und allem, was auf dem Globus derzeit Booties wackeln lässt.
Ergänzt wird das Line-Up von Thomas Queerbeat Lechner vom Candy Club München, der schon auf der poolbar-Tour im Mai Österreichweit für ewig lange schweißnasse nächte gesorgt hatte.
Und der Eintrittspreis wird von EUR 18.- auf EUR 10.- gesenkt. (Wer VVK-Tickets hat, bekommt an der Abendkassa die Differenz ausbezahlt - oder auf Wunsch auch alles, wenn er/sie in Kauf nimmt, den heißesten Sound des Planeten zu verpassen)
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lobal Culture 2.0
Dass „westliche" Clubmusik bereits vor einer geraumen Weile an ihre Grenzen gestoßen ist, ist mittlerweile wohl jeder und jedem Tanzbegeisterten klar geworden. Im Zeitalter der grenzüberschreitenden und beschleunigten Kommunikation sollte es jedoch keine Rolle spielen, ob nun im zentraleuropäischen Schlafzimmer das Notebook als Klangerzeuger verwendet oder auf den Straßen Angolas zu Ringtones aus gebrauchten Mobiltelefonen getanzt wird.
Luanda - Lissabon - Tanzparkett
In naher Zukunft versammelt sich das globale Dorf im Club von nebenan: Zumindest seit der Veröffentlichung des Debütalbums von Buraka Som Sistema erscheint diese Ansage als keineswegs utopisch. Mit der musikalischen Spielweise Kuduro erschließen sich neue Ufer für den westeuropäischen Clubfloor. Dieses Ende der 80er / Anfang der 90er in Luanda, der Hauptstadt Angolas, entstandene stilistische Gemisch aus gefladertem Sampling westeuropäischer Clubmusik, Baile-Funk und traditionellem Kizomba, hält nun siegessicher Einzug in Richtung der hiesigen Plattenteller. Dank der portugiesisch-angolanischen Zusammenkunft in Form von Buraka Som Sistema erfährt Kuduro zurzeit eine grenzüberschreitende Renaissance. Als TeilnehmerInnen einer kaum wahrgenommen Subkultur, die in den Vororten von Lissabon ihren Ausgang nahm, wurden die musikalischen Fühler in Richtung Angola, Rio oder London ausgestreckt. Die portugiesischen Producer und DJs Lil John und Riot sowie die in Angola geborenen MCs Conductour und Calaf begannen, einen musikalischen Bastard zu kreieren, der sich als lose geknüpfter Fleckerlteppich präsentiert und die unterschiedlichsten Sounds aus den Hinterhöfen diverser Clubs zwischen Angola und Lissabon absorbiert.
Postkoloniale Meilensprünge
In den Lissaboner Vorstadtgegenden - z. B. im Imigrantenviertel Buraca, nach welchem sich die MusikerInnen benannt haben - ist Kuduro für die meisten Jugendlichen mit kapverdischen und angolanischen Wurzeln noch der letzte popkulturelle Zufluchtsort mit Identifikationspotenzial. Was dort zunächst als äußerst billig produzierte und mit humorvollen Texten gespickte Musik entstand, wurde in weiterer Folge von Buraka Som Sistema um einige Erneuerungen erweitert. Dem Stilmischmasch des Kuduro wurde eine ernstere Note verliehen und die Musik um Texte ergänzt, welche durchaus politisch gedeutet werden können. Die Wirren des 27-jährigen angolanischen Bürgerkriegs sowie der schwierige Brückenschlag zwischen Industrie- und weniger entwickelten Staaten werden beispielsweise thematisiert. Zusätzlich verschwand die eher als romantisch ausgelegte Spielweise des Kizumbo und wurde um eine etwas härtere Gangart des Afro-Tech, Dubstep, Baltimore Club, Ghetto Tech und Datenrecyclings erweitert. Dieses ungezwungene Sampling sowie das beliebige Mischen elektronischer oder afrikanisch-folkloristischer Spielarten soll jedoch keineswegs als vorsätzliche Plagiatswerkschau verstanden werden - im Gegenteil: Es gelingt die Symbiose aus afrikanischer Folk-Tradition, westlichem Club-Verständnis und postkolonialer Vergangenheitsbewältigung.
Bis vor kurzem waren die Tonträger von Kuduro-KünstlerInnen außerhalb der angolanischen Grenzen kaum erhältlich. Das sollte sich nun mit dem wachsenden Erfolg von Buraka Som Sistema natürlich ändern. Nach den Kooperationen mit Diplo und M.I.A werden sich bestimmt auch andere ganz Große der Musikindustrie um diesen postmodernen Orkan aus erfrischend kultureller Freizügigkeit und progressiver, beatlastiger Klangmalerei bemühen.
(Philipp Lampert)
Mehr zum Hören und Lesen unter www.myspace.com/burakasomsistema.








