20. Volksbank Szene Open Air (6.-8. August 09)
Lustenau am Alten Rhein
Fr. 7. August 2009 (ab 12 Uhr)
Sa. 8. August 2009 (ab 10.00 Uhr)
Alle Infos unter www.szeneopenair.at |
20. Volksbank Szene Open Air (6.-8. August 09)
Lustenau am Alten Rhein
Fr. 7. August 2009 (ab 12 Uhr)
Sa. 8. August 2009 (ab 10.00 Uhr)
Alle Infos unter www.szeneopenair.at |
Telepathe: Mind melting
Dass es eigentlich viel zu wenige All-female-Bands auf diesem Planeten gibt, darauf kann man sich sicherlich einigen. Glücklicherweise erweist sich New York City, im Besonderen der Hipster-Stadtteil Brooklyn, seit einigen Jahren als vorzüglicher Nährboden für allerlei innovative Bands und Formationen. So auch für Telepathe, ein - ja! - Frauen-Duo, das mit „Dance Mother" erst kürzlich ein ganz großartiges Debütalbum vorlegte. Für den „Standard" ist es etwa jetzt schon eines der „Alben des Jahres".
Tribeca, New York City im Februar dieses Jahres: Telepathe spielen ein Konzert zusammen mit einigen befreundeten Bands, u.a. mit Silk Flowers, die sie selbst sehr schätzen. Das Publikum kennt Melissa Livaudais und Busy Gangnes großteils bereits, schließlich haben es die beiden in der regen New Yorker Musikszene bereits zu einiger Bekanntheit geschafft. Beinahe schüchtern stehen die beiden jungen Frauen in College-Pullovern hinter ihren Laptops und Instrumenten und bezaubern das Publikum mit ihrem sphärischen zweistimmigen Gesang und verschrobenen Beats.
Seit 2006 machen sie zusammen Musik, zuerst in einer Rockband, später dann unter dem Namen „Telepathe" - eher in der elektronischen Schiene angesiedelt. Die beiden leben im New Yorker Stadtteil Brooklyn, das sich in den letzten Jahren ja als eine der essentiellsten Brutstätten für großartige Musik erwiesen hat. Sicherlich kein Nachteil für die beiden. Auch wenn sie selbst den Einfluss ihrer prominent besetzten Nachbarschaft eher als gering einschätzen. „Wir denken an so was eigentlich gar nicht. Ehrlich. Wir lassen uns einfach von den Sachen, die wir lieben, inspirieren. Und das Allerwichtigste: Wir sind absolut nicht bereit, unser Leben mit etwas anderem zu verbringen als mit Musik."
„Dance Mother"
Nachdem Telepathe mit ihrer EP „Chrome's on It" 2008 bereits für Furore gesorgt haben, veröffentlichen sie Anfang dieses Jahres ihr erstes Album „Dance Mother". Produziert wurde ihr hoch gelobtes Debüt dann doch von einem Brooklyner Kollegen, David Sitek, der mit seiner Band TV On The Radio selbst ein Liebling der KritikerInnen ist. „David ist unser Mentor. Er hat diese unglaubliche Sammlung von Instrumenten und ein tolles Studio. Er hat uns das wirklich Wesentlichste übers Musikmachen beigebracht: Nämlich dass es keine Grenzen gibt. Und wir haben das wörtlich genommen und wirklich alles ausprobiert", erzählen Telepathe über die Zusammenarbeit mit Sitek.
Diese Grenzenlosigkeit erkennt man auch auf „Dance Mother" wieder. Ihre Avantgarde-Elektronik speist sich aus analogen Synthie-Sounds und watteweichen Breakbeats. Die Referenzhölle sagt: New Wave, Dream Pop, Cocteau Twins. Aber das kaum plakativ und etliche Male durch Telepathes vertrackte Produktionsmaschinerie gedreht. Heraus kommen mal zauberhafte Popsongs, mal abgespacete Experimentalstücke.
„It's a ‚bro' game"
Wer es für ein überholtes Klischee hält, dass es Frauen im Pop-Business tatsächlich immer noch schwerer haben als die Jungs, den belehren Telepathe eines besseren. „It's a fucking ‚bro' game like everything else", um es in ihren eigenen Worten zusammenzufassen. Als Frau muss man als Musikerin schon mal damit rechnen, dass man in Blogs nach einem Konzert Kommentare über seine „dünnen Ärmchen" liest, wie die beiden erzählen.
Besonders schlecht zu sprechen ist die Band auf Pitchforkmedia, die ja gemeinhin als sicherste aller Geschmackspolizeien im (anspruchsvollen) Musik-Blog-Zirkus gelten. Und auch fast ausschließlich aus - Überraschung - männlichen Musikjournalisten besteht. „Für uns ist das so ziemlich der langweiligste, weißeste Musik-Blog aller Zeiten. Sie haben versucht uns vorzuwerfen, dass wir unsere Musik nicht selbst schreiben und die Instrumente nicht selber spielen würden. Bitte? Wir beide haben verdammt noch mal unser ganzes Leben lang Musik gelernt und wir spielen jedes einzelne Instrument auf unserem Album selber."
Dass es Melissa und Busy wirklich drauf haben, davon kann man sich beim poolbar-Festival dann erstmals auch live in Österreich überzeugen. Und was darf man sich von der Performance der beiden erwarten? Dafür haben die Telepathe nur zwei Worte: „Mind melting".
(Interview & Text: Julia Preinerstorfer)