(Claudia Merz)
Mehr unter myspace.com/leitstrahlbeta bzw. myspace.com/paulraal.FR 02 07
Geöffnet täglich ab 19:00 Uhr, Abendprogramm ab 20:30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.
(Claudia Merz)
Mehr unter myspace.com/leitstrahlbeta bzw. myspace.com/paulraal.Mit dem „Lola rennt“-Zitat: „Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten. Soweit ist alles klar. Alles andere ist Theorie“ lehnt eine Redakteurin dankend ab, den Fußballtext zu schreiben. Eine Fußball WM ist allerdings viel mehr als nur grüner Rasen, zwei Mal elf Mann und zwei Tore an den Seiten. Das ist mit FreundInnen gute eineinhalb Stunden verbringen, sich für ein Team entscheiden und gnadenlos mitfeiern und –fiebern, bis der Schlusspfiff gefallen ist. Das ist sein letztes Hemd verwetten, in der Gruppe ärgern und mit dem/den GegnerInnen hinterher mit einem versöhnlichen Bier anstoßen. Das ist ein freudiges in die Arme Fallen beim entscheidenden Elfmeter für sein Team und ein unbeschämtes Tragen des Lieblingstrikots, mit dem man sich sonst höchstens schlafen gehen traut. Die WM versammelt FußballfanatikerInnen wie -banausInnen gemeinsam vor der poolbar-Leinwand, das Bier gibt’s immer frisch gezapft gleich nebenan, und um die richtige Musik zum Feiern hinterher braucht man sich auch nicht selber zu kümmern. Und ja, der Eintritt ist natürlich immer frei.
(mij)
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Die Menschen haben wohl tatsächlich alle keine Ahnung! Das richtige Leben im falschen leben, ist das denn tatsächlich schon genug? Da kann und muss doch noch mehr gehen!
Seit 25 Jahren wurde diese Haltung nun schon durchgezogen: Wandeln, Hinterfragen, Errichten- und Zerrichten zwischen Hässlichkeit und Schönheit, Integrität und Absurdität, Political Correctness und Ironie. Ein vorsätzliches Rauskotzen von Widersprüchlichkeiten, der Gesellschaft immer wieder den Spiegel vors Gesicht gedrückt - auf ästhetischer und inhaltlicher Ebene. Punk im wahrsten Sinne.
Immer wieder das gleiche Ambiente?
Auch Wordakrobat und Chef-Zitrone Schorsch Kamerun sieht in Punk nicht mehr als eine Haltung, den Gedanken, immer wieder Neues zu bestimmen, Grenzen auszuloten, die Freiheit des Individuums, eben alles tun zu können, was man will. Die Grenzen ausgelotet haben die Goldenen Zitronen in den letzten 25 Jahren reichlich: Von den Anfängen als teilweise missverstandene Fun-Punk-Kapelle bis zum aktuellen Kraut-Monster „Die Entstehung der Nacht" - die inhaltliche Verortung blieb immer dieselbe. Von unterschiedlichsten Wandlungsprozessen beflügelt trugen vor allem die 90er und Nuller-Jahre dazu bei, dass die Zitronen mehr und mehr den künstlerischen Ausdruck mit eigenwilliger Direktheit paarten. Hieß es in den 80ern noch: „Für immer Punk", wurde einige Jahre später mit „Fuck You" und „Punkrock" dem Abklatsch und Stumpfsinn des Alltags eine Abfuhr erteilt: Eine Watsche mitten ins Gesicht großer Rockbands. Im ästhetischen Sinne immer weiter weg von rockistischen Gefilden und rein ins Experimentierfeld: Jazz, Noise, Krautrock, Hip Hop und weiß der Geier. Mit „Dead School Hamburg" und „Schaffot Zum Fahrstuhl" alles neu verortet, dem Hamburger Diskurspop ein Bein gestellt und ganz viel Sand ins Getriebe gestreut: „Wie's der Weltmenschheit sonst so ergeht, ist uns scheißegal!"
Die Entstehung der Nacht
Die Goldenen Zitronen sind heute dort angelangt, wo man es sich nicht mehr leicht machen kann - als KünstlerIn nicht und schon gar nicht als politisch denkender Mensch. Versucht man es dennoch, dann sind die systematischen Eindämmungsmechanismen mit ziemlicher Sicherheit so schnell zugange, dass eine angemessene Reaktion meist nur ausbleiben kann. Das aktuelle Album „Die Entstehung der Nacht" verzichtet auf große Slogans, strotzt stattdessen nur so von Querverweisen, Referenzen und Zitaten. Frühere Zitronenentwürfe werden durch neue Annäherungen an den Text ergänzt: Ihm wird mehr Freiheit gelassen, der Autor entzieht sich zunehmend seinem Streben nach Kontrolle über die Textproduktion. Mit anderen Worten heißt es da im dem Album beigelegten Manifest: „Text bleibt erstes Instrument. Um sich aber den Unzulänglichkeiten von Sprache, ihren Klischees oder Konfrontationslinien (...) zu entziehen, findet die inhaltliche Aussage der Platte ebenso drängend im Musikalischen statt." Von Haider über Silbermond bis zu Web 2.0 bekommen alle ihr Fett weg, und was zählt, ist die Unzugänglichkeit als Herausforderung im Denken und in der Ästhetik.
Die „Goldies" haben es also immerzu verstanden, aus der an den gesellschaftlichen Kontext gebundenen Nische heraus die formalen, ästhetischen und auch sprachlichen Korsette zu sprengen und somit die konstant gebliebene Oppositionshaltung weiter und weiter und immer wieder neu zu formulieren. Wie heißt es da so schön im Song „Positionen": „Plötzlich neue Positionen/ Die Fähigkeit zur Handlung/ Und aus reinen Wünschen springt überraschend frischer Anspruch."
(Philipp Lampert)
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