FR 21 07

Geöffnet täglich ab 19:00 Uhr, Abendprogramm ab 20:30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.

The Notwist, Halle, 21:00 Uhr
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Konzert
 

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Erinnern wir uns


Kurs auf Uma. Abenteurer am Schienenstrang. Mit vollen Segeln... im
Abendprogramm unserer Kindheit vermochten bereits die Titel der
Kapitel einen Fahrtwind zu entfachen, in dessen Lauf wir uns auf
ewig legen wollten. Seite an Seite mit Albatrossen, Möwen und
anderen Seglern. Über einem Dreimaster kreisend, Zeugen unseres
eigenen Abenteuerfilms, die Mannschaft an der Takelage im Blick. Im
Wogen der Wellen. Im Sturm und Drang von Trommelfellen. Dazu
der Klang von Schalt- und Wendekreisrotoren, von Marimba und
Kajüten Holz, von Musik im Fernglas. Und wäre das Schiff auch nur
ein Robbenfänger namens „Ghost“ gewesen, in einer verfilmten
Erzählung von Jack London, in der wir uns von lauter Schurken
umgeben wähnten – für die Dauer eines Abends wäre die Flucht
gelungen.


Seit nunmehr drei Dekaden sind die Brüder Markus und Micha Acher
in zahlreichen Inkarnationen und Interaktionen mit der Weilheimer
und anderer Szenen wie auf Schnellbooten unterwegs – The Notwist
bleibt das konstante Mutterschiff. Das vorliegende Album ist nun das
Dokument der Live Umsetzung mit Andi Haberl, Max Punktezahl, Karl
Ivar Refseth und Cico Beck, und das Dokument eines Abends:
Aufgenommen am 16. Dezember 2015, dem zweiten von drei
ausverkauften Abenden im ehemaligen Lichtspielhaus UT Connewitz
zu Leipzig, ist „Superheroes, Ghostvillains & Stuff“ ein hautnahes
Konzerterlebnis in Triple Vinyl – und gleichzeitig das definitive The
Notwist Album.


Bis auf eine Reminiszenz an die lauten Jahre – „One Dark Love
Poem“ vom Album „Nook“ – speist sich das Programm aus den drei
Alben Neon Golden, „The Devil, You + Me“ und „Close To The Glass“,
und scheut sich nicht, die Hits zu liefern. Die sich allerdings organisch
erweitert und neu interpretiert zu einer, im wahrsten Sinne,
lebendigen Erzählung aufschwingen und, auch dank der konzertierten
Abmischung von Olaf Opal, die bisherige Studioarbeit mitunter sogar
überflügeln. Beim Hören von „Superheroes, Ghostvillains & Stuff“
glaubt man, die Evolution der Songs wie in einem barocken
Triptychon beobachten zu können.

 

 

 


Zunächst als Wimmelbild, erleben wir diese Musik in seiner
Gesamtheit als eine Möbiusschleife, die kein Oben und kein Unten
kennt, kein innen und kein Außen, weil ihr Außen das Innen und ihr
Innen das Außen zugleich ist. Es ist eine Musik der Verschränkung
und Versöhnung.


Der auf Breitwand expandierte Pop und der experimentell krautige
Jazz, der Geist der Aufklärung und die Verspieltheit des Barock,
Minimal Music und die Avantgarde der Moderne, Dubverfahren und
Hip Hop Techniken bis hin zu House Music – sie alle versöhnen sich
hier in einer elegisch romantischen Verschränkung. Am Ende sind die
Geister der Songs entfesselt, und die Band hat sich freigespielt.
Der Albumtitel ist übrigens aus einem Songtext herausgeschnitten,
aus Kong, dem Credo von Markus Acher. Wasser tritt in diesem Song
zunächst als Motiv der Bedrohung auf – als eine Kraft, die von außen
auf ein Haus wirkt, bis es fortgeschwemmt wird – doch werden die
Momente des Schreckens, eben aufgrund des fluiden Charakters des
treibenden Wassers, in ihrer Melodieführung als hoffnungsvoller
Aufbruch geschildert, von einer Musik getragen, die schließlich in
euphorische Abenteuerlust mündet.


Und da ist es dann, dieses Kolumbusfeeling, dieser Entdeckergeist!
Die Schiffsbesatzung schmeißt sich in die Takelage, mit vollen
Segeln, den Kompass auf Expeditionskurs, den Osten im Westen
vermutend, und vice versa. Das Abenteuer Musik geht weiter!
Eigen, Pico Be (Das Weiße Pferd)

notwist.com

 

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